Brigitte Franzen leitet Berliner Bauhaus-Archiv  |  | Brigitte Franzen wird Direktorin des Bauhaus-Archivs – Museum für Gestaltung in Berlin | |
Brigitte Franzen wird die neue Direktorin des Bauhaus-Archivs in Berlin. Die 59jährige Kunst- und Kulturwissenschaftlerin tritt im April 2026 ihre neue Position an und wird damit Nachfolgerin von Annemarie Jaeggi, die seit 2003 die Geschicke des Museums für Gestaltung leitet und nach fast 23 Jahren im Amt in den Ruhestand geht. Mit Franzen gewinne das Haus eine erfahrene und visionäre Direktorin, die historische Tiefe mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbindet, äußerte sich die Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson zur Personale. „Von ihr erwarten wir neue Impulse, eine stärkere internationale Vernetzung und eine lebendige Öffnung in die Stadtgesellschaft. Gemeinsam wollen wir das Bauhaus-Archiv als Ort der Offenheit, Innovation und Teilhabe in die Zukunft führen“, so Wedl-Wilson weiter.
Brigitte Franzen, geboren 1966 in Freiburg im Breisgau, studierte Kunstgeschichte, Europäische Ethnologie, Germanistik und Soziologie an den Universitäten Karlsruhe, Wien und Marburg an der Lahn und wurde im Jahr 2000 zum Thema „Die vierte Natur“ über das Verhältnis von Natur und Kunst am Beispiel von Künstlergärten promoviert. Anschließend unterrichtete sie an der Fakultät für Architektur der Bergischen Universität Wuppertal und der Technischen Universität Graz. Weitere Lehrtätigkeiten führten sie an die Akademie der Bildenden Künste München, die Universität Köln und die Ruhr-Universität Bochum. Seit 2021 ist sie Professorin an der Goethe-Universität in Frankfurt.
Seit 1993 betreute Brigitte Franzen rund 100 Ausstellungsprojekte in verschiedenen Funktionen, darunter 2016 in Aachen die Retrospektive der Collagen Ludwig Mies van der Rohes aus dem New Yorker MoMA. Sie arbeitete unter anderem am Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, am Forum Stadtpark Graz und am Badischen Landesmuseum Karlsruhe. Von 2004 bis 2008 war sie Kuratorin für Gegenwartskunst am Westfälischen Landesmuseum in Münster und gehörte somit 2007 zum Kuratorenteam der Skulptur Projekte Münster. 2009 übernahm sie die Leitung des Ludwig Forums für internationale Kunst in Aachen, wurde 2015 zum Alleinvorstand und zur Geschäftsführerin der dortigen Peter und Irene Ludwig Stiftung berufen und wechselte 2020 ans Senckenberg Naturmuseum nach Frankfurt, das sie maßgeblich weiterentwickelte. So konnte sie die Besuchszahlen im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau um 13 Prozent auf 460.000 Gäste steigern. Seit Oktober 2024 amtiert Franzen als Präsidentin der Hochschule für Gestaltung – Universität für Kunst und Design in Offenbach.
Das Bauhaus-Archiv in Berlin ist seit 2018 für eine Sanierung und Erweiterung durch das Berliner Büro von Volker Staab geschlossen. Mit dem Neubau von Staab Architekten gewinne es laut Franzen spektakuläre Ausstellungs- und Aktionsflächen. Hier will sie die Folgen und Wirkungen künstlerischer und gestalterischer Entwicklungen als Ausdruck der Vielfalt von Lebensentwürfen und damit als gesellschaftliche Kraft deutlich werden lassen. „Es ist für mich sowohl ein Aufbruch als auch eine Rückkehr zu meinen Wurzeln. Meine Begeisterung für die Kunst- und Kulturwissenschaft und die Ausstellungsarbeit begann mit der Architektur des Neuen Bauens und den Architekturausstellungen der 1920er Jahre. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, an diesen Forschungsschwerpunkt anzuknüpfen“, so Franzen. „Die einzigartige Sammlung mit Fokus auf Architektur, Gestaltung, bildender Kunst, aber auch Mode, Musik, Film, Fotografie und Tanz bietet unzählige Möglichkeiten. Ich werde am Bauhaus-Archiv Museums- und Sammlungsarbeit, Öffentlichkeit und Wissenschaftskommunikation zusammen denken und das berühmte Haus zusammen mit Alexander Stockinger und gemeinsam mit dem Team in die Zukunft entwickeln.“
Der Wechsel auf der Leitungsebene wird komplettiert durch Alexander Stockinger. Er übernimmt zum 1. November die Position des Kaufmännischen Direktors und geschäftsführenden Vorstandsmitglieds am Bauhaus-Archiv. Berufliche Stationen führten ihn 2014 als Referent und Ausstellungsmanager an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie 2017 als Referent für Organisationsentwicklung an das Berliner Humboldt Forum. Derzeit ist Stockinger Kaufmännischer Geschäftsführer und Vorstand des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. |