Positions startet in Berlin  |  | Youjin Yi, Balancing, 2023 | |
Heute beginnt die zwölfte Ausgabe der Positions Berlin Art Fair. Im Hangar 7 des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof haben sich zur Berlin Art Week 75 Galerien aus 19 Ländern versammelt und präsentieren Kunst von der Moderne bis zur Gegenwart, wobei der Schwerpunkt auf zeitgenössischen Positionen liegt. Aufgrund der Sanierung des Hangars 6 musste die Raumplanung angepasst werden. Zusätzlich reagieren die Messedirektoren Kristian Jarmuschek und Heinrich Carstens auf die aktuelle, eher schwache Entwicklung des Kunstmarkts und setzen auf Qualität vor Quantität. Als einzige Kunstmesse der deutschen Hauptstadt will die Positions zu einem Ort des künstlerischen Austauschs werden, inspiriert von Offenheit, Neugier und einem Sinn für Aufbruch. Mit dabei ist etwa der Kunsthandel Draheim aus Eltville, der mit Lovis Corinths zart kolorierter und bewegt gezeichneter Lithografie des Potsdamer Schlosses „Sancoussi“ von 1922 (Preis 2.900 EUR) oder Otto Antoines Ölgemälde einer lebendigen Straßenszene „Am Potsdamer Tor“ in Berlin von 1930 (Preis 5.800 EUR) die Sammler mit lokalen Interessen anspricht.
Die Galerie Erik Bausmann aus Halle an der Saale setzt auf jüngere Kunst, etwa auf Arbeiten von Jirí Georg Dokoupil. Der tschechisch-deutsche Maler, der zu den „Jungen Wilden“ der 1980er Jahre gerechnet wird, hat häufig seine Stile, Techniken und Medien verändert. Seine Materialien reichen von Acrylfarbe bis hin zu Muttermilch, die er meist ohne Pinsel auf die Leinwand bringt, damit klassische Kriterien wie die künstlerische Handschrift und den Wiedererkennungswert hinterfragt und Preise bis zu niedrigen sechsstelligen Euro-Werten generiert. Die Berliner Galerie Kornfeld konzentriert sich auf die 1980 geborene Südkoreanerin Youjin Yi, die an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert hat. In ihren Gemälden von Tieren, Pflanzen und Landschaften verbindet sie die gestische Freiheit europäischer Abstraktion mit der Präzision koreanischer Tuschemalerei und entwirft wie in „Awakening“ von 2023 (Preis 12.000 EUR) oder „Slee Walker“ von 2021 (Preis 7.600 EUR) keine Abbilder der Natur, vielmehr unaufdringliche Paraphrasen über das Leben und das Zusammenspiel von Mensch und Natur.
Dieses Jahr ist Japan Gastland der Positions und stellt zehn Prozent der teilnehmenden Galerien. Die ästhetische Sprache seiner Kultur reicht von jahrhundertealten Riten bis zu radikalen zeitgenössischen Ausdrucksformen. Auf der Tradition des japanischen Farbholzschnitts baut Seiko Kawachi auf, der in seiner Grafik „Framed Nature Sunflower“ von 2008 Katsushika Hokusais berühmte Darstellung „Die Große Welle“ aufgreift und mit einem Strauß Sonnenblumen verknüpft, der an Vincent van Gogh erinnert. Beim Aussteller Tolman Collection aus Tokio kostet das Blatt 4.600 Euro. Die Künstlerin Reiko Tsunashima, vertreten von der Gallery Kitai, erschafft mit Sumi, einer traditionellen Rußtinte, abstrakte stille Landschaften auf Papier. Sumi, das in der japanischen Kalligrafie seit Jahrhunderten verwendet wird, reagiert sensibel auf klimatische Bedingungen wie Temperatur, Feuchtigkeit und Licht. Tsunashima nutzt diese Eigenschaften für ihre Werke, deren Entstehung sie als Zusammenarbeit mit natürlichen Elementen versteht. Indem sie die Blätter in teils raumgreifende Holzrahmen einbettet, erweitert Tsunashima
die Bildfläche zu einem „Fenster“, das die Betrachtenden in einen kontemplativen Bildraum einlädt.
Die Positions Berlin Art Fair läuft vom 11. bis zum 14. September im Hangar 7 des Flughafens Tempelhof. Das Messegelände ist am Donnerstag als Professional Preview ab 12 Uhr, ab 14 Uhr mit VIP-Karte und von 18 bis 23 Uhr für alle geöffnet; am Freitag dann von 14 bis 20 Uhr, am Samstag von 11 bis 19 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt regulär 20 Euro, ermäßigt 10 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er kostenlos.
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