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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
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Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Kunst ab den 1950er Jahren hatte im Wiener Dorotheum einen guten Stand. Vor allem für weniger bekannte Künstler aus dem Osten und für Humoristen war das Interesse hoch

Was will Mister Enterprise?



Alt ist Mikuláš Medek nicht geworden. Der tschechische Maler starb 1974 mit gerade einmal 47 Jahren in Prag. Dennoch gilt er in seiner Heimat als einer der wichtigsten und originellsten Künstler seiner Generation. Ausgehend vom Surrealismus entwickelte er eine zeichenhafte Bildsprache, die die Botschaft seiner Werke geheimnisvoll, beinahe mystisch verschlüsselt, so auch in seinem Gemälde „Mr. Enterprise“ von 1968. Klar abgegrenzte Flächen in Blau und Rot schweben vor einem tiefschwarzen Hintergrund und wirken eindringlich, fast plakativ. Deutlich hebt sich eine Konstruktion ab, die fast die ganze Breite des Bildes einnimmt und an einen Schrein mit einem Halbkreis erinnert. Doch diese Assoziation zerstört Medek gleich wieder, indem er rote Kugeln, spitze Formen wie Vogelschnäbel, Signalpfeile, eine doppelte Bogenreihe, Vogelköpfe in stilisierter Gestalt oder eine entwickelte Papierrolle als Ausweis seiner charakteristischen Turmkonstruktionen einführt. So bleibt auch sein „Mr. Enterprise“ für den Betrachter unzugänglich verschlossen. Das tat der Nachfrage im Dorotheum aber keinen Abbruch. Angepriesen als eines der Hauptwerke Medeks und mit musealen Ausstellung, zuletzt 2020 in der Nationalgalerie Prag, geehrt, zog der Wert des Gemäldes von 180.000 Euro auf 400.000 Euro an.


„Mr. Enterprise“ war im Wiener Auktionshaus nicht allein. Aus der Sammlung des im Februar verstorbenen Stuttgarter Kunsthistorikers Christoph Wilhelmi stammten Mikuláš Medeks wiederum hermetische, mit Kugeln angereicherte und von Rottönen geprägte Konstruktion „Sudden Incident on the Border of Yellow“ aus dem Jahr 1967, die sich von 100.000 Euro auf 270.000 Euro verbessern konnte, und die mit identischem Motiv- und Farbrepertoire agierende Leinwand „The head of an mechanical poet“ von 1968, die von 60.000 Euro auf 110.000 Euro kletterte. Medeks mährischer Kollegen Ivan Theimer hatte gleichfalls leichtes Spiel, als sein mit floralen Elementen, Tieren, klassizistischen Architekturvisionen, wissenschaftlichen Experimenten und einem leeren Schildkrötenpanzer verzierter Obelisk an die Reihe kam. Die teils hellblau gefasste, mannshohe und surreal anmutende Bronzestele animierte die Käufer zu 26.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Über die Arbeiten der beiden tschechischen Künstler hinaus lief die Auktion „Zeitgenössische Kunst“ für das Dorotheum weitgehend reibungslos ab, generierte am 21. und 22. Mai einige unerwartete Ergebnisse und spülte bei einer guten losbezogenen Verkaufsrate von 78,8 Prozent für den ersten Teil und von 70,5 Prozent für den zweiten Teil über 11 Millionen Euro brutto in die Kassen des Versteigerers. Auf Medek folgte in der Zuschlagsliste Maria Lassnig mit ihrem frühem Köperbewusstseinsgemälde „Selbstportrait mit Engel“ von 1961, auf dem sich in den blauen und roten freien Linienformationen kaum etwas Gegenständliches ausmachen lässt. Dennoch ging es auch hier mit 370.000 Euro deutlich bergauf (Taxe 200.000 bis 350.000 EUR). Zeitlich noch davor lag Lassnigs Landschaftsbild mit abstrahierten Bergformationen aus dem Jahr 1955. Für dieses Frühwerk, das beim Dorotheum im Herbst 2016 noch 110.000 Euro einbrachte, zeigte jetzt bei 80.000 bis 130.000 Euro aber niemand Interesse.

Auch bei Martha Jungwirth fiel der Zuspruch nicht einheitlich aus. Während ihre improvisierten Farbkrakeleien auf einer Papierarbeit aus der Serie „Der Affe in mir“ von 1990 bei 100.000 Euro gefragt waren (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR) und sich ferner ihre zwei Jahre jüngere, kraftvollere Ölabstraktion bei 55.000 Euro hervorragend schlug (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR), blieb ihr zartes und wässriges Aquarell bei 40.000 bis 70.000 Euro liegen. Weitere Klassiker der österreichischen Kunst zählten zu den Wiener Aktionisten: bei Hermann Nitsch reüssierten ein drei Meter breites Schüttbild von 1992 in Rot, Grün, Violett und Blau samt Malhemd für 95.000 Euro, seine lediglich rote Variante aus der 41. Malaktion vom August 1998 für 70.000 Euro (Taxe je 70.000 bis 130.000 EUR) und bei Arnulf Rainer eine schnell hingemalte liegende schwarze Kreuzform auf roten Farbschlieren aus dem 1970er Jahren ebenfalls für 95.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Von Otto Muehl, der 1991 wegen Kindesmissbrauch in seiner 1970 gegründeten Kommune zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, distanziert sich heutzutage die Kunstwelt. Daher konnte sein Acrylgemälde „Der kranke Bacchus“, bei dem sich Muehl auf Caravaggio bezog, auch nichts ausrichten (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Markus Prachensky freute sich über 91.000 Euro für seine rot-grüne, verkleckste Balkenkonstruktion „Amanpuri“, inspiriert von einem Thailand-Aufenthalt im Jahr 1999 (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR).

Die jüngere österreichische Künstlergeneration behauptete sich etwa mit Herbert Brandl und seinem titellosen Farbmeer in Rot-Violett, Gelb, Braun, Blau und Grün aus dem Jahr 2013 bei 70.000 Euro (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR), ebenso mit seinen beiden seltenen Bronzeskulpturen furchteinflößender „Säbelzahnhyänenartigerhunde“ von 2011 jeweils bei 18.000 Euro an der unteren Schätzgrenze und immer wieder Erwin Wurm mit seinen humorvollen plastischen Arbeiten. Seine silbern glänzende „Hypnosis“ von 2008, zwei Männerbeine, die in einer überdimensionierten Kartoffel verschwinden, sicherte sich 58.000 Euro (Taxe 30.000 bis 45.000 EUR), sein Seagram Building als „Mies van der Rohe Melting“ von 2005 gute 74.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), und im zweiten Auktionsteil mit den günstigen Arbeiten ging es mit Wurms hyperrealistischem „Butterbrot“ aus bemaltem Aluminium bei 16.000 Euro (Taxe 8.000 bis 15.000 EUR), seinen kopflosen, entgegengesetzt schreitenden Männerhälften in Rosa bei 22.000 Euro (Taxe 15.000 bis 22.000 EUR) und mit seiner „Glock“, einer aufgedunsenen Waffe in Gestalt eines männlichen Gemächts von 2019, bei 17.000 Euro nur so weiter (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR).

Preislicher Höhepunkt bei den Skulpturen war, wie erwartet, Fernando Boteros schwarzbraune kleinformatige Aktgruppe „Frau auf einem Pferd“ aus dem Jahr 1998 in charakteristischer wuchtiger Plastizität bei 360.000 Euro (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Trotz auf 220.000 Euro reduzierter Mindesttaxe gab Leoncillo Leonardis schwarze, schrundig aufgerissene Terrakottaskulptur „Luce Perduta n. 2“ von 1961 deutlich auf 160.000 Euro nach. Mehr Glück hatten andere der zahlreich vertretenen Italiener, etwa Lucio Fontana mit seiner grauen runden Keramikschale, die er 1960 mit einem seiner berühmten Längsschnitte zum „Concetto Spaziale“ machte, für 90.000 Euro (Taxe 55.000 bis 75.000 EUR) oder Carla Accardi mit ihrer zeichenhaften dichten Abstraktion „Azzurro-Rosso n.2“ von 1961 bei 165.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Antonio Sanfilippo tat es ihr 1957 auf seiner „Pittura“ mit einem dichten Gewirr an Buchstaben- und Linienfragmenten gleich und erntete damit nun 80.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), ebenso Giuseppe Capogrossi mit seiner „Superficie n.6“ aus den 1950er Jahren. Seine ellipsoiden schwarzen Formen, die einem durchgestrichenen Buchstaben E ähneln, gitterartig über dem weißen Grund angeordnet und durch einen roten kleinen Fleck ergänzt sind, spielten 110.000 Euro ein (Taxe 75.000 bis 100.000 EUR).

Während Tancredis kurze Pinselabdrücke in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau, die sich auf einer Leinwand aus dem Jahr 1957 zur Mitte hin verdichten, taxgerecht bei 160.000 Euro ans Ziel kamen, gab Piero Dorazios ebenfalls kleinteilige Netzstruktur in Gelb von 1962, die das ursprüngliche rot-blaue Geflecht überlagert, auf 175.000 Euro nach (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Dadamainos luzides Quadrat „Volume a moduli sfasati“ aus übereinander liegenden gestanzten Kunststofffolien von 1960 verfehlte bei 42.000 Euro seine Wirkung nicht, gleichfalls Giulio Turcatos Tondo „Superficie Lunare“ in kräftigem Orangerot bei 36.000 Euro, in das er 1969 kleine Schaumstoffpartikel beimischte, um eine Kraterstruktur wie beim Mond zu erhalten (Taxe je 25.000 bis 35.000 EUR). Auch Emilio Vedova hatte mit seinem energiegeladenen gestischen Rundbild „Non Dove“ in Schwarz, Violett und Grün von 1987 bei 150.000 Euro (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR) und dem abermals ungestümen Rechteck „Ciclo ’60“ von 1960 bei 94.000 Euro keine Probleme (Taxe 65.000 bis 85.000 EUR).

Der gebürtige Sizilianer Salvatore Mangione, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Salvo, war einer der wenigen gegenständlich arbeitenden Maler der Auktion und hatte mit seiner stilisierten, tief verschneiten und von Blautönen gesättigten Winterlandschaft unter Vollmond im Monat „Gennaio“ bei 80.000 Euro Glück (Taxe 55.000 bis 75.000 EUR). Italiener, die keinen Abnehmer fanden, waren Alberto Burri mit seiner verbrannten „Combustione“ von 1957 samt Rußfetzen auf rotem und cremefarbenem Papier, Ettore Spalletti mit seinem himmelblauen Hochrechteck „Composizione dispari“ von 1974 (Taxe je 80.000 bis 120.000 EUR) oder Giulio Paolini mit seiner konzeptuellen Fotoarbeit „Museo (Aprile 1504)“, auf der ein großer Wohnraum von Raffaels Geburtshaus in Urbino abgebildet ist (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Für Überraschungen ist Konrad Klapheck seit längerem gut. Auch beim Dorotheum stieg sein neorealistisches, dabei psychologisierendes Maschinenbild eines Föns mit dem hintergründigen Titel „Vor der Abfahrt“ aus dem Jahr 1992 von 80.000 Euro auf 180.000 Euro. Noch davor platzierte sich bei der deutschen Kunst mit 190.000 Euro Albert Oehlens großformatiges Gemälde „Baum 52“ von 2015 mit einer blauen Kreuzform und schwarzen Überlagerungen (Taxe 180.000 bis 280.000 EUR). Für Jörg Immendorffs den Ost-West-Konflikt thematisierendes Ölgemälde „Heuler“ von 1983 gab es taxgerechte 50.000 Euro, für Horst Antes’ fast schon zum Kopffüßler mutierte „Blaue Figur 3“ von 1960/61 im Nachverkauf 30.000 Euro (Taxe je 50.000 bis 70.000 EUR). Bei Christo und Jeanne-Claudes früher, 1972 gezeichneter Studie zum „Wrapped Reichstag“ wollten die Bieter nicht anbeißen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), ebenso bei ihrer zweiteiligen Arbeit „Surrounded Islands“ von 1982 zur temporären Einrahmung von elf Inseln in der Biscayne Bay vor Miami mit 61 Meter breitem pinkfarbenem Stoff (Taxe 280.000 bis 360.000 EUR).

Das Highlight bei den Franzosen kristallisierte sich erst im Nachverkauf heraus, als für Serge Poliakoffs „Composition abstraite“ von 1967 mit verzahnten Farbfelder in Gelb, Rot, Schwarz, Blau, Grau und Weiß die untere Taxe von 190.000 Euro geboten wurde. Dahinter folgte bei 140.000 Euro Georges Mathieus explosive, von hoher gestischer Dynamik getriebene Leinwand „Naufrage Fleuri“ von 1990 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). François Morellets weiß-silbriges Diptychon „Entre deux mers no. 1“ von 2012, das die Vorstellung eines sich bewegenden Meeresspiegels evoziert, ging dagegen leer aus (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Der aus Venezuela nach Frankreich ausgewanderte Maler und Bildhauer Jesús Rafael Soto setzte sich mit seinem Vibrationsbild „Circulo Plata“ von 1977 bei 100.000 Euro durch (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), der polnisch-französische Bildhauer Igor Mitoraj mit seinem von der Antike inspirierten Köpertorso „Archäologisches Porträt von Michel“ von 1977 samt verbundenen Augen bei 65.000 Euro (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) und der Spanier Eduardo Chillida mit seinen schwarzen dicken Tuschebahnen „Gravitation GT-23“ auf weißer Papiercollage von 1996 bei 60.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



15.09.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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