 |  | Ambrosius Bosschaert d.Ä., Blumenstrauß in einer Glasvase mit Schmetterligen, um 1615 | |
Mit Ambrosius Bosschaert d.Ä. ist der Züricher Versteigerer Koller schon häufiger gut gefahren. Erst im vergangenen März konnte Bosschaerts in einer Privatsammlung wiederentdeckter, farbenfroher „Blumenstrauß in einem Römerglas in einer Nische“, angereichert mit zwei Schneckenhäusern und einem Schmetterling, bei einem Zuschlag von 700.000 Franken den Wert mehr als verdoppeln. Mit dem ebenso konzentrierten, als Frühwerk um 1608 eingestuften „Blumenstillleben mit Schmetterlingen und Muschel“ hält Koller seit 2008 sogar den gültigen Bosschaert-Rekord bei 5 Millionen Franken. Und auch in der kommenden Auktionsrunde spielt Ambrosius Bosschaert eine tragende Rolle. Der 1573 in Antwerpen geborene Maler gehört zu den Pionieren des eigenständigen Blumenstilllebens am Beginn des 17. Jahrhunderts. Über seine künstlerischen Anfänge ist wenig bekannt. Mit seiner protestantischen Familie siedelte er 1589 nach Middelburg um und avancierte hier zu einem der ersten Spezialisten auf dem Gebiet der Blumenmalerei, angetrieben von der Begeisterung zahlreicher Amateurbotaniker, die in ihren Gärten Pflanzen und seltene Spezies kultivierten. Mit hoher Präzision, naturkundlicher Beobachtungsgabe und einer Freude an Farben entwickelte Bosschaert seine Stillleben, so auch den „Blumenstrauß in einer Glasvase mit Schmetterligen“, der zuletzt 1970 im Londoner Kunsthandel auftrat und jetzt aus europäischem Privatbesitz eingeliefert wurde. Koller hat sich bei einer Schätzung von 150.000 bis 250.000 Franken zurückgehalten und hofft somit auf reges Interesse.
Insgesamt ist die Gattung Stillleben bei Koller in verschiedenen Preisklassen gut ausgebaut. Der 1604 in Hanau geborene Isaac Soreau reicherte seinen zentralen Traubenkorb mit Pfirsichzweig und aufgebrochenem Granatapfel um einen Blumenstrauß in einer Glasvase an, der perspektivisch etwas zu klein ausgefallen ist (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR). Bei Balthasar van der Ast, einem Schüler und Schwager Bosschaerts, quellen die Trauben, Äpfel und Kirschen 1624 nur so aus seinem Früchtekorb heraus und werden von Rosen, Tulpen, Johannisbeeren, einer Melone und einer Quitte im Vordergrund begleitet (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Etwas zurückhaltender zeigen sich Bartholomeus Assteyn bei seinem Arrangement von Früchten, einem Schmetterling, einer Schnecke und einer Libelle auf einer Steinplatte aus dem Jahr 1643 (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR) und Johannes Bouman bei den Aprikosen, Äpfeln und Trauben in einer Wanli-Schale, die ein Papagei genüsslich inspiziert (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Geschmackvoll hat 1689 schon zum Ende des Goldenen Zeitalters Adriaen Coorte sein Stillleben mit Walderdbeeren, Spargel, Johannisbeeren, Stachelbeeren und einem blauen Schmetterling aufgebaut (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR).
Reiche Stillleben-Ausbeute
Ebenso lichtvoll lässt Jan van den Hecke d.Ä. sein „Stillleben mit Trauben, Granatapfel, Pfirsichen und Kirschen in einer Silberschale“, die auf einer schlichten Holzplatte steht, aus dem dunklen, fast schwarzen Hintergrund hervortreten (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Dem in Utrecht tätigen Maler Johannes Baers wird der Blumenstrauß mit Schmetterlingen, Libelle und Faltern in einer Steinnische zugeschrieben, die wiederum beinahe vollkommen verschattet ist (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Floris van Schooten spezialisierte sich auf das sogenannte „Banketje“, auf Mahlzeitstillleben, die er durch eine ausgewogene, oft zurückhaltende Farbpalette und eine feinsinnige Komposition charakterisierte, wie bei seinem mit Käse, Brot, Bierglas und gerösteten Kastanien gedeckten Tisch (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR).
Ein ansprechendes Beispiel der Stilllebenmalerei des frühen 18. Jahrhunderts sind die duftig gemalten „Blumen in einem Weidekorb auf einer Steinplatte“, die Coenraet Roepel durch feine Pastelltöne sowie durch eine asymmetrische, aber dennoch sorgfältig ausbalancierte Komposition aufblühen lässt (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR). Mit ihrer glasklaren, realistischen Auffassung steht Caroline Friederike Friedrich für die Stilllebenkunst des Klassizismus, was ihre Pendants mit zwei Blumensträußen in Glasvasen samt Insekten aus dem Jahr 1797 bezeugen (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Schließlich tritt im 19. Jahrhundert, als die Gattung Stillleben nur noch eine untergeordnete Rolle spielte, Emilie Preyer mit ihrer charakteristischen farbenfrohen Zusammenstellung von Früchten auf einer weißen Damastdecke um eine Sektschale hervor, in der der Schaumwein fein perlt (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR).
Starke christliche Kunst
Die ältesten Werke der Koller-Auktion stammen aus Italien und sind noch der religiösen Malerei der Gotik verpflichtet. Ein toskanischer Künstler aus dem Umkreis Barnaba da Modenas wird für eine auf Goldgrund gemalte Madonna mit Kind samt Beweinung Christi am Grab und den Heiligen Antonius Abbas und Katharina von Alexandrien verantwortlich gemacht, die in ihrer Stilisierung und den Beschriftungen noch der Tradition byzantinischer Ikonen folgt (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Auch Francesco da Rimini, der im frühen 14. Jahrhundert tätig war, greift diese Überlieferung bei seiner Holztafel der Muttergottes mit dem Jesus- und dem Johannes-Knaben auf, die wohl Teil eines größeren Gemäldes war (Taxe 8.000 bis 10.000 SFR). Individuellere Züge nimmt der heilige Bernhardin von Siena an, wie Sano di Pietro rund hundert Jahre später den Franziskanermönch sah (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). Als Wiederentdeckung preist Koller eine Altartafel des vorwiegend im Burgund tätigen Malers Antoine de Lonhy mit dem Erzengel Michael als Seelenwäger an. Sie gehörte ursprünglich zu einem fünfflügeligen Altar, den Dominikanermönche in Auftrag gegeben hatten und der heute auf Museen in Paris, Antwerpen, Turin und eine Schweizer Sammlung zerstückelt ist (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).
Über Francesco Brinis liebevolle Renaissance-Darstellung mit Maria in einer Landschaft sowie Jesus und Johannes als Knaben für 10.000 bis 15.000 Franken geht es schnell zur Barock-Kunst, in der zunächst noch die religiöse Malerei dominiert. Hier sind eine in Grisaille-Technik ausgeführte „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“, mit der sich Abraham van Diepenbeeck klar als Rubens-Schüler ausweist (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR), und ein heiliger Paulus von Theben zu nennen. Mit der kraftvoll ausformulierten, dennoch asketischen Figur des alten ersten Einsiedlers stellt sich Sebastián Martínez Domedel in die Nachfolge des eine Generation älteren Jusepe de Ribera (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Dann tritt aber auch Landschaftliches in den Vordergrund. Marten van Valckenborch I. hat sein nach hinten verblauendes hügeliges Flusstal mit dem alttestamentlichen Zusammentreffen von David und Abigail angereichert (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR), Denis van Alsloot seine dichte Waldgegend mit Diana und Callisto an einem See samt reichem Nymphengefolge (Taxe 90.000 bis 120.000 SFR).
Salomon van Ruysdael gibt mehrere Beispiele seiner qualitätvollen Gestaltungskunst und zeigt uns Segelschiffe auf dem Haarlemmermeer mit Schloss Heemstede im Hintergrund (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR), eine weite „Landschaft mit Wagen auf einer sandigen Straße“ von 1647 (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR) und eine „Flusslandschaft mit den Ruinen der Abtei Egmond“ aus dem Jahr 1662 (Taxe 15.000 bis 25.000 SFR). Neben Ruysdael gehört auch Jan van Goyen zu den Vertretern des sogenannten „tonalen“ Landschaftsstils, der sich in Haarlem ab den späten 1620er Jahren entwickelte. So hat sich Goyen 1650 bei seiner „Seelandschaft mit Fischern und Schiffen“ beinahe vollständig auf verschiedene Brauntöne kapriziert (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Mehrere Seestücke spiegeln dann die einstige maritime Macht der Niederlande wider, darunter die Schiffe auf stürmischer See mit Blick auf Dunkerque im Hintergrund von Bonaventura Peeters d.Ä. (Taxe 18.000 bis 25.000 SFR) oder mit Anspielung auf ein konkretes historisches Ereignis von Ludolf Backhuysen. Der Marinemaler schildert die Ankunft Zar Peters des Großen in seinem Boeier vor Amsterdam. Denn der Zar reiste 1697 inkognito nach Westeuropa, um westliche Technologien und Lebensweisen kennenzulernen (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).
Gemälde Neuerer Meister
Das 19. Jahrhundert präsentiert am 19. September das teuerste Werk der Auktion: Ivan Konstantinovich Ajvazovskijs virtuosen „Wellengang auf hoher See“. In dem Spätwerk aus dem Jahr 1898 schildert der armenisch-russische Maler eindrücklich die Naturgewalt des Meeres, ohne sie dabei mit einem menschlichen Wesen zu verknüpfen. Hierzu nutzt er geschickt die Dynamik der Wellen und die Lichtführung, betont durch den hervorragend ausgeführten Farbverlauf zwischen hellen und dunklen Blautönen im Wasser. Koller hat dafür 200.000 bis 300.000 Franken vorgesehen. Deutlich ruhiger geht es dann auf Eugène Boudins typischer Hafenszene „Le port de Trouville“ an einem bewölkten Sommertags des Jahres 1879 zu. Ebenso stimmungsvoll entwickelte Jean-Baptiste Camille Corot um 1860/65 seinen duftigen Wald mit „La chevrière italienne“ (Taxe je 100.000 bis 150.000 SFR). Über Corot hinaus ist die Schule von Barbizon bei Koller wieder gut vertreten und stellt etwa noch Virgilio Narcisso Diaz de la Peñas „Waldlichtung“ von 1872, Paul Désiré Trouilleberts herbstliche „Promenade à Montlucon“ von 1882 (Taxe je 5.000 bis 7.000 SFR) oder Karl Daubignys Strandszene in frischer Farbigkeit zur Verfügung (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR).
Mit fünf Arbeiten redet auch Carl Spitzweg ein gewichtiges Wörtchen mit. Dabei dürfte seine Darstellung „Am Schlagbaum vor dem Städtchen“ trotz ihrer geringen Größe mit 10.000 bis 15.000 Franken zu niedrig angesetzt sein. Eher summarisch fasste Spitzweg um 1845/50 gleichfalls seine „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ auf, die das Doppelte verlangt. Höhepunkt seiner Suite ist die größere und bildmäßig gestaltete Landschaft mit zwei „Schulkindern unter dem Ammergauer Kofel“ für 90.000 bis 120.000 Franken. Dass es einen Italiener mal über die Alpen zog, um im nördlichen Europa seine Motive zu finden, kam nicht so häufig vor. Carlo Bossoli war aber ein weitgereister Künstler, der seinen Blick in einem weiten Panorama auch über den Genfersee, die Stadt Genf und den Mont Blanc schweifen ließ (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Aus Polen nimmt Alfred von Wierusz-Kowalski an der Versteigerung teil. Der Preis für seine beiden „Pferdefuhrwerke bei Tauwetter“, die in einer weiten ländlichen Gegend einsam durch den schlammigen Boden ziehen, dürfte mit 10.000 bis 15.000 Franken wiederum zu günstig angesetzt sein.
Arbeiten auf Papier
Zwei fein ausgeführte Entwürfe für Altargemälde machen bei den Zeichnungen auf sich aufmerksam, zunächst eine erhöht thronende Madonna von Jacopo Negretti, genannt Palma il Giovane, der sich die Heiligen Sebastian, Rochus und Domenikus anbetend zuwenden (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR). Darauf folgt der Rokokomaler Charles-Joseph Natoire mit seinem Christus am Kreuz von 1737, an dessen Fuß klagend Maria Magdalena kniet (Taxe 7.000 bis 10.000 SFR). Natoires Freund, aber auch Rivale in Paris war François Boucher, der das Portrait eines sanft blickenden Mädchens im Profil nach links in schwarzer Kreide beisteuert (Taxe 14.000 bis 18.000 SFR). Wohl in der Werkstatt Jörg Breus d.Ä. entstand im frühen 16. Jahrhundert der Tondo mit der „Kapitulation einer flämischen Stadt vor Kaiser Maximilian I.“ als kunstvoll überarbeiteter Abklatsch nach Breus Originalzeichnung, die heute in der Staatlichen Graphischen Sammlung München liegt (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR).
Für das 19. Jahrhundert stehen Joaquín Domínguez Bécquers 1857 aquarellierter Blick einer jungen Frau aus einem Doppelbogen der Alhambra in Granada bei Abenddämmerung auf das umliegende Bergland (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR), Hendrik Willem Mesdags Aquarell mehrerer Schiffe bei der Ausfahrt aus einem Hafen (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR) oder Adolph von Menzels Ölstudie mit Esel, Ziege und Schwein (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Ein kuscheliger Stubentiger hat es sich seit 1909 bei Théophile Alexandre Steinlens Farblithografie „L’Hiver“ auf einem roten Kissen gemütlich gemacht (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR), während Lovis Corinth auf seinem Blatt „Selbstbildnis mit Model“ etwas unsicher den Betrachter fixiert. Der Probedruck entstand 1924 für das Plakat zur Corinths Ausstellung im Kunsthaus Zürich (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR).
Die Auktion beginnt am 19. September um 11 Uhr mit der „Alten Grafik & Zeichnungen“. Ab 14 Uhr folgen die „Gemälde Alter Meister“, ab 16 Uhr die „Gemälde des 19. Jahrhunderts“. Der Katalog ist im Internet unter www.kollerauktionen.ch abrufbar. |