Feldmann-Schau in Düsseldorf  |  | Hans-Peter Feldmann, Frau ohne Gesicht, 2014 | |
Die neue Präsentation im Düsseldorfer Museum Kunst Palast heißt schlicht „Kunstaustellung“. Doch dieser Titel trifft genau den Kern des Schaffens von Hans-Peter Feldmann. Denn der im Mai 2023 verstorbene Künstler beschäftigte sich mit zentralen Fragen des Kunstmachens: Was ist Kunst? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Wer bestimmt, was Kunst ist? Was macht einen Künstler, eine Künstlerin aus? Dabei eignete sich Feldmann, der als einer der wichtigsten deutschen Konzeptkünstler nach dem Zweiten Weltkrieg gilt, vorhandenes, oft alltägliches Material an, arrangierte es mit minimalen Eingriffen neu und verlieh ihm durch den anderen Kontext eine überraschende Aussage. In zehn Räumen des Kunstpalasts zeichnen nun rund 80 Arbeiten die Bandbreite seines Œuvre nach: von Feldmanns frühen Fotografien der 1970er Jahre über seine Skulpturen mit Alltagsgegenständen, übermalte Gemälde bis hin zu seinen jüngsten raumgreifenden Installationen.
Da Feldmann stets großen Anteil an der Konzeption seiner Ausstellungen hatte, die eindrücklich, aktivierend und irritierend sein sollten, und an der Düsseldorfer Präsentation zu Beginn noch selbst mitwirkte, stellt sein Tod eine Zäsur dar: Sein unverwechselbarer Stil konnte nicht weitergeführt, sondern musste neu gedacht werden. Das ist das Verdienst der Kuratorin Felicity Korn, die alles zu einer Retrospektive kondensiert hat. „Die ungeschriebenen Regeln des Kunstbetriebs stellte Feldmann auf den Kopf“, so Korn. „Sein Ziel war es, die gesellschaftliche Rolle von Bildern und Gegenständen zu hinterfragen und einen lebendigen, offenen Raum zu gestalten, der Kunst und Alltag näher zusammenführt.“
Hans-Peter beschäftigte sich mit den Grenzen zwischen Kunst und Alltag und thematisierte in seinen Werken die Schaulust, gesellschaftliche Klischees, das Verhältnis von Original und Kopie, Konsum und (Pop-)Kultur. Die Motive setzte er oft spielerisch, humorvoll und sehr direkt um. Schon früh entwickelte Feldmann eine Faszination für Bildwelten. Er sammelte Fotografien, Postkarten, Werbeprospekte und vieles mehr. Aus dem mit der Zeit entstandenen Bildarchiv stellte er Collagen zusammen, eine künstlerische Praxis, die er über seine gesamte Karriere hinweg verfolgte. Ihn interessierte die Absicht hinter den Darstellungen und welche Idealbilder, Sehnsüchte und Projektionen diese vermitteln.
Trotz Präsentationen in Galerien und Beteiligung an großen Kunstausstellungen wie der Documenta 1972 und 1977 blieb Feldmann eine breite Anerkennung zunächst verwehrt. Enttäuscht wandte er sich 1980 vom Kunstbetrieb ab. Dies bedeutete allerdings nicht, dass er nicht weiterhin künstlerisch tätig war. Er konzentrierte sich auf seinen Antiquitäten- und Souvenirladen in der Düsseldorfer Altstadt und führte parallele Unternehmungen wie einen Versandhandel für Fingerhüte, die er bis nach Australien und Südafrika verkaufte. Diese Aktivitäten symbolisierten nicht nur die ökonomische Unabhängigkeit vom Kunstmarkt. Laut Feldmann war sein Laden selbst viel mehr Kunst als das, was als solche bezeichnet würde. Er machte keine klassische Unterscheidung zwischen Kunst und Alltag. Genau darin liegt der Schlüssel zu seinem Kunstverständnis.
Zudem spielte Feldmann gerne mit den Grenzen zwischen Publikum, Kunst und Markt. In der Gruppenausstellung „Take Me (I’m Yours)“ von 1995 in der Londoner Serpentine Gallery konnte das Publikum Kunstwerke mitnehmen oder gegen persönliche Gegenstände eintauschen. Feldmann klebte einzelne gefundene Fotografien an eine Wand, die die Besucher*innen abnehmen konnten. Das Konzept setzte er seitdem stetig fort, etwa 2015 in Paris mit Postkarten der Stadt. Für die Retrospektive im Kunst Palast wurde eine neue Version entwickelt: Zum Mitnehmen liegen fünf Düsseldorfer Postkartenmotive aus den 1980er Jahren bereit. Ursprünglich hatte Feldmann sie für die Einladung zu seiner 1990 im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen ausgerichteten Schau ausgewählt, die nun eigens neu aufgelegt wurden.
Die Ausstellung „Hans-Peter Feldmann – Kunstausstellung“ läuft vom 18. September bis zum 11. Januar 2026. Das Museum Kunst Palast hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 10 Euro. Personen unter 18 Jahren haben freien Zugang. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 38 Euro kostet.
Museum Kunst Palast
Ehrenhof 4-5
D-40479 Düsseldorf
Telefon: +49 (0)211 – 566 42 100 |