Sotheby’s versteigert Pritzker-Sammlung  |  | Vincent van Goghs Stillleben „Romans Parisiens“ von 1887 im Haus von Cindy und Jay Pritzker | |
Die Herbstauktionen der großen Häuser sind heuer mit prominenten Sammlungen prall gefüllt. Im neu bezogenen Breuer Building in New York präsentiert Sotheby’s im November die erste Tranche aus der Privatsammlung von Cindy und Jay Pritzker. Der Geschäftsmann, der die Hyatt-Hotelkette gründete, sie auf die globale Bühne führte und gemeinsam mit seiner Frau 1979 den renommierten Pritzker-Architekturpreis ins Leben rief, umgab sich ins einem Haus in Chicago mit Werken von Wassily Kandinsky, Le Corbusier, Georges Braque, Fernando Botero oder Alexander Calder, aber auch mit Petrus Rosellis Portolankarte des Mittelmeers und des Schwarzen Meers von 1447 oder einer um 1500/10 in Tournai gewebten Millefleurs-Tapisserie. Die insgesamt neun Auktionen laufen bis Mai 2026 und beinhalten auch Bücher, Manuskripte, Design, Skulpturen oder chinesische Kunst.
Toplos ist Vincent van Goghs Stillleben „Romans Parisiens (Les Livres jaunes)“ von 1887. Bedeutung erlangt es aus dem Umstand, dass es zu den drei Bildern gehörte, die im Pariser Salon des Indépendants von 1888 zu sehen waren. Mit dieser ersten öffentlichen Schau seines Lebens untermauerte Van Gogh seine Position in der Pariser Avantgarde. Zudem sind Bücher nur selten ein zentrales Motiv in seinen Gemälden; von den insgesamt neun Werken mit diesem Sujet befinden sich nur noch zwei in privater Hand. Der Stapel an leuchtend gelben Heftchen des Verlegers Charpentier war zu seiner Zeit leicht erkennbar: Es waren günstige Versionen bekannter und beliebter französischer Romane für den Massenmarkt, vergleichbar der Universal-Bibliothek des Reclam-Verlags. Den Schätzpreis für das Stillleben beziffert Sotheby’s in der Region von 40 Millionen Dollar.
Henri Matisse betritt die Bühne mit dem Triptychon „Léda et le cygne“ von 1944/46. Die mythologische Gestalt der Protagonistin sitzt als abstrahierter gesichtsloser Akt, während Zeus sich ihr als blauer Schwan nähert. Gerahmt wird dieser Mittelteil von zwei karmesinroten Flügeln mit stilisierten Blattsilhouetten. Das 1943 in Auftrag gegebene Werk, das er für das Pariser Haus des argentinischen Diplomaten Marcelo Fernández Anchorena und seine Frau Hortensia entwickelte, zählt zu den seltenen Architekturausstattungen des Malers und soll 7 bis 10 Millionen Dollar einspielen. Knapp darunter liegt Paul Gauguins „Maison de Pen du, gardeuse de vache“ von 1889 aus seiner prägenden Zeit in Pont-Aven in der Bretagne, die einen Wendepunkt in seinem Schaffen darstellt. Von den 22 Landschaftsbildern aus dieser Phase sind nur noch vier inklusive dieser farbprächtigen Arbeit in Privatsammlungen beheimatet (Taxe 6 bis 8 Millionen USD).
Freunde deutscher Kunst werden etwa im „Wels“ von Max Beckmann fündig. In der allegorischen Strandszene von 1929, in der ein muskulöser Fischer mit dem großen Wels ringt, während zwei weibliche Figuren vor Entsetzen und Faszination zurückschrecken, steht der Fisch laut Beckmann als Metapher für „das schreckliche, aufregende Monster der Lebenskraft“ (Taxe 5 bis 7 Millionen USD). Von Ernst Ludwig Kirchners gibt es das „Hallesche Tor, Berlin“ aus dem Jahr 1913. Die Arbeit ist Teil seiner bekannten Serie der Berliner Stadtansichten und verbindet futuristische Elemente in der aufgebrochenen Dynamik von Bewegungen mit der gesteigerten Farbigkeit des Expressionismus (Taxe 3 bis 5 Millionen USD). Zu den weiteren Highlights der Pritzker-Sammlung gehören Joan Mirós aufgerissene Bronzeskulptur „La Mère. Ubu“ von 1975 (Taxe 4 bis 6 Millionen USD) oder Camille Pissarros impressionistische Spätsommerlandschaft „Bords de l’Oise à Pontoise“ von 1872 (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen USD).
Teile der Sammlung werden auf eine internationale Ausstellungstournee geschickt und sind bis zum 24. September in Hongkong, am 1. und 2. Oktober in der Bassam Freiha Art Foundation in Abu Dhabi, vom 9. bis zum 16. Oktober in Paris, vom 20. bis zum 24. Oktober in London und ab dem 8. November in New York zu sehen. |