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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Essen präsentiert die Dokumentarfotografin Brigitte Kraemer

Brigitte Kraemer, Grill-Stube Hildegard Habel, Bochum 1989

„Wo man lebt – wie man lebt“ lautet der Titel einer Werkübersicht aus über 40 Jahren Schaffenszeit von Brigitte Kraemer, die seit Ende September im Ruhr Museum in Essen zu sehen ist. Die Region des Bergbaus und der Schwerindustrie war und ist für die Ruhrgebietsfotografin der ideale Handlungsort, den sie mit authentischen Bildern ihrer Protagonisten schildert. Denn bei der Betrachtung ihrer Aufnahmen fällt auf, dass die gewohnte Kulisse aus Zechen und Hochöfen fehlt. Kraemers Thema ist das konkrete Leben der Menschen. Schon bei ihrer Diplomarbeit „Frauen im Frauenhaus“ beschäftigte sich die 1954 in Hamm geborene Fotografin, die ihr Studium der Visuellen Kommunikation und Bildjournalistik 1982 an der Universität Essen abschloss, mit den Leuten vor Ort. Die heute in Herne lebende Künstlerin nimmt Anteil an deren Leben, berichtet sensibel von Orten mit Zugangsbeschränkungen und gewährt in ihren dokumentarischen Serien Einblicke in zumeist verborgene Sphären. Weitere Themenstränge rekrutieren sich aus dem Alltagsleben im Ruhrgebiet, darunter etwa dem Camping, Kleingärten, Mann und Auto, Kirmes oder Trinkhallen.

Für die Ausstellung hat das Kuratorenteam unter der Leitung von Stefanie Grebe rund 200 Fotografien sowie Dokumente und Publikationen vereint und gewährt in drei Kapiteln Einblicke in verschiedene Projekte und Langzeitdokumentationen, die thematisch breit gefächert das Leben und den Alltag der Region aufzeigen. Im einleitenden, „So fern“ überschriebenen Anschnitt gewinnen die Besucher*innen Einsichten in geschlossene und geschützte Räume, etwa in die Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt Aichach, die Brigitte Kraemer 1984 im Auftrag des „Stern“ besuchte, oder in das „Friedensdorf International“ in Oberhausen, das sie 2002 im Auftrag der Zeitschrift „Max“ in Farbe aufnahm. Unter dem Motto „So nah“ sind Bilder von Menschen und Szenen aus dem öffentlichen Raum versammelt. Im Stil der Straßenfotografie taucht der Besucher in verschiedene Milieus ein und begegnet Menschen bei Kaffeefahrten, Volksfesten, an Pommesbuden, in Gärten oder während der Freizeit an den Kanälen des Ruhrgebiets.

Unter der Überschrift „So fern und so nah“ wartet die Schau mit Sujets aus der Vielfalt der hier ansässigen Kulturen auf. Riten und Bräuche verschiedener Glaubensgemeinschaften, Einblicke in Wohnungen von Migranten und Spätaussiedlern rücken unterschiedliche Parallelwelten in den Fokus, denen sich Kraemer respekt- und teilnahmsvoll nähert. In all ihren Werken gelingt es der Sozialfotografin, ohne begleitende Worte durch formale Mittel des Bildaufbaus, Unverstelltheit, Nähe zum Abgebildeten sowie Betonung von Emotionen relevante Themen der Gesellschaft griffig zu visualisieren. In ihrer zeitlebens freien Tätigkeit schuf Brigitte Kraemer knapp 400.000 Aufnahmen, die im Jahr 2022 als Vorlass in das Fotoarchiv des Ruhr Museums aufgenommen wurden. Der Gesamtbestand des Fotoarchivs vergrößerte sich dadurch um zehn Prozent auf nunmehr 4,5 Millionen Einheiten. Dabei stellt der soziologische Charakter von Kraemers Werk eine kongeniale Ergänzung dar.

Die Ausstellung „Wie man lebt – wo man lebt. Dokumentarfotografien von Brigitte Kraemer“ ist bis zum 31. August 2026 zu besichtigen. Das Ruhr Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bliebt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schüler und Studierende unter 25 Jahren ist er frei. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 29,95 Euro kostet.

Ruhr Museum
Gelsenkirchener Straße 181
D-45309 Essen
Telefon: +49 (0)202 – 24 681 444


06.10.2025

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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