Ingrid Wieners textile Kunst in Herford Seit dem Wochenende widmet das Museum Marta in Herford der österreichischen Künstlerin Ingrid Wiener die Schau „Einfach machen und tun“ und präsentiert dazu 40 handgefertigte Gobelins. Ihre Motive entnimmt die 83jährige Wiener ihrem Lebensumfeld, sei es der Kabelsalat auf dem Boden, Gurken, das Allerlei in der Wohnung, als sie in Kanada lebte, oder aktuelle Selbstportraits über Röntgenbilder ihres Gehirns. Die Kuratoren Kathleen Rahn und Friederike Korfmacher vereinen in Herford rund 70 Exponate, neben den Gobelins auch Zeichnungen, Fotografien, Film, Musik und Auszüge aus dem Briefwechsel Wieners.
Im Kreis der Wiener Nachkriegsavantgarde geprägt, wirkte die Künstlerin an den Aktionen der Wiener Gruppe mit, gab als „Monsti“ Wiener Gesangsperformances, entwickelte mit Valie Export und ihrem Partner Oswald Wiener Dokumentarfilme und pflegte intensive künstlerische Dialoge. 1969 musste Wiener, die das Weben in Wien an der Höheren Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie erlernte und 1964 mit Diplom abschloss, gemeinsam mit Oswald Wiener das Land fluchtartig verlassen. Oswald Wiener war an der Aktion „Kunst und Revolution“ am 7. Juni 1968 an der Universität Wien, einem der Höhepunkte der Studentenbewegung in Österreich, beteiligt und wurde hierfür zu sechs Monaten Haft verurteilt. Beide zogen nach West-Berlin und eröffneten mit dem Künstler und Gastronom Michel Würthle dort die angesagten Szenelokale „Matala“, „Exil“ und „Ax Ba“ der 1970er und 1980er Jahre. Dort kochte die Künstlerin und fand nach eigenen Aussagen das Kreative im Kochen faszinierend.
Arbeit und Leben sind bei Ingrid Wiener daher untrennbar verbunden. Die Ausstellung zeigt ihr Schaffen in kollaborativen Prozessen. So gestaltete sie gemeinsam mit Valie Export und dem Schweizer Künstler Dieter Roth den Gobelin „Bertorelli B“. Es folgten fünf weitere Wandteppiche in Zusammenarbeit mit Roth. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren war Ingried Wiener Teil des West-Berliner Musikuntergrunds und hatte Auftritte im SO 36. 1986 zogen Ingrid und Oswald Wiener nach Dawson City in Kanada. Neben dem Aufbau eines Cafés begann Ingrid Wiener sich mit Vorstellungsbildern im Traum zu beschäftigen und schuf Aquarelle aus der Erinnerung an ihre Träume. Mittlerweile lebt das Ehepaar Wiener wieder in Österreich. Ingrid Wiener stellt in Galerien und Museen aus, darunter im Kunsthaus Graz, im Musée d’Art Moderne in Paris oder im Kirchner Museum in Davos.
Die Ausstellung „Ingrid Wiener. Einfach machen und tun“ läuft bis zum 22. Februar 2026. Das Museum Marta hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5,50 Euro und ist bis 18 Jahre frei.
Marta Herford
Goebenstraße 2-10
D-32052 Herford
Telefon: +49 (0)5221 – 99 44 300 |