El Anatsuis Eiserner Vorhang in Wien  |  | El Anatsui, Xohanami, 2025 | |
El Anatsui hat den neuen „Eisernen Vorhang“ für die Wiener Staatsoper gestaltet. Den 81jährigen ghanaischen Künstler, der durch seine schillernde Wandbehänge aus gefundenem Material wie Kronkorken oder anderen Flaschenverschlüssen internationale Bekanntheit erlangt hat, wählte die mit Daniel Birnbaum, Bice Curiger und Hans-Ulrich Obrist besetzte Jury aus. Für sein Werk mit dem Titel „Xohanami“ hat El Anatsui auf runde hölzerne Tabletts, die häufig auf den Märkten seines Heimatlandes in Benutzung sind, und weitere Holzabfälle zurückgegriffen und sie zu abstrahierten menschenähnlichen Figuren zusammengefügt. Nun flutet dieses Meer an Gestalten auf das Publikum zu und spricht: „Empfangt unser Lied“. So heißt der Titel auf Ewe ins Deutsche übersetzt. El Anatsui will damit eine Brücke zwischen afrikanischer und europäischer Kultur schlagen, den oft lauten und unkontrollierten Alltag auf den Märkten seines Heimatlandes mit den traditionell festlichen Vorstellungen der westlich geprägten Opernwelt zusammenbringen und ein Zeichen für Frieden und Zusammenhalt setzen.
Die Ausstellungsreihe „Eiserner Vorhang“, ein Projekt von „Museum in Progress“ in Kooperation mit der Wiener Staatsoper, existiert seit 1998. Dazu werden Künstler*innen eingeladen, die 176 Quadratmeter große Brandschutzwand zwischen Bühne und Zuschauerraum in ein zeitgenössisches Kunstwerk zu verwandeln. Die Großbilder werden in einem innovativen Verfahren produziert und auf den denkmalgeschützten, aber wegen der NS-Vergangenheit seines Schöpfers Rudolf Hermann Eisenmenger umstrittenen Eisernen Vorhang installiert. Die Herstellung erfolgt auf einem PVC-Netz, das durch Magnete fixiert wird. Eingeladen waren bisher unter anderem Matthew Barney, Cao Fei, Richard Hamilton, Carrie Mae Weems, Dominique Gonzalez-Foerster, Giulio Paolini, Thomas Bayrle, Rirkrit Tiravanija, Franz West, Oswald Oberhuber, John Baldessari, Martha Jungwirth und zuletzt Pipilotti Rist. Bis zum Ende der Spielzeit im Juni 2026 wird El Anatsuis „Xohanami“ vor und nach den Aufführungen sowie in den Pausen zu sehen sein. |