Bjarke Ingels gewinnt Wettbewerb für Hamburger Opernhaus  |  | So soll das neue Hamburger Opernhaus der Bjarke Ingels Group aussehen | |
Die Bjarke Ingels Group (BIG) hat den Zuschlag für den Neubau der Staatsoper in Hamburg erhalten. In dem Qualifizierungsverfahren konnte sich das dänische Architekturbüro gegen seine vier Mitbewerber durchsetzen. Das habe eine Jury einstimmig entschieden, teilten gestern die Senatsbehörde für Kultur und Medien und die Hamburger Kühne-Stiftung mit, die einen Großteil der Baukosten übernimmt. Das Opernhaus soll auf dem Baakenhöft in der HafenCity unmittelbar an der Elbe mit einer einladenden, rundum begehbaren Dachlandschaft realisiert werden, die sich von allen Seiten zum Fluss und zur Stadt hinein öffnet.
Die Jury aus Vertreter*innen der Stadt, der Kühne-Stiftung und externen Expert*innen unter Vorsitz des Architekten Stefan Behnisch bescheinigte dem Entwurf der Bjarke Ingels Group ein wohlüberlegtes Konzept und einen städtebaulich überzeugenden Ansatz. Er sei eine „gelungene Symbiose aus guten Bedingungen für ein Opernhaus und spannendem Wahrzeichen für alle Hamburgerinnen und Hamburger“. Als besonderes Merkmal hob sie die großzügigen Dachauskragungen der Fassade hervor, aus denen eine Kaskade von eleganten Balkonen resultiere: „De facto entsteht eine Spirale aus Dachgärten, die mit einheimischen Bäumen, Büschen und Gräsern bepflanzt wird und der Öffentlichkeit als Aufenthaltsort zur Verfügung gestellt wird. So kann das Operngebäude vollständig umrundet werden, um Blicke zur Stadt, zur HafenCity und zum Hafen zu genießen.“ Der Neubau werde insbesondere bei Nacht zur Ikone, wenn seine ausufernden „Blätter“, von unten beleuchtet, einer aufsteigenden Blüte ähnelten.
Der 1974 in Kopenhagen geborene Bjarke Ingels, der seit 2006 sein eigenes Architekturbüro führt, ist für seine visionären Gestaltungen von Gebäuden bekannt. So hat er 2016 den Internationalen Hochhaus Preis der Stadt Frankfurt für sein Projekt „VIA 57 West“ in New York am Ufer des Hudson River erhalten. Das 142 Meter hohe, pyramidale Gebäude ist ein Hybrid aus europäischer Blockrandbebauung und traditionellem Hochhaus mit begrüntem Innenhof. Außergewöhnlich ist auch sein Konzept für die Müllverbrennungsanlage Amager Bakke in Kopenhagen: Das weithin sichtbare geneigte Dach ist als künstliche Skipiste angelegt, an der Außenwand befindet sich die mit 85 Meter welthöchste künstliche Kletterwand. In Berlin wurde im März Ingels’ „East Side Tower Berlin“, ein 142 Meter hohes Bürohochhaus im Ortsteil Friedrichshain, mit seiner markanten treppenartig durchbrochenen Fassade eröffnet.
Die Stadt Hamburg will ein neues Opernhaus von Weltrang bauen, da die Sanierung des bisherigen Gebäudes an der Dammtorstraße aus den 1950er Jahren zu teuer käme. Zugleich will sie mit dem Neubau ein weiteres Wahrzeichen für die Hansestadt neben der Elbphilharmonie errichten. Dazu hatten sich Hamburg und die Kühne-Stiftung im Februar auf den Bau der neuen Oper verständigt. Der Milliardär Klaus-Michael Kühne will dafür 330 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die Stadt übernimmt standortspezifische Mehrkosten in Höhe von 147,5 Millionen Euro, insbesondere für Gründung und Flutschutz. Der Entwurf von Bjarke Ingels soll in den kommenden zwei Jahren in enger Abstimmung mit der Stiftung, der Stadt und der Hamburgischen Staatsoper als künftiger Nutzerin konkretisiert werden. Am Ende dieser Vorplanung und einer belastbaren Kostenschätzung wird die Kühne-Stiftung abschließend über die Realisierung des Neubaus entscheiden. Eine Fertigstellung des Projekts ist für das Jahr 2034 angestrebt.
Alle Entwürfe für den Opernneubau, an dem auch die Büros Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg mit Diller Scofidio + Renfro aus New York, Jörg Friedrich | Studio PFP aus Hamburg, Snøhetta aus Oslo und Sou Fujimoto aus Tokio beteiligt waren, sind vom 14. November bis zum 30. November im Kesselhaus, Am Sandtorkai 30, in der HafenCity ausgestellt. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende erst ab 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. |