New York verliert Sperone Westwater  |  | Angela Westwater und Gian Enzo Sperone schließen zum Jahresende ihre Galerie in New York | |
Nach 50 Jahren schließt die New Yorker Galerie Sperone Westwater ihre Türen zum 31. Dezember dieses Jahres. Das teilten die Gründer Angela Westwater und Gian Enzo Sperone mit, die nun getrennte Wege gehen und eigene Ziele verfolgen wollen, so die Mitteilung der Galerie. Im Dezember wird die Galerie auf der Art Basel Miami Beach noch vertreten sein. Ihre finale Schau in New York mit dem Titel „Full Moon“ zeigt noch bis 13. Dezember Werke des britischen Bildhauers und Land Art-Künstlers Richard Long. Die bekannten Galeristen lancierten Künstler wie Bruce Nauman, Francesco Clemente, Wolfgang Laib und auch Long und verhalfen ihnen zu internationalem Erfolg.
1975 wurde in SoHo die Sperone Westwater Fischer Gallery gegründet. Der Düsseldorfer Konrad Fischer war Teil bis 1982 des Teams, konzentrierte sich aber dann auf seine eigenen Ausstellungsräume in der NRW-Landeshauptstadt. Die erste Schau der Galerie zeigte Arbeiten des Minimalisten Carl Andre; es folgten weitere Ausstellungen mit einem Schwerpunkt auf Konzeptkunst und Minimalismus, etwa zu Douglas Huebler, Dan Flavin, Sol LeWitt oder On Kawara. In den 1980er Jahren avancierten Sperone Westwater zu einem Hort der Neoexpressionisten und der figurativen Malerei. Angela Westwater und Gian Enzo Sperone präsentierten hier sowohl US-amerikanische Vertreter*innen, darunter Susan Rothenberg, aber auch die Italiener der Transavantguardia wie Francesco Clemente, Mimmo Paladino, Sandro Chia und Enzo Cucchi.
Die Galerie förderte aber auch etwas schwieriger zu kategorisierende Kunstschaffende, darunter der belgischen Bildhauer Wim Delvoye, seinen Schweizer Kollegen Not Vital, den argentinischen Maler Guillermo Kuitca oder den US-Amerikaner Alexis Rockman, der sich ins einen Gemälden mit visionären und dystopischen Landschaften beschäftigt. Der 2003 verstorbenen italienische Arte Povera-Künstler Mario Merz stellte 1979 seine bekannten Iglus aus Glas und Neonröhren aus. Die Ausstellungen der Galerie wurden oftmals von der Presse verfolgt, sowohl weil einige Präsentation polarisierend wirkten, oder es ihnen an Erfolg fehlte, etwa als der Starregisseur David Lynch dort erfolglos mit seinen Gemälden antrat. 2010 wechselte die Galerie von SoHo in die Bowery im Süden von Manhattan nahe dem New York Museum und bezog einen futuristischen achtstöckigen Bau von Norman Foster mit etwa 1.800 Quadratmeter Ausstellungsfläche.
In letzter Zeit vollzogen Angela Westwater und Gian Enzo Sperone eine stärkere Diversifizierung ihres Programms, das über lange Jahre vorwiegend europäische Künstler vertrat. So fügten sie ihrem Portfolio in den letzten zwei Jahren Ausstellungen der aus der Elfenbeinküste stammenden Fotografin, Malerin und Prix Pictet-Siegerin Joana Choumali oder des Puerto Ricaners Gamaliel Rodríguez hinzu. Sperone Westwater sind eine weitere einflussreiche Galerie der amerikanischen Szene, die in den letzten zwölf Monate ihre Geschäftsaufgabe ankündigt hat. Auch Tim Blum, Venus Over Manhattan, Clearing und Jack Tilton wollen sich aus dem Geschäft zurückziehen oder haben das bereits getan. |