Anastasiia Batishcheva mit Münchner Nachwuchspreis ausgezeichnet  |  | Bei der Preisverleihung an Anastasiia Batishcheva | |
Anastasiia Batishcheva hat den Karl & Faber Preis der Stiftung Kunstakademie München gewonnen. Mit ihrer Fotoserie „I Press the Button“ konnte sie sich gegen ihre 23 mitnominierten Studienkolleg*innen an der Akademie der Bildenden Künste München durchsetzen und darf sich nun über ein Preisgeld von 6.000 Euro freuen. In dem Siegerprojekt behandelt die 1999 in Charkiw geborene Ukrainerin ein Kino in der italienisch-schweizerischen Grenzregion, das pornografische Filme für ein hetero- wie homosexuelles Publikum zeigt und so zum Spiegel gesellschaftlicher Ambivalenz wird. Die vielschichtige Auseinandersetzung mit diesem besonderen Ort überzeugte die Jury, die mit der Kunsthistorikerin und Kritikerin Jennifer Braun, Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums in Hannover, und Christina Végh, Direktorin der Kunsthalle Bielefeld, besetzt war.
Nach Ansicht der Jury verbindet Batishchevas Werk auf eindrucksvolle Weise Grenzerfahrungen und Intimität. Die kleinformatigen Fotografien zögen die Betrachtenden in unmittelbare Nähe, während die malerische Qualität der Farbflächen und die präzise Komposition den Bildern eine starke visuelle Präsenz verleihen würden, heißt es in der Begründung. Auffällig seien auch die Rahmen, in die Batishcheva Cover alter Pornofilm-DVDs integriert habe und damit einen Verweis auf den kulturellen Kontext des Kinos gebe. „Anastasiia Batishcheva eröffnet uns mit dieser Arbeit einen wertfreien Blick auf einen Ort, an dem Menschen ihre vielleicht verborgenen Wünsche leben können“, so die Jury.
Geprägt von den geografischen und politischen Spannungen des Grenzraums zwischen Italien und der Schweiz, ist das Kino für seine Besucherinnen und Besucher zugleich Zufluchts- und Rückzugsort, ein Ort der Grenzüberschreitung und der heimlichen, teils behaglichen, teils unbehaglichen Begegnungen. Das Projekt entwickelte Anastasiia Batishcheva von einer zunächst beobachtenden Perspektive von außen hin zu einem intensiven Gespräch mit dem Betreiber des Kinos. Dabei eröffnete sich eine Schnittstelle zwischen persönlichen Erfahrungen und dem größeren kulturellen, ökonomischen und politischen Kontext. Das Ergebnis ist laut Jury „eine Fotoserie, die als intime und zugleich provokative visuelle Antwort wirkt: eine Reflexion über Themen wie Begehren, Ambivalenz und Grenzüberschreitung, die zugleich Phänomene wie Repression und Lust, öffentliche Identität und private Erregung in den Blick nimmt.“
Mit der Auszeichnung wollen das Münchner Auktionshaus Karl & Faber und die Stiftung Kunstakademie München seit 2013 alle drei Jahre junge künstlerische Positionen an der dortigen Akademie der Bildenden Künste fördern. Vorschlagsberechtigt sind die Professorinnen und Professoren der Akademie, die heuer 37 Werke von 24 Studierenden empfohlen haben. Neben der finanziellen Unterstützung erhalten die Preisträger*innen die Möglichkeit einer Einzelausstellung. Anastasiia Batishcheva wird ihre Arbeiten im Herbst 2026 in den Räumen von Karl & Faber präsentieren. |