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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grisebach tritt in Berlin mit der wiederentdeckten Sammlung Bauer an, die sich in der Nazi-Zeit für verfemte Künstlerinnen und Künstler einsetzte

Widerstand gegen ein unterdrückerisches Regime



Paula Modersohn-Becker,  Selbstbildnis nach halblinks, 1906

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis nach halblinks, 1906

Als Walter Bauer 1968 starb, hatte er ein bewegtes Leben hinter sich. Der studierte Nationalökonom aus Heilbronn wurde 1924 im Alter von 22 Jahren Direktionsassistent der Berliner Verkehrs- und Handels AG, die der Prager Familie Petschek als Verwaltungsgesellschaft ihres Firmenkonglomerats diente. 1928 stieg Bauer schon zum Vorstandsmitglied der AG des Braunkohlemagnaten Julius Petschek auf, der die Hälfte des europäischen Braunkohlehandels dominierte, und wurde zugleich Geschäftsführer der Thüringischen Kohlen- und Brikettverkaufsgesellschaft im Petschek-Konzern. Als Treuhänder der jüdischen Familie leitete er in den Jahren 1937 und 1938 den Verkauf ihres deutschen Aktienbesitzes an Friedrich Flick und half somit, einen Großteil des Petschek-Vermögens ins sichere Ausland zu transferieren. Nach der „Arisierung“ startete Bauer in Fulda seine unternehmerische Selbstständigkeit als Hauptanteilseigner der Hutstoffwerke Fulda Muth & Co. Als Mitglied der oppositionellen Bekennenden Kirche und des Freiburger Kreises um Dietrich Bonhoeffer wurde Walter Bauer im Oktober 1944 von den Nazis festgenommen, wegen Hoch- und Landesverrats angeklagt, jedoch 1945 in den Wirren kurz vor Kriegsende freigelassen. Als politisch unbelasteter und zudem mit Theodor Heuss eng befreundeter Unternehmer übernahm Bauer bald wichtige Aufgaben bei der Reorganisation der westdeutschen Wirtschaft.


Wann Walter Bauer begann, Kunst zu erwerben, ist nicht bekannt. Er selbst nannte den Krieg als Zeitpunkt, durch den er wohl zum Kunstsammler wurde. Dabei begleitete ihn einer der bedeutendsten deutschen Kunsthistoriker seiner Zeit: Carl Georg Heise, ab 1920 Direktor des St. Annen-Museums in Lübeck sowie nach der Nazi-Zeit Leiter der Hamburger Kunsthalle. Bauer begeisterte sich für die Kunst der Expressionisten und engagierte sich für Künstlerinnen und Künstler, die während der NS-Zeit verfemt waren. Einen zweiten Schwerpunkt legte Bauer auf deutsche Zeichenkunst vom Klassizismus bis zur Moderne. Als Heise 1945 Direktor der Hamburger Kunsthalle wurde, konnte er den Sammler für sechszehn Leihgaben in der Ausstellung „Malerei der letzten hundert Jahre“ gewinnen und überzeugte Bauer, einige Werke als Dauerleihgaben der Kunsthalle zu überlassen. In den 1950er Jahren besuchte Heise im Auftrag Bauers Auktionen und ersteigerte den zahlmäßig größten Teil der Sammlung. 1967 wurde die Sammlung in Karlsruhe mit einer Auswahl der besten Blätter zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Seitdem blieb sie im Besitz von Bauers Nachkommen verborgen und kommt jetzt in einer Auswahl von gut 110 Positionen bei Grisebach in Berlin zur Versteigerung.

Mit dabei sind drei Werke, die Carl Georg Heise für die Lübecker Museen angekauft hatte, die Nazis aber in ihrer Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmten und verwerteten. Heise und Bauer konnten sie mit dem Erwerb vor einer Abwanderung ins Ausland retten: Karl Hofers stilles „Paar am Fenster“ von 1925, das voller Melancholie in eine ungewisse Zukunft blickt (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR), Paula Modersohn-Beckers in seiner Einfachheit eindrückliches, fragendes „Selbstbildnis nach halblinks“ aus dem Jahr 1906 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR) und Frans Masereels schwermütiger Küstenstreifen „Maisons et barque“ mit zwei Fischern von 1931 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Auch aus anderen Museumssammlungen vermittelte Heise an Bauer Werke, die der „Reinigung“ der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, etwa 1940 Ernst Barlachs kompakte Holzskulptur „Der Wartende“ voller innerer Energie von 1924 aus der Badischen Kunsthalle Karlsruhe und zwei Jahre später Emil Noldes kraftvolles, aus verschiedenen Kulturen amalgamiertes „Stillleben P“ mit Hirsch und Kopf vor grünem Hintergrund von 1915 aus der Staatlichen Gemäldegalerie Dresden (Taxe je 250.000 bis 350.000 EUR). Nolde war ein Favorit von Bauer und kommt etwa noch mit der Farblithografie „Meer“ samt hohen Wellengang von 1926 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), dem farbkräftigen Aquarell „Blaue und rote Zierfische im Aquarium“ aus der Mitte der 1920er Jahre oder der ebenfalls in dieser Zeit aquarellierten Landschaft „Bockwindmühle in Nordfriesland“ zum Zug (Taxe je 40.000 bis 60.000 EUR).

In seiner 1958 im Internationalen Stil errichteten Villa in Fulda umgab sich Walter Bauer mit weiteren Skulpturen. Während Gerhard Marcks’ schwarzgrüne Bronzegruppe „Mutter und Tochter“ von 1940 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und Hermann Blumenthals ebenfalls nackter „Sitzender auf Baumstumpf“ von 1930/31 ein in sich ruhendes Menschbild vermitteln, sprechen aus Georg Kolbes elegant gedrehtem Ballets Russes-Star „Tänzer Nijinsky“ von 1913/19 Spannung und Dynamik (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Mit Nachdruck sammelte Bauer auch für Arbeiten auf Papier aus der Moderne, darunter Ernst Ludwig Kirchners Lithografie „Selbstportrait in Kammer“ von 1907, von der nur sechs Abzüge bekannt sind (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), und dessen schwarzweißen Holzschnitt „Hodlerkopf“, eine Hommage an den Schweizer Kollegen Ferdinand Hodler mit hypnotischen Augen vor seinem Gemälde „Der Frühling“ aus dem Todesjahr 1918 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), oder Lyonel Feiningers frühe humorvolle Tuschezeichnung „Hohe Häuser“ von 1910 mit seinen typischen karikaturhaft überzeichneten Gestalten (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Immer wieder trifft man auf Blätter von Käthe Kollwitz, die neben ihrer frühen Tuschezeichnung „Selbstbildnis, vor einem Stuhl kniend“ um 1891 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) vor allem mit Mutter- und Kinddarstellungen heraussticht: den „Soldatenfrauen“ von 1943 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), den Kopfstudien eines Säuglings aus den 1920er Jahren (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) oder der älteren verhärmten „Stehenden Arbeiterfrau“ von 1908 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Aus Alfred Kubins Albtraumwelten ist die Zeichnung „Der Dieb“ um 1911/12 zu haben, der von einer Menschenmenge verfolgt wird und verzweifelt auf einem Abgrund am Meer zuläuft, vor dem es kein Entrinnen gibt (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Dagegen geht es auf Oskar Schlemmer „Freundesgruppe mit Tisch und Vase“ recht friedlich zu. Die drei charakteristisch stilisierten Gestalten auf dem blau-braunen Pastell von 1935 sollen 120.000 bis 150.000 Euro erzielen. Edvard Munch tritt uns auf der selbstironischen Lithografie „Selbstporträt mit Knochenarm“ von 1895 entgegen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), Ludwig Meidner in einem 1922 mit schwarzer Kreide gezeichneten freundlichen „Selbstbildnis mit Hut“ (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) und Max Liebermann in dem Alterswerk „Selbstbildnis mit Mütze“ von 1923 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Doch Bauers Interessen gingen über die Moderne hinaus und fielen bei der deutschen Zeichenkunst seit dem Klassizismus auf guten Boden. Das älteste Blatt seiner Sammlung ist Jakob Philipp Hackerts fein ausgeführte Rötelzeichnung mit verfallenden Häusern am einem Steilufer aus der Mitte der 1760er Jahre, diesmal nicht aus Italien, sondern aus Deutschland (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Daran schließen sich Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins innige antike Hirtenfamilie aus den 1790er Jahren (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) und das Portrait „Anton Graff“ mit aufgeschlossenem Blick von Friedrich Georg Weitsch aus dem Jahr 1805 an (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Die Spielarten der Romantik lassen sich im Katalog gut studieren. Es gibt Carl Blechens verklärende „Gotische Kirchenruine im Walde“ aus den 1820er Jahren (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR) und Caspar David Friedrichs unvollendetes Blatt „Landschaft mit Felsgipfel“ um 1799 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

In nazarenische Gefilde geht es mit Johann Anton Ramboux’ bekannter Inkunabel der frühen Lithografie „Bildnis der Brüder Konrad und Franz Eberhard“, die mit 30.000 bis 40.000 Euro nicht allzu hoch angesetzt ist, oder mit Friedrich Overbecks empfindsamer Bleistiftzeichnung der jungen Maria vor der Verkündigung bei der Handarbeit (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Charmant präsentiert sich Franz Nadorp auf einer zart aquarellierten Zeichnung mit wallenden lockigen Haaren und Oberlippenbart (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Ins Reich der deutschen Ritterlegenden entführt Carl Philipp Fohr mit seinem Aquarell „Ulrich I. bringt das Haupt des Sultans ins Lager“, das er 1813/14 in sein sogenanntes „Neckar-Skizzenbuch“ aufnahm. Das 60 Blatt umfassende Heft, das er seiner Förderin Erbprinzessin Wilhelmine von Hessen schenkte, wurde 1927 aufgelöst und Blatt für Blatt verkauft. Die schaurige Begebenheit ist jetzt für 6.000 bis 8.000 Euro zu haben.

Über August Ferdinand Hopfgartens biedermeierlicher Bleistiftskizze zweier Mädchen für 1.000 bis 1.500 Euro und Anselm Feuerbachs historistischer Aktstudie des Alkibiades zu seinem „Gastmahl des Plato“ für 3.000 bis 4.000 Euro geht es zum Realismus. Hier trumpft Adolph von Menzel mit dem Pastell eines älteren sitzenden Mannes und seiner jungen Begleiterin in Rückenansicht (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und mit dem düsteren Pinselblatt „Gruft der Liebfrauenkirche in Halberstadt“ samt geöffnetem Sarg und dürrer Mumie auf (Taxe 40.000 bis 6.000 EUR). Aber auch für die Kunst seiner Zeit interessierte sich Walter Bauer und legte sich beispielsweise Theodor Werners wunderbar schwebende, informelle Komposition „Metrum und Rhythmus“ von 1955 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) oder Giuseppe Santomasos gleichaltrige, gestische Formenmodulation „I basti“ zu (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Die Auktion „Von Caspar David Friedrich bis Ernst Wilhelm Nay – die Sammlung Walter Bauer“ beginnt am 27. November um 14 Uhr. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.grisebach.com.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com

Startseite: www.grisebach.com



26.11.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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27.11.2025, Von Caspar David Friedrich bis Ernst Wilhelm Nay – die Sammlung Walter Bauer

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Expressionismus

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Neuere Meister







Friedrich Georg Weitsch,  Anton Graff, 1805

Friedrich Georg Weitsch, Anton Graff, 1805

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 128

Georg Kolbe,  Tänzer Nijinsky, 1913/19

Georg Kolbe, Tänzer Nijinsky, 1913/19

Taxe: 80.000 - 120.000 EURO

Zuschlag: 160.000,- EURO

Losnummer: 145

Ernst Barlach,  Der Wartende, 1924

Ernst Barlach, Der Wartende, 1924

Taxe: 250.000 - 350.000 EURO

Zuschlag: 380.000,- EURO

Losnummer: 124

Käthe Kollwitz,  Stehende Arbeiterfrau, 1908

Käthe Kollwitz, Stehende Arbeiterfrau, 1908

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 52.000,- EURO

Losnummer: 125

Edvard Munch,  Selbstportrait, 1895

Edvard Munch, Selbstportrait, 1895

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 38.000,- EURO

Losnummer: 126

Jakob Philipp Hackert,  Häuser an einem Steilufer, wohl um 1766/67

Jakob Philipp Hackert, Häuser an einem Steilufer, wohl um 1766/67

Taxe: 2.500 - 3.500 EURO

Zuschlag: 3.200,- EURO

Losnummer: 138

Caspar David Friedrich,  Landschaft mit Felsgipfel, um 1799

Caspar David Friedrich, Landschaft mit Felsgipfel, um 1799

Taxe: 80.000 - 120.000 EURO

Zuschlag: 180.000,- EURO

Losnummer: 149

August Ferdinand Hopfgarten,  Zwei Mädchen

August Ferdinand Hopfgarten, Zwei Mädchen

Taxe: 1.000 - 1.500 EURO

Zuschlag: 1.200,- EURO

Losnummer: 112

Johann Anton Ramboux,  Bildnis der Brüder Konrad und Franz Eberhard, 1822

Johann Anton Ramboux, Bildnis der Brüder Konrad und Franz Eberhard, 1822

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

Losnummer: 110

Adolph von Menzel,  Gruft der Liebfrauenkirche in Halberstadt, 1853

Adolph von Menzel, Gruft der Liebfrauenkirche in Halberstadt, 1853

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 280.000,- EURO

Losnummer: 165

Karl Hofer,  Paar am Fenster, 1925

Karl Hofer, Paar am Fenster, 1925

Taxe: 120.000 - 150.000 EURO

Zuschlag: 120.000,- EURO

Losnummer: 115

Oskar Schlemmer,  Freundesgruppe mit Tisch und Vase, 1935

Oskar Schlemmer, Freundesgruppe mit Tisch und Vase, 1935

Taxe: 120.000 - 150.000 EURO

Zuschlag: 110.000,- EURO

Losnummer: 209




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