Flaka Halitis politische und poetische Kunst in Duisburg  |  | in der Ausstellung „Sculpture 21st: Flaka Haliti“ | |
Innerhalb der Reihe „Sculpture 21st“ präsentiert das Lehmbruck Museum in Duisburg aktuell eine Schau zum Schaffen Flaka Halitis. Die 1982 im Kosovo geborene Haliti Künstlerin hat eine Formensprache entwickelt, die aus dem Repertoire der Skulptur, Fotografie, Architektur und Installationskunst schöpft. Sie wählt Materialien, die oft aus der Alltagswelt kommen und schafft daraus immersive Inszenierungen. Für das Lehmbruck Museum hat Haliti ein Raumensemble als Gesamtkunstwerk kreiert, das sich trotz der transparenten gläsernen Hülle der Architektur von seiner Umgebung abgrenzt. Die Installation definiert einen inneren Bereich, den die Betrachtenden erkunden können. Die integrierten skulpturalen Elemente vereinen Gegensätze, etwa Vertrautes und Fremdes, Altes und Neues, Technisches und Menschengemachtes. Haliti thematisiert damit politische Zustände, die sich unter anderem mit Freiheit und Demokratie, Zugehörigkeit und Identität befassen. Dabei entwirft sie eine visuelle Sprache, die militärische Strukturen hinterfragt und in eine entmilitarisierte Ästhetik überführt.
Den Höhepunkt bildet die Neuproduktion „Every window thinks of itself as an opening“. Hierzu hat Haliti Fenster eines ehemaligen Militärhangars der Kosovo Force (KFOR) in silbern schimmernde Stahl- und Aluminiumkonstruktionen gefasst, die sich zu überlebensgroßen Lichtskulpturen im Raum erheben. Haliti, die mit ihrem Debüt im Kosovo-Pavillon auf der Biennale in Venedig 2015 internationale Bekanntheit erhielt, erklärt: „Da unsere Zeit voller Widersprüche, Zusammenstöße und unmenschlicher Diskriminierungen ist, versuche ich zu untersuchen, wie Handlungsfähigkeit und Integrität in solchen Regimen der Paradoxie und Gewalt entstehen oder verlorengehen.“ Heute ist dieser ehemalige Militärstandort der KFOR der Sitz der Kulturinstitution „Autostrada Biennale Hangar“, entsprechend fungieren die Werke auch als ein Sinnbild für Veränderung.
Haliti stellt in ihrer Kunst die Verbindung zwischen Ästhetik und Kriegsführung her und übt Kritik an dem globalen Narrativ von Macht und Dominanz. So widmet sich die Künstlerin, die Grafikdesign in ihrer Geburtsstadt Pristina und Bildende Kunst an der Frankfurter Städelschule studierte, in der Werkreihe „Its urgency got lost in reverse (while being in constant delay)“ den immer noch anhaltentenden Spannungsverhältnissen im Kosovo. Abermals nutzt sie Überreste eines aufgegebenen Militärlagers der KFOR und transformiert sie in farbenfrohe Skulpturen. Die zwei Roboter scheinen sich nicht an ihren ursprünglichen Zweck zu erinnern, nur ihr Material verweist auf ihre militärische Vergangenheit. Statt Tarnfarbe aber ummantelt sie ein freundliches und humorvolles Kolorit. So zeigen die Skulpturen einen Moment der Leichtigkeit. Ihre schimmernden Flügel verstärken das Bild und eröffnen gleichzeitig einen Moment der Hoffnung. Geprägt von der ständigen Präsenz militärischer Ästhetik im Kosovo, stellen die Werke Flaka Halitis dieser einen transformierten Entwurf gegenüber. Durch diese Neuanordnung und Veränderung der Materialien und Gegenständen lädt Haliti zum Überwinden von Grenzen, Macht und Identität ein.
Die Ausstellung „Sculpture 21st: Flaka Haliti“ läuft bis zum 8. März 2026. Das Lehmbruck Museum hat täglich außer montags von 12 bis 17 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester und Weiberfastnacht geschlossen. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro; für Kinder bis 14 Jahre ist er kostenfrei.
Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum
Friedrich-Wilhelm-Straße 40
D-47051 Duisburg
Telefon: +49 (0)203 – 283 32 94 |