Carlfriedrich Claus in Chemnitz  |  | Carlfriedrich Claus, Montage zweier Skizzen im Bereich des 2. Signalsystems: einen Sprechakt entwickelnd, 1960/61/63 | |
Mit einer Ausstellung zum Schaffen von Carlfriedrich Claus beenden die Kunstsammlungen Chemnitz ihre Beiträge zum dortigen Kulturhautstadtjahr. „Am Rand des Jetzt am Rand des Hier“ lautet der Titel der großen Werkschau des „Sprachkünstlers“, mit dem sich das Museum einem bedeutenden Künstler der Region widmen. Geboren 1930 in Annaberg, beschäftigte sich Claus bereits in frühen Jahren mit Sprache und Schrift. Dabei wollte ergründen, wie beide Phänomene anders gedacht werden können. Anhand von ersten experimentellen Gedichten begann er in den 1950er Jahren, Sprache und Schrift auf ihren klanglichen und optischen Gehalt hin zu untersuchen. Im Rahmen dessen entwickelte Claus eine individuelle künstlerische Position, die der internationalen visuellen und akustischen Poesie zuzuordnen ist, zu deren Mitbegründern er gezählt wird. Wie Abläufe von Sprach- und Schriftbildung vonstattengehen und wie Laute und Schriftzüge als Spuren innerer Erfassungen greifbar sind, standen im Mittelpunkt von seinen Versuchen. Doch eine künstlerische Ausbildung durchlief Claus nie. Nachdem er das Gymnasium 1945 verlassen hatte, absolvierte er eine Lehre im elterlichen Schreibwarenladen und Kunsthandel, wo er bis 1959 arbeitete.
Die Ausstellung fächert sein über 40 Jahre hinweg entwickeltes transmediales Œuvre chronologisch auf und setzt mit frühen Zeichnungen, Texten und Mappenwerken ein, die von zahlreichen Dokumenten, Büchern und Fotos aus dem Archiv des 1998 in Chemnitz verstorbenen Künstlers ergänzt werden, das in den Chemnitzer Kunstsammlungen bewahrt wird. Marie Winter, dessen Leiterin und zugleich Kuratorin der Schau, setzte einen Schwerpunkt bei den vielen kleinformatigen, filigran gestalteten, beidseitig dicht beschriebenen Arbeiten auf Papier, die von teils sich überlagernden Liniennetzen durchzogen sind und Figuren oder Landschaften lediglich erahnen lassen. Die ab den 1960er Jahren entstandenen „Sprachblätter“ sind aufgezeichnete Denkprozesse, bei denen Carlfriedrich Claus philosophische, gesellschaftspolitische oder naturwissenschaftliche Themen verarbeitete.
Seit 1959 erlaubte ihm ein neu erworbenes Tonbandgerät das Experimentieren mit Sprachwelten außerhalb erlernter Sprachen. Parallel zu den akustischen Sprachexperimenten schuf Claus Zeichnungen, in denen er Sprechvorgänge im Körper zum Ausdruck brachte. Die verästelten, schichtweisen Schriftspuren können flirrende optische Strukturen beim Betrachter erzeugen. Ab den 1980er Jahren wurden seine Zeichnungen flächiger und dynamischer. Dazu verwendete Claus noch Öl- und Pastellkreiden. Den Abschluss bildet das Mappenwerk „Aggregat K“, in denen der überzeugte Kommunist Zukunftsvisionen überarbeitete. Höhepunkt der Präsentation ist die raumgreifende interaktive Soundinstallation „Lautprozessraum“, die erstmals 1995 in den Kunstsammlungen am Theaterplatz gezeigt wurde und nun nach 30 Jahren wiederauflebt. Sie besteht aus sieben verschiedenen Lautprozessen, die über Bewegungsmelder aktiviert werden können. Besucher können das Lautgeschehen selbst durch ihre Bewegung im Raum steuern.
Die Ausstellung „Carlfriedrich Claus. Am Rand des Jetzt am Rand des Hier“ ist bis zum 1. März 2026 zu besichtigen. Die Kunstsammlungen am Theaterplatz haben täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, ab Januar mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bliebt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Für Personen unter 18 Jahre ist der Eintritt frei.
Kunstsammlungen Chemnitz – Kunstsammlungen am Theaterplatz
Theaterplatz 1
D-09111 Chemnitz
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