Reni-Rekord in Paris  |  | In Zusammenarbeit mit dem Auktionshaus Millon stellte Artcurial in Paris den neuen Guido Reni-Rekord in Höhe von 10,1 Millionen Euro netto auf | |
In der vergangenen Woche erzielte das nach fast 200 Jahren wiederentdeckte Gemälde „David und Goliath“ einen neuen Auktionsrekord für Guido Reni. Bei der Versteigerung „Maîtres anciens & du XIXe siècle“ von Artcurial in Paris, konnte die triumphale, gleichwohl lässige Geste des jungen David mit dem abgeschlagenen Haupt des riesigen Kriegers aus dem Lager der Philister ihren Schätzwert von mindestens 2 Millionen Euro verfünffachen und gilt mit einem Zuschlag bei 10,1 Millionen Euro nun als teuerstes Werk des Barockmeisters aus Bologna. Der Käufer ist ein europäischer Sammler, der mit Aufgeld und Steuern knapp 12,4 Millionen Euro bewilligte. Reni, dem in den letzten Jahren einige Ausstellungen etwa im Frankfurter Städel gewidmet wurden, war zu seiner Zeit einer der berühmtesten Künstler. Seinen letzten Preisrekord verzeichnete er im Juli 2008, als sein auf Kupfer gemaltes Kabinettbild „Martyrium der heiligen Apollonia“ bei Sotheby’s in London auf 1,6 Millionen Pfund netto kam.
Abermals war es Eric Turquin mit seinem Cabinet Turquin, der dazu beitrug, dass dieses Bild mit seinen lebensgroßen Figuren, das zwar bekannt, allerdings seit seinem letzten Verkauf 1850 im Hôtel Beauvau in Paris verschollen war, zur Versteigerung gelangte. Zuletzt verantwortete Turquin etwa auch die Auktion des wiedergefundenen Rubens-Gemäldes „Christus am Kreuz“ bei Osenat in Versailles. Guido Reni variierte das David und Goliath-Thema in mehreren Werken mit fast identischem kompositorischem Aufbau, der eine spürbare Nähe zu Caravaggio zeigt. Das Pariser Rekordbild hat etwa Geschwister im Pariser Louvre von 1604/06, im Musée des Beaux-Arts in Orléans von 1600/24 und in den Uffizien in Florenz; die dortige Variante ist auf das Jahr 1605 datiert ist. Eine weitere, etwa formatgleiche Version aus einer Privatsammlung kam 2012 bei Sotheby’s in London zur Auktion, wurde aber bei einen Schätzpreis von 3 bis 5 Millionen Pfund nicht veräußert. Aufgrund der Ähnlichkeiten zum Louvre-Bild datiert Turquin das nun veräußerte Gemälde in diese Zeit.
Weitere Besonderheiten der Versteigerung am 25. November, die mit einer guten losbezogenen Verkaufsrate von 61,1 Prozent und einem Bruttoumsatz von 21,3 Millionen Euro abschloss, bildete das 1736 datierte genrehafte Gruppenportrait „Portrait de Marie-Anne Gaillard de la Bouexière de Gagny, de son père, de son mari Jean-Hyacinthe Hocquart, seigneur de Montfermeil, et de leur fils Jean-Hyacinthe-Emmanuel Hocquart, futur marquis de Montfermeil“ von Jean-François de Troy, das seinen Wert von 1 Million Euro auf 3,2 Millionen Euro steigern konnte. Einen weiteren neuen Spitzenpreis konnte die wenig bekannte Malerin Adèle Tornézy mit ihrem „Portrait einer Frau“ beim Malen aufstellen, das daher auch als charmantes Selbstbildnis der Künstler mit 26 Jahren gilt. Das Gemälde von 1795, das bisher im Besitz ihrer Nachkommen, verwahrt wurde, spielte 440.000 Euro ein (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Mit Hortense Haudebourt-Lescot kam eine Zeitgenossin Tornézys zum Zug, die „Marie-Caroline de Bourbon-Sicile“ als Braut im Hochzeitskleid sanft portraitierte und dafür nun gute 200.000 Euro einnahm (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR).
Auch Francesco Guardi konnte sich über die 420.000 Euro nicht beklagen, die er für seine belebte Venedig-Vedute mit dem Canal Grande an der Rialtobrücke erzielte (Taxe 300.000 bis 500.000 EUR). Etwas untertourig waren die 380.000 Euro für ein frühes Stillleben mit Blumen in einem Korb und einer Wan Li-Vase auf einem schlichten Holztisch von Osias Beert d.Ä. (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR), ebenso die 190.000 Euro für „Die Rast während der Falkenjagd“ des niederländischen Pferdemalers Philips Wouwerman (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Die gleiche Konstellation gab es bei zwei Bronzebüsten des römischen Kaisers Lucius Septimius Geta und seiner Frau Plautilla, die der Florentiner Bildhauer Pietro Cipriani 1722 schuf und rotbraun patinierte, so dass sie fast sie Steinskulpturen wirken. Frühromantische Empfindungen weckte Jean-Joseph-Xavier Bidauld mit „Le passage de la rivière avec un dessinateur et sa famille“ von 1806, was mit 110.000 Euro honoriert wurde (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). |