Wuppertal kann restituiertes Gemälde von Schmidt-Rottluff behalten  |  | Nach einer gütlichen Einigung sind Karl Schmidt-Rottluffs „Zwei Frauen“ weiterhin in Wuppertal zu sehen | |
Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal kann Karl Schmidt-Rottluffs Gemälde „Zwei Frauen (Frauen im Grünen)“ weiterhin präsentieren. Das expressionistische Meisterstück aus dem Jahr 1914, das als ein Hauptwerk des Museums gilt, wurde an die Nachkommen der rechtmäßigen jüdischen Besitzerfamilie Hess zurückgeben und mit Hilfe mehrerer Unterstützer nun wieder angekauft. „Wir freuen uns und sind sehr dankbar, dass die Erbin der Familie Hess uns ihr Vertrauen geschenkt hat und im Rahmen einer fairen und gerechten Lösung bereit war, Karl Schmidt-Rottluffs Gemälde dauerhaft im Von der Heydt-Museum zu belassen“, so Museumsdirektor Roland Mönig. „Zwei Frauen (Frauen im Grünen)“ markiere einen Höhepunkt im Schaffen von Karl Schmidt-Rottluff. „1947 erworben, zählt es zu den frühesten Ankäufen moderner Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Es besetzt nicht nur innerhalb unserer reichen Sammlung eine Schlüsselposition, sondern hat dank unzähliger Ausstellungen und Publikationen das Bild des Expressionismus national und international maßgeblich geprägt“, so Mönig weiter.
Karl Schmidt-Rottluffs Gemälde gehörte spätestens seit 1924 dem Erfurter Schuhfabrikanten und Mäzens Alfred Hess, der mit mehr als 4.000 Kunstwerken eine der bedeutendsten Privatsammlungen moderner Kunst in Deutschland aufgebaut hatte. Nach seinem überraschenden Tod im Jahr 1931 wurde er von seinem 1908 geboren Sohn Hans Hess beerbt, die Sammlung in den folgenden Jahren von dessen Mutter Thekla Hess betreut. Während der Nazi-Zeit als Personen jüdischen Herkunft verfolgt, verlor Hans Hess schon zum 1. Juni 1933 seine Anstellung im Berliner Ullstein Verlag und emigrierte zunächst nach Frankreich und später nach Großbritannien. Ein großer Teil der Kunstsammlung, darunter Schmidt-Rottluffs Gemälde, wurde im Sommer 1933 über Freipässe für Ausstellungszwecke in die Schweiz transportiert und dort anschließend verwahrt.
Am 18. März 1937 veranlasste Thekla Hess aufgrund der Bedrohungslage des nationalsozialistischen Regimes den Versand einiger Gemälde des Depositums an den Kölnischen Kunstverein; wieder mit dabei die „Zwei Frauen“. Im März 1939 emigrierte Thekla Hess dann nach London. Dann liegt eine Überlieferungslücke für das Gemälde bis zum Jahr 1947 vor, als der Kölnische Kunstverein der Familie Hess im Sommer auf Nachfrage mitteilte, dass die eingelagerten Kunstwerke nicht mehr vorhanden und vermutlich im Zweiten Weltkrieg zerstört worden seien. Schmidt-Rottluffs Werk befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Wuppertaler Museum, das es im April 1947 vom Kölner Kunsthändler Aloys Faust erworben hatte. 1950 tauchten dann weitere der als zerstört ausgegebenen Gemälde der Sammlung Hess anlässlich eines Strafprozesses gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Kunstvereins und einen Kunstmaler aus Köln wieder auf; sie hatten die Kunstwerke aus dem Depot des Kölnischen Kunstvereins während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entwendet und verkauft. |