Ibrahim Mahama: wichtigste Person der Kunstwelt  |  | Ibrahim Mahama führt laut Art Review die Kunstwelt in diesem Jahr an | |
Zum Jahresende hin veröffentlichen mehrere Zeitschriften ihre Rankings mit den einflussreichsten Gestalten der Kunstszene. Nun hat auch das britische Kunstmagazin „Art Review“ sein Urteil gefällt und Ibrahim Mahama auf ersten Platz gewählt. Der ghanaische Künstler ist damit der erste Afrikaner, der die Topposition in der seit 2002 publizierten „Power 100“-Liste einnimmt. Der 1987 geborene Mahama wurde in der letzten Dekade mit großen Installationen bekannt, bei denen er komplette Gebäude mit zusammengenähten Jutesäcken verhüllte, etwa die Kasseler Torwache aus dem 18. Jahrhundert zur Documenta 14 im Jahr 2017 oder im aktuellen Jahr die Kunsthalle Bern. Dabei greift Mahama oft auf die Stoffreste der ghanaischen Nahrungsmittelindustrie zurück, die für ihn ein Zeichen des globalen Kapitalismus und der Unterdrückung sind. 2024 verkleidete er das Barbican Centre, das riesige, im Stil des Brutalismus errichtete Kultur- und Konferenzzentrum in London, bei seiner Arbeit „Purple Hibiscus“ mit rotvioletten Stoffbahnen, auf denen hundert ghanaische Königsroben „Batakaris“ aufgenäht waren.
Mahamas Arbeit befasst sich mit Themen wie Arbeit, Raubbau und Ausbeutung. Laut Art Review nutze seine Position in der globalen Kunstwelt, um diese Themen zu reflektieren, indem er Bildungs- und Kunstinstitutionen gründet und gleichzeitig Kooperationspartnerschaften aufbaut. Die Erstplatzierung sei daher nicht nur das Ergebnis seiner Rolle als Künstler, sondern auch als Schöpfer von Infrastrukturen, die anderen Künstler*innen helfen, ihre Visionen zu verwirklichen. In den letzten Jahren hat Ibrahim Mahama seine Verkaufserlöse aus Galerienpräsentationen in eine Reihe von Einrichtungen in seiner Heimatstadt Tamale investiert: das Red Clay Studio, das Savannah Centre for Contemporary Art und Nkrumah Volini, die Residenzen, Studentenprojekte, Kinderworkshops und Ausstellungen anbieten. Mahama stehe daher symbolisch für die Art und Weise, wie viele Künstler*innen heute die Kontrolle über die Produktions- und Vertriebswege übernehmen.
Auf Rang 2 und 3 positionierte die 30köpfige Expertengruppe die Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani und die Sheikha Hoor Al-Qasimi, die im vergangenen Jahr die Erstplatzierte war, und trägt damit der Tatsache Rechnung, dass die Golfstaaten durch neue Museen, Biennalen und nun auch verstärkt durch Kunstmessen eine immer größere Rolle in der globalen Kunstszene spielen. Angesichts der Kulturkämpfe und Sparmaßnahmen, die in den alten Kunstzentren wie den USA, Deutschland und Großbritannien toben, werde die arabische Welt zunehmend zu einer Plattform, von der aus Künstler*innen und Kurator*innen ihre Arbeit ausweiten können.
In die Top Ten kamen mehrere Künstler*innen, die wie Mahama ihre eigenen Infrastrukturen schaffen und damit das persönliche Tun näher an die Kunstwelt heranführen. So leitet der Ägypter Wael Shawky (Platz 4) die neue „Art Basel Qatar“, den jüngsten Ableger der Baseler Traditionsmesse, der erstmals im Februar 2026 in Doha stattfinden wird, der singapurische Künstler Ho Tzu Nyen (Platz 5) wird im kommenden Jahr die Gwangju Biennale in Südkorea kuratieren. Andere auf der Liste haben Residenzprogramme gegründet (Mark Bradford Platz 12, Yinka Shonibare Platz 14, Tracey Emin Platz 100) oder ihre eigenen Kunstzentren und Schulen aufgebaut (Wolfgang Tillmans Platz 10, Theaster Gates Platz 16, Marina Abramovic Platz 28, Emily Jacir Platz 48, Dalton Paula auf Platz 68, RAQS Media Collective auf Platz 76) und organisieren durch Biennalen und Festivals neue Ökosysteme (Sammy Baloji Platz 31, Bose Krishnamachari Platz 52). |