Fabergé-Ei für Rekordpreis versteigert  |  | Alma Pihls „Winter-Ei“ von 1913 ist mit 19,5 Millionen Pfund das teuerste Fabergé-Objekt | |
Für die hohe Juwelierkunst Carl Fabergés stehen symptomatisch seine Eierkreationen. Zwischen 1885 und der Oktoberrevolution 1917 fertigte seine Werkstatt in St. Petersburg 52 dieser Prunkeier für die Zaren und weitere Exemplare von imperialer Qualität für reiche Leute, die es der Zarenfamilie gleichtun wollten. Ein mit Diamanten verziertes Bergkristallei aus der Fabergé-Produktion war jetzt das Highlight der Auktion „The Winter Egg and Important Works by Fabergé from a Princely Collection“ bei Christie’s in London. Das sogenannte „Winter-Ei“ hielt auch, was es versprach: mit einem Zuschlag bei 19,5 Millionen Pfund ist es jetzt die teuerste Schöpfung aus dem Hause Fabergé. Mit Aufgeld bewilligte der Käufer, dessen Identität Christie’s nicht preisgab, knapp 22,9 Millionen Pfund, rund 26 Millionen Euro. Mit diesem Schmuckstück hat Christie’s nun schon zum dritten Mal den Fabergé-Auktionsrekord aufgestellt: Im November 1994 kam es in der Genfer Dependance auf 7,3 Millionen Schweizer Franken brutto, im April 2002 dann in New York auf 9,6 Millionen US-Dollar brutto. Auf den bisherigen Spitzenwert drängte sich 2007 dann noch das sogenannte „Rothschild-Ei“ mit integrierter Uhr vor, das bei Christie’s in London für 8,9 Millionen Pfund brutto verkauft wurde.
Das „Winter-Ei“ war ein Auftrag des letzten russischen Zaren Nikolaus II., der es zum Osterfest 1913 seiner Mutter Maria Fjodorowna, geborene Dagmar von Dänemark, schenkte. Als Gestalterin wirkte Alma Pihl, eine Enkelin des aus Finnland stammenden Fabergé-Werkmeisters August Wilhelm Holmström, die seit 1909 für den renommierten Juwelier arbeitete. Sie stellte das Ei auf einen Eisblock aus Bergkristall und überzog es innen wie außen mit einem Dekor aus Reif und Eisblumen, teils besetzt mit kleinen Diamanten. Im Innern verbirgt sich dann noch ein kleines herausnehmbares Körbchen aus Platin, in dem ein Strauß von Anemonen aus weißem Quarz und grünem Nephrit auf einem goldenen Moosbett lagert. Carl Fabergé verlangte dafür 24.600 Rubel und damit den höchsten Preis für eines der Eier aus kaiserlicher Bestellung.
Nach der Revolution 1917 wurde das Ei von den neuen Machthabern mit weiteren Schätzen der Zarenfamilie von St. Petersburg nach Moskau verbracht und um das Jahr 1930 an den Londoner Juwelier Wartski für 450 Pfund verkauft. Nach mehreren Besitzerwechseln galt es ab 1975 als verschollen, bis das „Winter-Ei“ 1994 wieder bei Christie’s in Genf auftauchte. Weitere Highlights der Fabergé-Versteigerung waren die Skulptur eines 15 Zentimeter großen Plakatmalers für 1,2 Millionen Pfund, den Boris Fredman-Cluzel 1916 aus verschiedenen bunten Halbedelsteinen entworfen und mit ihm schon einen Statement für die neue Zeit mit der Betonung der Arbeitswelt gegeben hatte (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP), ein winterlicher Schlitten aus Nephrit mit einer goldenen und juwelenbesetzten Montierung samt Schwan des Werkmeisters Michail Perchin um 1890 für 580.000 Pfund (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP), ein seltenes Entwurfsalbum des ab 1903 tätigen Werkstattleiters Henrik Emanuel Wigström für 400.000 Pfund (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP) oder ein weiteres Überraschungsei aus gelbgoldener guillochierter Wandung auf einem Ständer, aus dem beim Öffnen ein Achat-Kaninchen heraushoppelt. Hierfür war wiederum Michail Perchin verantwortlich und nahm unerwartete 240.000 Pfund ein (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP). |