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Journal

Chemnitz beendet das Kulturhauptstadtjahr mit einer grandiosen Lichtinstallation von James Turrell. Doch wie sieht die Bilanz aus?

Ein leuchtendes Finale zum Schluss



James Turrell, Beyond Horizons 2025, 2025

James Turrell, Beyond Horizons 2025, 2025

Es ist das reinste grenzenlose Vakuum des Lichtes. Über eine Pyramidentreppe führt der Weg durch eine quadratische Wandöffnung in den jüngsten fensterlosen Farbraum James Turrells, in dem Wände, Decke und Boden Ton in Ton erstrahlen. Die Kanten krümmen sich nach vorn zu einem gerundeten Rechteck, zu dem der leicht abschüssige Grund hinführt. Dahinter schweift der Blick ins Nichts. Statt einer Abschlusswand existiert ein Farbnebel. Der Blick hinein ist so, als würde man fernab zu fremden Galaxien schweben. Was kommt hinter dem Horizont? Ein Wärter hält den Betrachter am Fortschreiten ab. Es ist nicht erkennbar, dass der Boden an der Absturzkante um einen Meter fällt und erst nach fünf bis sechs Metern eine Abschlusswand besteht. Was für eine Inszenierung! Nichts lenkt von der reinen, hierarchie- und richtungslosen Licht- und Farbwahrnehmung ab, die jeden einfängt.


Bis zu einem Dutzend mit Überziehschuhen ausgestatteter Personen darf jeweils hinein, um in „Beyond Horizons“, also „Jenseits der Horizonte“, einzutauchen. Der vom Farbhintergrund abgesetzte Betrachter wird zugleich zum Akteur. Mehrere Farbvarianten vom tiefen Blau über giftiges Grün bis zu liebreizendem Violett wechseln sich in einem alternierenden Programm sanft an- und ausklingender Tonabstufungen ab, teils unterbrochen vom einem flackernden Lichtgewitter, dem Stroboskopeffekt, das für viele sicherlich eine Herausforderung für die Augen ist. „Ganzfeld“, so nennt James Turrell diese Art seiner raumgreifenden Installationen, bei denen er Farbe von Bildträgern und Pinseln löst. Das Ein- und Ausstiegsquadrat an der Rückwand akzentuiert ein leuchtender Rahmen als einzige Rückblende an die Welt ringsum.

Der Ort, an dem sich das einzigartige Geschehen abspielt, ist die ehemalige Zeche Karl Liebknecht in Oelsnitz im Erzgebirge, rund 25 Kilometer südwestlich von Chemnitz. Das heute als Anschauungsbergwert „KohleWelt“ museal genutzte Areal suchte lange nach einer neuen Verwendung für eine 1923 errichtete dreischiffige Schmiedehalle. Nach deren Demontage wurde lediglich das Stahlskelett inklusive Kranbahn wieder errichtet. Hier hinein ins Mittelschiff platzierte die Stadt ein nach Plänen des Architekten Hendrik Heine aus dem nahen Lichtenstein entworfene Hülle aus braunem Cortenstahl, die sinnig wie kongenial das in kräftigem Grün gefasste Stahlgerüst kraftvoll, aber nicht zu dominant kontrastiert. Der Weg in Turrells Lichtinstallation führt durch ein monumentales Mundloch in gewollten Anklängen an den Stolleneingang eines Bergwerkes. Für mindestens 15 Jahre soll das Kunstwerk Besucher nach Oelsnitz locken und wie ein Kraftwerk für den Tourismus wirken, ein Vorhaben, welches sich die 10.000 Einwohner große Stadt stolze 6,5 Millionen Euro kosten ließ.

Das Kunstwerk an sich ist dabei nicht mit eingerechnet. Denn dieses wurde als krönender Abschluss des Chemnitzer Kulturhauptstadtjahres initiiert, wo es sich als größtes und spektakulärstes Werk in den von Alexander Ochs kuratierten „Purple Path“ einreiht. Wie auch bei allen anderen Arbeiten dieses auf 38 Orte der Region um Chemnitz verteilten Kunstparcours waren lokale Bezüge ausschlaggebend. Noch heute werden die Traditionen des Bergbaus gepflegt, denn über Jahrhunderte hinweg prägte der Silber-, Kupfer-, Uran- und Kohleabbau das Gesicht der Gegend. Der einstige Kaiserin Augusta-Schacht der „KohleWelt“ wurde 1869 abgeteuft; bis 1971 förderte man hier Steinkohle. Insofern kann das Kunstwerk als Metapher für den gefahrvollen Beruf des Bergmannes interpretiert werden, der sich freute, nach Schichtende wieder Licht zu sehen. Der mittlerweile 82jährige James Turrell schaffte es nicht zur Eröffnung und war mit einer Videobotschaft zugegen. Er hofft, den Besuch 2026 nachholen zu können.

Chemnitz zog aus dem Kulturhauptstadtjahr Europas eine durchweg positive Bilanz, sprach von mehr als 2 Millionen Gästen, von vollen Häusern, internationaler Aufmerksamkeit und einer weltoffenen Atmosphäre. Dies alles habe eine neue Strahlkraft entwickelt. Hinter den Akteuren liegt ein gewaltiges Programm. Rund 2.000 Veranstaltungen, 260 von Chemnitzern entwickelte Projekte, 400 Träger widmeten sich der Kultur überwiegend an Orten, wo es zuvor kaum Kultur gab. Unbekannte Orte rückten in den Fokus, etwa die 32.000 zu kreativen Räumen umfunktionierten Garagen in Chemnitz oder die vielen kleineren Städte und Dörfer in der Region, die sich sonst mit Argwohn beäugten, durch den „Purple Path“ aber in Verbindung gebracht wurden. Auch wenn man sich zunächst in den 38 Kommunen der Kulturhauptstadtregion an heißen Sommertagen in kühler Atmosphäre traf, so trug ein Maß an Offenheit und dem Willen, Kunst lokal erlebbar zu machen, zu einem entspannten und offeneren Miteinander bei. Über 60 international bekannte und lokale Künstler schufen in der Region in und um Chemnitz einen bleibenden Kunst- und Skulpturenweg, der, so hofft man, auch künftig Kunstliebhaber aus aller Welt anlocken dürfte.

Chemnitz ist europaweit sichtbarer geworden, das Motto „C the Unseen“ konnte relativiert werden. Bedeutendes Zugpferd waren die städtischen Museen. Allein 84.000 Besucher kamen in die Ausstellung „Edvard Munch. Angst“ in den Kunstsammlungen Chemnitz, 40.000 Gäste sahen die fulminante Schau „European Realities“ im Museum Gunzenhauser. Das neue Künstlermuseum Karl Schmidt-Rottluff Haus zog zwischenzeitlich rund 20.000 Interessierte an. Besuchten noch 63.000 Kunstinteressierte im Vorjahr alle Standorte der Kunstsammlungen, so waren es 2025 stolze 245.000. Die Chemnitzer sind zusammengerückt, die Stadt gab sich unterhaltsamer und abwechslungsreicher, wenngleich der Duktus einer sozialistischen, von sechsspurigen Magistralen durchzogenen Trabantenstadt nicht von heute auf morgen korrigiert werden kann. Doch kleinere und größere Investitions- und Bauprojekte können dazu den Anstoß geben; sie allesamt wurden aus dem Gesamtbudget von 115 Millionen Euro gestemmt. Nun gilt es, die Begeisterung, das neue Wir-Gefühl weiterzutragen und den gewonnenen Erfahrungsschatz für künftige Projekte zu nutzen.

Die Lichtinstallation „James Turrell: Beyond Horizons 2025“ ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, aber nicht am 24. und 31. Dezember. Im Rahmen von Besucherslots sind vorher Tickets zu erwerben. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro; ab 1. Januar 2026 erhöht sich der Preis auf 15 Euro, ermäßigt 12 Euro.

KohleWelt
Pflockenstraße 28
09376 Oelsnitz/Erzgeb.
Telefon: +49 (0)37298 – 93 94 0



08.12.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Hendrik Heine, Halle für James Turrells Installation „Beyond Horizons 2025“

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