Moritz Riesenbeck in Köln  |  | Moritz Riesenbeck, User (lean), 2025 | |
Moritz Riesenbeck, diesjähriger Preisträger des Friedrich-Vordemberge-Stipendiums, stellt aktuell seine Arbeiten in der Schau „User (lean)“ in der Kölner Artothek aus. Der 1991 in Warendorf geborene Künstler entwickelt seine Installationen an Orten, die oftmals nicht kunstspezifisch sind, etwa in Gefängnissen, Crash-Test-Arealen oder leerstehenden Büroräumen. In „User (lean)“ widmet er sich der an Nutzern orientierten Entwicklung von Produkten und den Bedingungen ihrer Herstellung. „Lean“ beschreibt dabei ein Verfahren, das insbesondere bei der Entwicklung von Arbeitsprozessen und zur Produktoptimierung eingesetzt wird. Zugleich bezieht es sich aber auch auf die in der Jugendkultur gebräuchliche Nutzung von leicht zugänglichen, medizinischen Drogen zur Betäubung und Distanzierung vom alltäglichen Problemumfeld.
Riesenbecks Schau entwickelt sich um zwei große ausgediente Blasebälge. Diese altertümlichen Geräte stammen aus Schmiedewerkstätten der frühen Industrialisierung, sind fast so groß wie die Menschen, die sie bedient haben, und tragen die Spuren ihrer Arbeit auf den ledernen und hölzernen Oberflächen. Im Kontrast zu diesen einfachen und funktionalen Konstruktionen aktiviert Riesenbeck die Blasebälge über eine digital gesteuerte, hydraulische Apparatur: Sie nehmen in langen Abständen einen tiefen Atemzug und entspannen dann wieder mit der Ausatmung. So erhalten sie etwas Wesenhaftes und wirken, als ob sie durch Kraftanstrengungen und Arbeitsumgebung gealtert und erschöpft sind. Die Verbindung mehrerer Zeitschichten in Riesenbecks Installation, also Anfänge der Industrialisierung, Hydraulik und digitale Steuerung, wirft die Frage auf, welche Rolle in Zukunft körperliche Daseinsformen spielen.
Die Blasebälge hat Moritz Riesenbeck, der ein Doppelstudium der Architektur an der Münster School of Architecture und der Kunst im öffentlichen Raum an der Kunstakademie Münster absolvierte, bevor er 2022 Meisterschüler bei Gregor Schneider an der Kunstakademie Düsseldorf wurde, mit einer Gravur nach Francisco de Goya überzogen. Tatsächlich finden sich dekorative Elemente oftmals auf Blasebälgen. Riesenbeck zitiert nun Goyas zeitkritische Radierung „Sopla“, zu Deutsch „blase“: Dort ist ein kindlicher Körper zu einem Blasebalg umfunktioniert, der ein Feuer inmitten ausgezehrter Gestalten anfachen soll.
Moritz Riesenbeck, der unter anderem in der Kunsthalle Düsseldorf, dem Kunstverein Marburg und dem Sanshang Contemporary Art Museum im chinesischen Hangzhou ausstellte, lehrt Architektur, Industrie- und Intermedia-Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Darüber hinaus ist Herausgeber von Künstlerbüchern und Gründungsmitglied von About Repetition e.V., einem Verein für künstlerische Forschung, der Formate zwischen elektronischer Musik, Buchkultur und interdisziplinärem Austausch entwickelt.
Das mit 10.000 Euro dotierte Friedrich-Vordemberge-Stipendium wird seit 1977 jährlich von der Stadt Köln im Bereich Bildende Kunst vergeben. Moritz Riesenbeck wurde für sein „gutes Gespür“ ausgezeichnet, mit dem „Orte identifiziert und deren Potentiale analysiert“ und das „Vorgefundene mit verschiedenen künstlerischen Mitteln fortschreibt“. Zu den bisherigen Stipendiaten gehören unter anderem Jürgen Klauke, Hella Berent, Claudia Schink, Heike Kati Barath, Cornel Volles, Saskia Niehaus, Johannes Wohnseifer, Mathias Weinfurter und im Vorjahr Cristiana Cott Negoescu.
Die Ausstellung „Moritz Riesenbeck – User (lean). Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Bildende Kunst 2025“ läuft bis zum 20. Dezember. Die Artothek hat dienstags bis freitags von 13 bis 19 Uhr und samstags von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
Artothek – Raum für junge Kunst
Am Hof 50
D-50667 Köln
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