Trauer um Wolfgang Petrick  |  | Der Maler und Bildhauer Wolfgang Petrick ist gestorben | |
Wolfgang Petrick ist tot. Wie die Akademie der Künste in Berlin mitteilte, die um ihr Mitglied trauert, ist der Maler und Bildhauer am 5. Dezember in Berlin verstorben. Er wurde 86 Jahre alt. Petricks Œuvre sei von „extremen Verwerfungen“ geprägt, so Wulf Herzogenrath, ehemaliger Direktor der Sektion Bildende Kunst, und weise viele Spuren der wilden und lauten Westberliner Zeiten zwischen Mauerbau, Todesschüssen, Isolation, Kaltem Krieg und Protestbewegungen der 1960/70er Jahre auf. „Eigene Erlebnisse, gepaart mit Gesellschaftskritik, kritischem Realismus und Experimentierfreudigkeit, erhalten Einzug in seine Werke, später durch Zentrifugalkräfte und Spiegelanamorphosen verzerrt und zerrissen. Inhaltlich begegnen wir Erzählungen von Städten, Alltagssituationen und Objekten aller Art, zum Teil aus seiner eigenen Sammlung, Gestalten aus Literatur und Mythologie, alle treffen in dieser seiner künstlichen Bildwelt aufeinander, die von Existentialismus und enormer Schaffenskraft geprägt ist“, so Herzogenrath weiter.
Wolfgang Petrick kam am 12. Januar 1939 in Berlin zur Welt und begann schon als Kind, zu zeichnen und zu malen. Seine frühen Erlebnisse der Hitler-Zeit und des Zweiten Weltkriegs sollten später sein künstlerisches Schaffen prägen. Sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, der heutigen Universität der Künste, bei dem Surrealisten Mac Zimmermann und dem Bauhäusler Fritz Kuhr schloss er 1965 als Meisterschüler von Werner Volkert ab. In den 1970er Jahren arbeitete Petrick auch als Bühnenbildner und wurde 1975 zum Professor an die Berliner Hochschule der Künste berufen. Diese Tätigkeit übte er bis 2007 aus. Seine künstlerischen Medien waren Malerei, Zeichnung, Montage, Druck, Objekte, Skulptur und Installation, mit denen er seine dystopischen Bildwelten schuf, die im Stil des Kritischen Realismus von gesellschaftlichen Themen, körperlicher Entstellung, Gewalt und sich auflösenden Formen geprägt waren.
Wolfgang Petrick begann seinen Werdegang in den späten 1950er Jahren im Umfeld von Künstlern, die noch in der Kunst des Bauhauses, des Abstrakten Expressionismus, des Surrealismus, der gestischen Malerei und der Art Brut verankert waren. Mit Kollegen wie Hans-Jürgen Diehl, Joachim Schmettau und Peter Sorge entwickelte er die Gruppe „Aspekt“, die mit den Zwängen und der Dominanz der Abstraktion in der Nachkriegszeit aufräumen wollte. Ab 1964 gehörte Petrick mit Karl Horst Hödicke, Bernd Koberling, Markus Lüpertz und weiteren zu jenen Künstlern, die die Produzentengalerie „Großgörschen 35“ im Berliner Stadtteil Schöneberg gründeten, so den fehlenden Ausstellungsflächen für eine neue kritische figurative Malerei trotzten und der Erprobung neuartiger Formen der Kunst- und Kulturvermittlung einen Raum gaben. Petrick verließ die Gemeinschaft bereits 1967.
Sein Werk weist in den folgenden Jahrzehnten Brüche und Stilbrüche auf, die zur künstlerischen Beständigkeit wurden. Eberhard Roters, Direktor der Berlinischen Galerie, sagte 1977 zu Petricks Schaffen: „Der Verrottungsvorgang ist das Darstellungsprinzip, das die Arbeit Petricks in ihrer Wirkung bestimmt. Selten vorher ist Verrottung mit solcher Eindringlichkeit künstlerisch durchgeformt worden. Im Dickicht der Städte ist Petrick ins Unterholz gekrochen.“ Zudem wies Roters auf seine besondere Symbolik des gesellschaftlichen Zerfalls hin: „Der verletzte Mensch, die verletzte menschliche Gestalt, das verletzte Menschenbild. Es geht dabei um die Verletzungen, die sich der Mensch selbst zufügt, durch die Erfindungen seiner eigenen Zivilisation.“ Petrick konnte seine Kunst bei Einzelausstellungen unter anderem im Berliner Haus am Waldsee, den Galerien Poll, Brusberg, Schultz und Niepel, im Haus am Lützowplatz, der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück, dem Museum der bildenden Künste in Leipzig, der Hamburger Sammlung Falckenberg oder im Göteborgs Konstmuseum präsentieren. 1977 wurde er zur Documenta 6 nach Kassel eingeladen, seit 1993 war Petrick Mitglied der Akademie der Künste Berlin. |