Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 06.03.2026 März Auktion Schmuck und Kunst

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Museum für angewandte Kunst in Wien widmet Helmut Lang eine umfassende Schau und zeigt, dass sein Schaffen und sein Verständnis weit über das der klassischen Modewelt hinausgehen

Mode als performativer, konzeptioneller und sozialer Prozess



in der Ausstellung „Helmut Lang: Séance de Travail 1986-2005“

in der Ausstellung „Helmut Lang: Séance de Travail 1986-2005“

Mode ist weit mehr als die Kleidung, die Designerinnen und Designer entwerfen. Wer das Phänomen Mode wirklich begreifen möchte, muss über das Offensichtliche hinausblicken: Welche Traditionen werden aufgegriffen, welche persönlichen Erfahrungen, sozialen Strukturen und kreativen Einflüsse prägen den Schaffensprozess? Wie reagiert Mode auf die Stimmung ihrer Zeit und auf welche Weise wird sie präsentiert, vermarktet und getragen? Die Ausstellung „Helmut Lang. Séance de Travail 1986-2005 / Excerpts from the MAK Helmut Lang Archive“ im Wiener Museum für angewandte Kunst versteht sich genau in diesem Sinne. Sie zeigt Mode nicht nur als Produkt, sondern als vielschichtiges kulturelles Phänomen, das mit Kunst, Architektur, Kommunikation und gesellschaftlicher Praxis verflochten ist.


Trotz schwieriger Startbedingungen gelang Helmut Lang in den 1990er Jahren eine unvergleichliche Karriere im internationalen Modedesign. Geboren 1956 als Peter Scepka in Wien, verbrachte er seine Kindheit zunächst bei seinem Großvater in Ramsau am Dachstein, bevor er mit zehn Jahren wieder zurück nach Wien kam. Früh entwarf er eigene Kleidung und entwickelte ein Gespür für klare reduzierte Formen. Mit 23 eröffnete er sein eigenes Atelier und präsentierte 1978 erstmals seine Kreationen in der Wiener Secession. Eine entscheidende Neuausrichtung begann 1986 mit der Winterkollektion im Pariser Centre Pompidou. Seine Entwürfe setzten einen bewussten Kontrapunkt zur pompösen Mode der 1980er Jahre und markierten den Beginn seiner internationalen Karriere. In den 1990er Jahren avancierte Lang zur zentralen Stimme der Avantgarde, beeinflusste eine ganze Generation von Designerinnen und Designern und verschob mit seinem Umzug nach New York 1998 die Grenzen von Mode, Kommunikation und Markenführung. Nach seinem Rückzug 2005 widmet er sich der bildenden Kunst, wobei seine Herangehensweise an Materialien, Raum und Form die Ästhetik seiner Mode konsequent widerspiegelt.

Die Ausstellung im MAK gibt einen umfassenden Einblick in die Arbeit eines der einflussreichsten Modeschöpfer der letzten Jahrzehnte. Sie basiert auf dem MAK Helmut Lang Archiv, das 2011 vom Designer als Schenkung übergeben wurde. Es ist die größte und einzige öffentliche Sammlung, die seinem Werk gewidmet ist. Mit über 10.000 Objekten umfasst sie die Gesamtkonzeption von Mode, Kommunikation, Produktion, Industrie- und Architekturdesign. Damit ordnet das Archiv Kleidungsstücke und Accessoires in den größeren Zusammenhang von Langs ganzheitlicher interdisziplinärer Vision ein: Entwürfe, Werbematerialien, Kampagnen, Prototypen, Muster, kulturelle Artefakte, Verpackungen, Ephemera, Fotografien, Audio- und Videoaufnahmen, Backstage-Dokumentation, Presseausschnitte und interne Unterlagen machen die Komplexität seines kreativen Prozesses sichtbar. In Übereinstimmung mit Langs Prinzip, dass „alles gleich wichtig“ ist, bewahrt das Archiv die konzeptuelle Präzision und Integrität seiner Arbeitsweise.

Basierend auf dieser Grundidee versteht sich auch die Präsentation, die in der Ausstellungshalle im Erdgeschoss zu sehen ist, nicht als klassische Modenschau, sondern als multimediale immersive Erfahrung, die Marlies Wirth, Kuratorin für Digitale Kultur im MAK, gemeinsam mit ihrem Team kongenial umgesetzt hat. Die Besucher*innen begegnen einer wirkungsvoll in Szene gesetzten Kollektion von Langs ikonischen Entwürfen. Stoffe, Texturen, Schnitte und Verarbeitung werden durch sorgfältig ausgewählte Kleidungsstücke, Accessoires und fotografische Dokumentationen sichtbar gemacht. Gleichzeitig spiegelt die Auswahl seine ästhetische Philosophie wider. Puristische Entwürfe der späten 1980er Jahre setzten bewusst einen Kontrapunkt zur pompösen Mode dieser Zeit, während seine Arbeiten in den 1990er Jahren Streetwear, subkulturelle Codes und folkloristische Elemente mit maßgeschneiderter Kleidung und Abendmode kombinierten. Besonders hervorzuheben sind die „Accessoires Vêtements“ ab 1997. Die hybriden modularen Objekte zwischen Kleidung und Accessoire dekonstruierten funktionale Elemente wie Holster oder Gurte und verdeutlichen die postindustrielle, konzeptuelle Ästhetik Langs.

Ebenso prägend waren seine ikonischen Frühjahr/Sommer- und Herbst/Winter-Kollektionen der 1990er Jahre, in denen Minimalismus auf Streetwear, technische Stoffe und avantgardistische Schnitte traf. Grundsätzlich beruht Langs Ansatz auf präziser Reduktion, wiederholter Verfeinerung und einem System, das Identität als fortlaufenden Prozess begreift. Seine Kampagnen und Präsentationen verbanden Hoch- und Popkultur, ersetzten Glamour durch persönliche und emotionale Resonanz und spiegelten eine neue Generation ästhetischer Codes wider.

Die Besucher*innen der Schau erleben Mode nicht nur als statisches Objekt, sondern als performativen und räumlich inszenierten Prozess. Im Zentrum steht die „Séance de Travail“, ein von Helmut Lang ab 1988 etabliertes Präsentationsformat. Hierbei wird Mode als dynamischer, performativer Prozess inszeniert, bei dem Models unterschiedlicher Herkunft, Geschlechter und Altersgruppen die Kleidung in Bewegung zeigen. Im MAK wird dieser Ansatz durch fast maßstabsgetreue Rekonstruktionen von Sitzplänen, Polaroids, Videoaufnahmen der Runway-Shows sowie analoge und digitale Lookbooks erfahrbar. Besucher*innen erhalten so die Möglichkeit, den kreativen Prozess, die Choreografie und die performative Dimension der Kollektionen nachzuvollziehen. Ein eigener Medienraum präsentiert zudem die Videodokumentation der Séance de Travail Runway-Präsentationen von 1986 bis 2005, erstmals in Farbe, ungekürzt und mit der originalen Musik. Die Auswahl wird durch Ausschnitte aus der internationalen Fernsehberichterstattung sowie exklusive dokumentarische Porträts über Helmut Lang ergänzt, darunter Interviews, die aus erster Perspektive einzigartige Einblicke in seine Ideen, persönlichen Sichtweisen und seine Haltung geben. Das Material zeichnet die Entwicklung seiner Praxis über zwei Jahrzehnte nach und eröffnet einen vertieften Blick auf Langs Methoden, öffentliche Rezeption und konzeptuelle Haltung.

Die Ausstellungsgestaltung selbst greift Langs interdisziplinären Ansatz auf. Möbel, Vitrinen, Raumgestaltung und Präsentationsflächen fungieren gleichzeitig als eigenständige Skulpturen und als Bühne für das Archivmaterial. Dieser Ansatz erinnert an die Gestaltung von Langs Flagship Stores in New York und Paris, die zusammen mit Architekt Richard Gluckman entstanden, in denen Mode, Kunst und Raum in einem strukturellen Rahmen verschmolzen. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Langs Kooperationen mit Künstler*innen wie Jenny Holzer, Louise Bourgeois oder Peter Kruder, LED-Installationen, Duftkampagnen und Musikbeiträge, die seine Markenkommunikation als interdisziplinär und experimentell verdeutlichen. Backstage-Fotografien, unter anderem von Juergen Teller, rücken die kollektive Arbeit hinter der Mode in den Mittelpunkt und dokumentieren die Atmosphäre der 1990er und 2000er Jahre.

Ein weiteres Augenmerk liegt auf Langs künstlerischer Arbeit nach seinem Rückzug aus der Mode 2005. In der Wiener Ausstellung sind Werke aus den Serien „Make it hard“ und „Front Row“ zu sehen, die Materialität, Struktur und Form neu definieren. Eine umfassendere Präsentation seiner bildhauerischen Werke wurde im Frühjahr im MAK Center for Art and Architecture in Los Angeles vorgestellt, das dem Museum für angewandte Kunst in Wien angeschlossen ist. Ähnlich wie in seiner Mode verfolgt Helmut Lang in der Bildenden Kunst einen Ansatz, der Grenzen zwischen Disziplinen auflöst, Materialien transformiert und bestehende Bedeutungen in Frage stellt. Eine Auswahl von „Celebrity Reports“, in denen Namen wie die von Toni Horn, Quentin Tarantino, Bill Murray, Nicole Kidman, Sofia Coppola, Yoko Ono, Mario Testino, Adrien Brody und Vanessa Beecroft genannt werden, gibt zudem einen Überblick, wer und wann Langs Shops besuchte oder bei ihm orderte.

Insgesamt vermittelt die Ausstellung ein tiefes Verständnis für Helmut Langs unverwechselbare Herangehensweise und zeigt, wie kreative Praxis soziale und individuelle Paradigmen verschieben kann. Langs Œuvre vereint Klarheit, Funktionalität und ästhetische Strenge mit einer zutiefst menschlichen Vision und bleibt bis heute eine Inspirationsquelle für die Mode- und Kulturszene weltweit. Das Wesen seiner Arbeit wurzelt in den emotionalen Erfahrungen und wertschätzenden Beziehungen, die er mit Künstlerinnen, Fotografinnen, Architektinnen, Models und Wegbegleiterinnen pflegte. Die Szenografie der Schau vermittelt ein intuitives Verständnis für Langs unverwechselbaren Ansatz und seine bis heute spürbare kulturelle Relevanz. Sie veranschaulicht, wie Mode und Kunst nicht nur Ausdruck von Stil, sondern als performativer, konzeptioneller und sozialer Prozess erfahrbar und Spiegel persönlicher Erfahrungen, gesellschaftlicher Strukturen und kultureller Transformationen sein können.

Die Ausstellung „Helmut Lang: Séance de Travail 1986-2005“ läuft bis zum 3. Mai 2026. Das Museum für angewandte Kunst (MAK) hat dienstags von 10 bis 21 Uhr, mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, an Heiligabend von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16,50 Euro, ermäßigt 13,50 Euro und reduziert sich im Online-Verkauf jeweils um 1 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at

Startseite: www.mak.at



11.12.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 34

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (2)Stilrichtungen (2)Berichte (2)Variabilder (25)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


10.12.2025, Helmut Lang: Séance de Travail 1986-2005

Bei:


Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Mode

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Bericht:


Hannover goes Fashion

Bericht:


Zum Catwalk ins Museum

Variabilder:

Helmut Lang, New York City Taxi Top, Werbung,
 1998-2004
Helmut Lang, New York City Taxi Top, Werbung, 1998-2004







Helmut Lang, New York City Taxi Top, Werbung, 1998-2004

Helmut Lang, New York City Taxi Top, Werbung, 1998-2004

Helmut Lang, Interieur des Helmut Lang Flagship Stores, 80 Greene Street, New York

Helmut Lang, Interieur des Helmut Lang Flagship Stores, 80 Greene Street, New York

Helmut Lang, Schwarz-weiß-Kopie einer Umschlagwerbung für die Zeitung „International Herald Tribune“

Helmut Lang, Schwarz-weiß-Kopie einer Umschlagwerbung für die Zeitung „International Herald Tribune“

Helmut Lang, Interieur des Helmut Lang Design Studios mit „Spider Couple“ von Louise Bourgeois

Helmut Lang, Interieur des Helmut Lang Design Studios mit „Spider Couple“ von Louise Bourgeois

Helmut Lang, Show Fitting Polaroid, Look 52

Helmut Lang, Show Fitting Polaroid, Look 52

Helmut Lang, Show Fitting Polaroid auf Papier mit handschriftlichen Look Beschreibungen

Helmut Lang, Show Fitting Polaroid auf Papier mit handschriftlichen Look Beschreibungen

Helmut Lang, Probedruck einer Werbeanzeige für die Zeitschrift „Art in America“

Helmut Lang, Probedruck einer Werbeanzeige für die Zeitschrift „Art in America“

Helmut Lang, Probedruck einer Werbeanzeige für die Zeitschrift „National Geographic“

Helmut Lang, Probedruck einer Werbeanzeige für die Zeitschrift „National Geographic“

Helmut Lang, Look 22, Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance de Travail Défilé # Hiver 03/04 (2003)

Helmut Lang, Look 22, Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance de Travail Défilé # Hiver 03/04 (2003)

Helmut Lang, Laserausdruck einer Fotografie eines Made-to-Measure Mantels für Sofia Coppola (2004)

Helmut Lang, Laserausdruck einer Fotografie eines Made-to-Measure Mantels für Sofia Coppola (2004)

Helmut Lang, Fotografie der Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance de Travail Défilé # Hiver 93/94 (1993)

Helmut Lang, Fotografie der Helmut Lang Collection Hommes Femmes Séance de Travail Défilé # Hiver 93/94 (1993)

in der Ausstellung „Helmut Lang: Séance de Travail 1986-2005“

in der Ausstellung „Helmut Lang: Séance de Travail 1986-2005“




Copyright © '99-'2026
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce