Ceal Floyer gestorben  |  | Ceal Floyer, Nail Biting Performance, 2001 | |
Die britische Künstlerin Ceal Floyer ist tot. Wie die Galerie Esther Schipper mitteilte, starb Floyer gestern nach einem langen Kampf mit ihrer Krankheit. Sie wurde nur 57 Jahre alt. Floyer, die seit Ende der 1990er Jahre in Berlin lebte, sei eine der radikalsten Konzeptkünstlerinnen ihrer Generation gewesen, so die Berliner Galerie, bekannt für ihren prägnanten Humor und ihre äußerst zurückhaltende Bildsprache. Ihre Werke seien brillant erfinderisch und genau wie sie selbst voller messerscharfer Intelligenz, trockenem Witz und visueller Präzision. Ihre minimalen künstlerischen Eingriffe, etwa Veränderungen im Maßstab, subtile räumliche Verschiebungen, Wortspiele und fast unsichtbare Bearbeitungen, regten zu einem gesteigerten Bewusstsein für die Wahrnehmung selbst an.
Ceal Floyer wurde 1968 im pakistanischen Karatschi geboren und studierte zunächst ab 1990 an der School of Art and Design in London, von 1991 bis 1994 dann am Goldsmiths College der University of London. Mit einem Stipendium kam sie 1997 nach Berlin und wurde in der Aufbruchsstimmung jener Jahre dort heimisch. Mit ihren einfachen Eingriffen und kleinen Gesten, die die üblichen Erfahrungswerte von Ursache und Wirkung, von Repräsentation und Präsentation in Frage stellten, begeisterte Floyer die Kunstwelt. So führte sie 2001 in der Symphony Hall in Birmingham ihre „Nail Biting Performance“ auf, stand dabei allein auf der großen Bühne, kaute auf ihren Fingernägeln und verstärkte die Geräusche über Lautsprecher in den Konzertsaal. Erfolg und Angst, Präsenz und Abwesenheit, Selbstvertrauen und Zerbrechlichkeit destillierte Floyer in dieser unscheinbaren Handlung. 2012 wiederholte Floyer ihre „Nail Biting Performance“ bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Documenta 13 in Kassel und brachte damit die Spannung der wartenden Journalisten auf den Punkt.
2007 gewann Ceal Floyer den „Preis der Nationalgalerie für junge Kunst“ und überzeugte die Jury mit ihrer Arbeit „Scale“, einer Installation aus 24 treppenartig ansteigenden Lautsprecherboxen, aus denen immer wieder derselbe aufsteigende Klang ertönte. Das Werk bezog sich physisch wie akustisch in vielfältiger Weise auf den Raum und sei das „Ergebnis von hoher formaler Komplexität“, so die Jury, die zugleich ihren Sinn für verborgene Potenziale und das Nicht-Sichtbare lobte. Floyers Kunst basierte auf Zurückhaltung, wobei sie jede Entscheidung bewusst traf und nichts dem Zufall überließ. Mit ihren sowohl poetischen und humorvollen, als auch kompromisslosen Arbeiten, die Esther Schipper als „paradoxen Zustand von federleichter Ernsthaftigkeit“ charakterisierte, war Floyer auf weiteren großen Kunstschauen vertreten, neben der Documenta auch auf der Biennale in Venedig im Jahr 2009 und 2016 auf der Manifesta 11 in Zürich, und hatte Einzelpräsentationen, etwa 2009 im Palais de Tokyo in Paris, 2011 im Project Arts Centre in Dublin, 2013 im Kabinett für Aktuelle Kunst in Bremerhaven, 2015 im Kunstmuseum Bonn oder 2016 im Aargauer Kunsthaus. |