Gabriele Münter in Ravensburg  |  | Gabriele Münter, Bootsfahrt mit Kandinsky, um 1910 | |
In einer monografischen Präsentation würdigt das Kunstmuseum Ravensburg derzeit mit Gabriele Münter eine der bedeutendsten Künstlerinnen des deutschen Expressionismus und Vertreterin der europäischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie gilt neben Paula Modersohn-Becker als bekannteste Malerin der neuen Kunstrichtung. Die 50 Exponate der Schau eröffnen mehrere Perspektiven auf ein bahnbrechendes Œuvre der klassischen Moderne, wobei der Schwerpunkt auf der Zeit zwischen 1908 und 1914 liegt, die zu den produktivsten ihres Schaffens zählt. Sie nehmen ihre stilistische Vielfalt und ihren Beitrag zum Expressionismus in den Blick.
Zu den wichtigsten Stilmerkmalen ihrer Werke aus diesen Jahren, in denen sich Münter bevorzugt in Murnau im bayrischen Alpenvorland aufhält, gehören die Reduzierung der Malerei auf wesentlichen Elemente, gegenstandsdefinierende Umrisse und große kontrastierende Farbflächen. Damit leitet Gabriele Münter den stilistischen Wandel in der Kunstwelt ein. Sie nutzt einfarbige Flächen, klare Konturen und eine reduziertes Kolorit, um den Farben mehr Ausdruckskraft zu verleihen und neue Ausdrucksmöglichkeiten in der Malerei zu schaffen. Münter legt Wert auf die bewusste Vereinfachung der dargestellten Gegenstände, auf ihre wesentlichen geometrischen Formen, die Verwendung klarer Linien und Konturen. Dabei ist Münters Werk durch ein Nebeneinander unterschiedlicher Stile, Techniken und Vorlieben für bestimmte Motive gekennzeichnet.
Gabriele Münter tritt der „Neuen Künstlervereinigung München“ bei und ist Gründungsmitglied der Malergemeinschaft „Der Blaue Reiter“, dessen ästhetisches, intellektuelles und emanzipatorisches Projekt sie maßgeblich befördert. Beide Vereinigungen sind auf die Initiative Wassily Kandinskys zurückzuführen. Mit Kandinsky verbindet Münter ein enges, auch privates Verhältnis. Er übt großen Einfluss auf sie aus, indem er sie in der Technik der Malerei und dem Einsatz von Farbe unterrichtet. Im Sommer 1902 nimmt sie in Kochel am See an einem Kurs teil, in dem Kandinsky die Freilichtmalerei doziert. Er lehrt sie auch die Spachteltechnik mit gestückeltem Farbauftrag.
1908 entwickelt Münter sich weg von einer nachimpressionistischen Malweise und findet ihre eigene expressionistischere Form der Malerei. Ein Beispiel dieser Entwicklung ist das damals entstandene Gemälde „Blick auf Murnauer Moos“: Das Zeichnerische tritt in den Bildern noch stärker hervor, sie malt schärfer, straffer und komprimierter, es entstehen vereinfachte Formen und große Flächen. Münter trägt die Farben nicht mehr in kleinen Strichen dickflüssig mit dem Spachtel auf, sondern flüssig mit dem Pinsel. Während des Nationalsozialismus zieht sie sich aufgrund von Repressionen und dem ihrer Kunst entgegengebrachten Unverständnis zurück und wird erst nach dem Zweiten Weltkrieg wiederentdeckt.
Die Ausstellung „Gabriele Münter. Aufbruch in Form und Farbe“ läuft bis zum 22. März 2026. Das Kunstmuseum Ravensburg hat dienstags von 14 bis 18 Uhr, mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr und donnerstags bis 19 Uhr sowie an Silvester von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt an Heiligabend geschlossen. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei.
Kunstmuseum Ravensburg
Burgstraße 9
D-88212 Ravensburg
Telefon: +49 (0)751 – 82 26 85 |