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Das Ernst Fuchs Museum in Wien präsentiert frühe Werke seines Namensgebers und stellt sie ebenfalls frühen Zeichnungen seines Kollegen-Rivalen Arnulf Rainer gegenüber, die dieser lieber vernichtet sehen würde

Aus dem Papierkorb gerettet?



Ernst Fuchs, Die Stadt II, 1946

Ernst Fuchs, Die Stadt II, 1946

Zwischen weggeworfenem Altpapier fand ein Arbeitssuchender aus Köln im Jahr 2016 Zeichnungen von Gerhard Richter neben einer Altpapiertonne vor dessen Kölner Villa. Die unsignierten Skizzen schienen dem Künstler selbst als wertlos. Der Finder nahm sie an sich und bot einige Blätter einem Münchner Auktionshaus an. Dort war man misstrauisch und verlangte ein Echtheitszertifikat. Schließlich musste sich der Mann vor Gericht verantworten und erhielt eine Geldstrafe, denn „auch wenn die Skizzen neben der Papiertonne lagen, waren sie“, wie die Richterin in ihrer Urteilsbegründung festhielt, „noch Eigentum des Künstlers“.


Das Verschwinden von Kunstwerken, sei es durch absichtliche oder versehentliche Entsorgung oder durch vorsätzliche Zerstörung, ist ein wiederkehrendes Phänomen in der Kunstwelt. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von tragischen Irrtümern bis hin zu bewusst gesetzten künstlerischen oder kommerziellen Statements. Damien Hirst etwa verbrannte 2022 rund 5.000 seiner Papierarbeiten, um sie als NFTs zu vermarkten. Der britische Streetart-Künstler Banksy lieferte mit dem sich 2018 bei Sotheby’s selbst schreddernden „Girl With Balloon“ ein globales Medienspektakel und löste Debatten über den Wert von Kunst aus. Immer wieder vernichten Künstler*innen ihre eigenen Arbeiten auch aus Unzufriedenheit mit deren Qualität, vor allem wenn sie sich nicht mehr damit identifizieren. Für manche kann die Zerstörung eines Werks ein Akt der Befreiung sein – ein Loslassen vom eigenen Schaffen. Zwar schützt das Urheberrecht die Werke für 70 Jahre über den Tod hinaus, doch entscheiden die Urheber*innen zu Lebzeiten gewöhnlich selbst über die Nutzung, einschließlich des Verkaufs und der möglichen Vernichtung.

Dennoch tauchen immer wieder Kunstwerke auf, die eigentlich entsorgt werden sollten, weil sie wie im Fall von Gerhard Richter als „misslungen“ galten. Ein aktueller Fall von „Art-Containern“ wird derzeit in Wien gezeigt. Anlässlich des zehnten Todestages von Ernst Fuchs präsentiert das von ihm gegründete Museum in der ehemaligen Otto Wagner-Villa in Hütteldorf die Ausstellung „Ernst Fuchs und Arnulf Rainer – Mein Atelier ist verwaist. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10“. Mit ihr soll der 2015 im Alter von 85 Jahren verstorbene Ernst Fuchs geehrt werden. Die Schau, die einige seiner bislang ungesehenen Arbeiten frühen Bleistift- und Kohlezeichnungen von Arnulf Rainer gegenüberstellt, bildet den Auftakt einer Serie, die Werke des führenden Vertreters der Wiener Schule des Phantastischen Realismus in einen Dialog mit Weggefährten bringen soll.

Das Museum erinnert damit an eine Episode, die mehr als siebzig Jahre zurückliegt und zu den Anfängen beider Künstlerkarrieren führt. Der für seine Übermalungen bekannte Arnulf Rainer protestierte allerdings gegen die Ausstellung und bezichtigte Ernst Fuchs des Diebstahls. Wie Fuchs an die Zeichnungen seines Kollegen gelangte, dazu gibt es zwei Versionen: Fuchs hatte Ende der 1940er Jahre sein Atelier in der Haasgasse 10 im zweiten Wiener Gemeindebezirk seinem fast gleichaltrigen Freund Rainer überlassen; später zog auch Maria Lassnig ein. Rainer und Lassnig arbeiteten dort Seite an Seite, damals noch ein Paar, später lebenslang in künstlerischer Konkurrenz verbunden. Als die beiden im Winter 1949 das Atelier verließen, notierte Fuchs: „Der Speck ist aufgegessen. Das Atelier ist verwüstet. (…) Arnulf Rainer und Maria Lassnig sind ausgezogen, nach Paris gefahren. Mein Atelier ist verwaist. Viele Papiere bedecken den Boden, meist sind es Zeichnungen Rainers, die vor den Augen ihres Schöpfers keine Gnade mehr fanden. Sie sollen verheizt werden.“ Statt die Zeichnungen zu vernichten, rettete Fuchs die Blätter und bewahrte sie in einer Mappe auf.

Kurator Tobias Natter, der bei der Abwicklung des Erbes mit der Schätzung der zum Nachlass von Fuchs gehörenden Werke betraut war, entdeckte bei der Sichtung ein Konvolut von mehr als sechzig Zeichnungen. Einige Blätter trugen auf der Rückseite eine von Fuchs eigenhändig angebrachte Notiz: „A. Rainer, Besitz Ernst Fuchs“. Weitere Arbeiten kamen später hinzu. Es seien Werke, schreibt Thomas Trummer, Direktor des Kunsthauses Bregenz, im Begleitband zur Ausstellung, „so suchend und unsicher, noch märchenhaft und zum Teil naiv, noch klischeehaft künstlerisch, noch offen, zwischen träumerisch und traumatisch, erotisch und akrobatisch, zugleich verzweifelt und auf jeden Fall vor allem existenziell…“.

Kunsthistorisch relevant werden diese Zeichnungen vor allem durch ihre Entstehung in den ersten Nachkriegsjahren. In der künstlerisch ausgehungerten Stadt spielte der Surrealismus eine bedeutende Rolle, ebenso in den frühesten Arbeiten des 1929 geborenen Arnulf Rainers. Dank der Unterstützung der Maria Lassnig Stiftung konnten mehrere Zeichnungen aus der Haasgasse inzwischen als Porträts von Maria Lassnig identifiziert werden; auf einem Blatt entdeckte Johanna Ortner, die Kuratorin der Stiftung, sogar ein heute verschollenes Ölgemälde Lassnigs.

Die geretteten Werke wurden bereits 1969 publiziert. Die junge Galerie Ariadne, 1968 von Rudolf Leopold und George McGuire gegründet, zeigte damals eine Ausstellung mit sehr frühen Rainer-Zeichnungen. Im Katalog äußerten sich sowohl Fuchs als auch Rainer. Fuchs betonte: „Rainers Zeichnungen haben mir immer sehr gefallen. Ihre Faszination wird im Fett ihrer Graphitschwärze ausgebrütet.“ Rainer hingegen sah seine frühen Arbeiten kritisch. Unter dem Titel „Warum ich bis 1953 sehr viele meiner Arbeiten zerriss, verheizte oder in den Papierkorb stopfte“ erklärte er, dass die 1969 „wieder aufgetauchten Arbeiten“ einst von Fuchs „aus dem Papierkorb“ geholt worden seien. Die „materielle Vernichtung“ sei für ihn damals der einzige Weg gewesen, die Werke zu „verstecken und mich zu verbessern“. Auch heute seien sie für ihn „schlecht, mager oder leer“, wenn ihn auch ihr „Haar-, Schwarz-, Kugel- und Punktfetischismus“ erfreue. Es gebe in einigen zudem Ansätze „zum Unverständlichen und Hyperverschlüsselten“.

Trotz der Proteste Rainers fand die Ausstellungseröffnung Anfang November im prunkvollen Westflügel der Otto Wagner-Villa mit ihren großflächigen Tiffany-Glasfenstern von Adolf Boehm und den Stuckaturen von Joseph Maria Olbrich statt. Der nach dem Schöpfer des Glasmosaiks benannte Saal ist der einzige Raum des Erdgeschosses, der in seinem ursprünglichen Zustand erhalten blieb. Weitere Arbeiten von Fuchs, darunter großformatige Hauptwerke seiner „Feuerfuchs“-Phase, sind im ehemaligen Speisezimmer, im „Großen Salon“, im „Kamin-Salon“, im „Blauen Salon“ und im „Römischen Bad“ im ersten Stock ausgestellt, wo sich auch weitere frühe Rainer-Zeichnungen finden.

In der überladenen Wagner-Fuchs-Symbiose mit ihren opulenten ornamentalen Elementen haben die 26 für die Ausstellung ausgewählten Rainer-Zeichnungen einen schweren Stand. Dennoch lohnt es sich, die in den späten 1940er Jahren mit Bleistift und Kohle entstandenen Blätter genau zu studieren: weibliche Figuren, voyeuristische Verlockungen, surreal beeinflusste hybride Gebilde vor bühnenhaft geheimnisvollen Hintergründen sowie abstrakte Formverdichtungen, die gestalterische Anleihen bei Wassily Kandinsky erkennen lassen. Auch wenn sie an die Qualität zeitgleich entstandener Arbeiten wie „Die Brillenfrau“ von 1948/49 oder „Sterbender Rainer“ von 1949 nicht heranreichen, suggeriert ihr offener Aufbau vor allem einen großen Spielraum für künstlerische Veränderung.

Die wiederentdeckten Arbeiten aus den Jahren 1946 bis 1948 entstanden in einer Phase, die Arnulf Rainer selbst als ein „Ungenügen über alles, was ich produziere“ beschrieb. Er wünschte sich „Dinge ohne Schwächen, ohne fortwährende Aufforderung einzelner Details, sie zu korrigieren“. Aus dieser Erkenntnis entwickelte er 1949 die „Anfüllung“, 1950 die „Überfüllung“, 1951 die „Zerkleinerung und permanente Überarbeitung“ und 1954 schließlich die „Übermalung“. Die „Empfindung des Fragmentarischen, Halben, Unfertigen“ sei der Motor für seine späteren Schritte gewesen. Die nun präsentierten Arbeiten stammen aus einer Zeit, in der er diesen Weg noch nicht kannte und die er rückblickend wegen des „unverdeckten, symbolischen Allerweltspsychologismus“ strikt ablehnte.

Während der Rundgang durch das Ernst Fuchs Museum mit seinen altmeisterlich ausgeführten, mythisch-spirituellen und häufig erotisch überhöhten Gemälden in esoterischen Knall- und Regenbogenfarben und den vom Künstler selbst gestalteten Möbeln, Tapeten, Türgriffen und einem von antiker Villenarchitektur inspirierten „Römischen Bad“ eher unter die Kategorie „Kuriositätenkabinett“ fällt, lohnt sich der Besuch der aktuellen, wenngleich etwas nachlässig präsentierten Ausstellung vor allem wegen der Gegenüberstellung mit den frühen expressionistischen Kohle- und Bleistiftzeichnungen von Fuchs aus den Jahren 1945/46. Mit Titeln wie „Frau im Spiegel einer Häuserfront“, „Stadt II“ oder „Der falsche Messias“ reflektieren sie die erschütternden Eindrücke des 16jährigen im zerbombten Wien. Über seinen Künstlerkollegen schrieb Fuchs rückblickend: „Rainers Schaffen interessiert mich. Es scheint mir aus jener Sphäre zu dringen, aus der auch meine im Jahre 46 entstandenen Städtezeichnungen stammen. … Verwandtes spricht mit, wenn wir miteinander reden… wie eine Laus in seinem Haargewühl habe ich mich oft in seinen Zeichnungen verirrt.“

Zum juristisch relevanten Tatbestand der Dereliktion, der bewussten Aufgabe des Eigentums, liefert die Ausstellung selbst nur wenige Hinweise. Der von Fuchs 1987 im Atelier der Villa anlässlich einer Portraitsitzung mit dem Sänger Falco erwähnte Hinweis, auch er hätte „hunderte“ seiner Bilder verbrannt, lässt sich nicht belegen und bleibt archivalisch ungesichert. Doch wichtiger als jede juristische Erwägung ist hier ein anderer Gedanke: dass Ernst Fuchs gerade jene Arbeiten Rainers bewahrte, die dieser einst verwarf. Die fragile Spur, die die Zeichnungen durch die Jahrzehnte getragen hat, erzählt von einem künstlerischen Anfang im Wien der Nachkriegszeit und von einer Beziehung, deren Spannungen, Rivalitäten und Anregungen nie ganz verstummten. Die Debatte über Eigentum mag weitergehen, geblieben ist ein Konvolut von Zeichnungen, und ihr Wiederauftauchen verschiebt den Blick auf zwei Biografien, deren Verflechtungen bis heute nachwirken. Ihr erneutes Auftreten rückt die frühen Jahre zweier später so gegensätzlich wahrgenommener Künstler ins Scheinwerferlicht und zeigt, wie eng ihre Wege einst miteinander verknüpft waren.

Die Ausstellung „Ernst Fuchs und Arnulf Rainer – Mein Atelier ist verwaist. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10“ ist bis zum 6. Januar 2026 zu sehen. Das Ernst Fuchs Museum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 9 Euro.

Kontakt:

Ernst Fuchs Museum

Hüttelbergstraße 26

AT-1140 Wien

Telefon:+43 (01) 914 85 75



19.12.2025

Quelle/Autor:Kunstmark.com/Jacqueline Rugo

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Ernst Fuchs, Die Stadt II, 1946
Ernst Fuchs, Die Stadt II, 1946

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Arnulf Rainer, Ohne Titel, 1949
Arnulf Rainer, Ohne Titel, 1949

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Arnulf Rainer, Bildnis Maria Lassnig
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Arnulf Rainer







Arnulf Rainer, Ohne Titel, 1949

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Arnulf Rainer, Bildnis Maria Lassnig

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