Germanisches Nationalmuseum gibt NS-Raubkunst zurück  |  | Vortragekreuz, Regensburg Umkreis, um 1310 | |
Das Germanische Nationalmuseum (GNM) in restituiert fünf Werke, die es in den Jahren 1933, 1934, und 1936 in der Münchner Kunsthandlung der Gebrüder Lion erworben hat, an deren Erben. Wie das Nürnberger Museum heute mitteilte, hätten sich beide Seiten einvernehmlich auf eine faire und gerechte Restitution geeinigt. Demnach gehen ein wohl französischer, sechsteiliger Paravent mit topografischen Szenen, aus dem 19. Jahrhundert, ein süddeutsches geschnitztes Musikemblem des 18. Jahrhunderts, eine gleichaltrige vergoldete Vase, die einst als Bauornament gedient hat, und die Zeichnung „Huldigung der Erdteile an Maria Immaculata“ von 1760/61 aus dem Umkreis Martin Knollers an die Nachkommen der ursprünglich jüdischen Besitzer zurück. Ein beidseitig bemaltes Vortragekreuz um 1310 aus der Gegend um Regensburg, das seit Jahren Teil der Dauerausstellung des GNM ist, wird nach der Restitution zu einem fairen und angemessenen Preis zurückgekauft.
Die Kunsthandlung Lion wurde 1888 von Jakob Lion gegründet. In den 1920er Jahren avancierte sie unter den Brüdern Louis, Hans und Fritz Lion zu einer der führenden Galerien und zählte bis 1935 zu den zehn umsatzstärksten Kunst- und Antiquitätenhandelsfirmen in München. Trotz ihrer österreichischen Staatsbürgerschaft waren die drei Brüder aufgrund ihrer jüdischen Abstammung Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt. Ende August 1935 wurden sie von der Reichskammer der bildenden Künste aufgefordert, ihre Münchner Kunsthandlung binnen vier Wochen zu schließen. Die Frist wurde nach eingelegter Beschwerde ausgesetzt, jedoch waren die Brüder Lion unter dem Druck der Verhältnisse gezwungen, ihr Geschäft aufzugeben. |