Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 06.03.2026 März Auktion Schmuck und Kunst

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Mit neuen Kundengruppen und teils überraschend hohen Preisen schloss Ketterer sein Auktionsjahr erfolgreich ab. Der Münchner Versteigerer sieht sich dabei wieder an der Spitze der deutschen Auktionshäuser

Ein schwungvolles Happy New Year



Aristarch Lentulov,  Datscha in Kislovodsk, 1913

Aristarch Lentulov, Datscha in Kislovodsk, 1913

Aristarch Lentulov ist nicht gerade ein Name, der in Deutschland, aber auch international häufig bei Ausstellungen oder im Kunstmarkt auftaucht. In Auktionspreisdatenbanken bringt es der 1882 in der russischen Weite geborene Künstler gerade einmal auf gut hundert Einträge in den vergangenen vierzig Jahren. Demzufolge hatte der Münchner Versteigerer Ketterer seine kubisch strukturierte „Datscha in Kislowodsk“ vorsichtig mit 20.000 bis 30.000 Euro bewertet, sich dabei an der Marge orientiert, die er selbst 2007 für ein kubofuturistisches Aquarell Lentulovs erzielte, und das Ölgemälde von 1913 deswegen in den „Day Sale“ mit den günstigen Preisen gesteckt. Doch für den Russen, der 1910 Mitbegründer der Moskauer Avantgardegruppe „Karo-Bube“ war, kurz darauf in die vibrierende Kunstszene von Paris eintauchte und sich mit Albert Gleizes, Fernand Léger und Robert Delaunay ein Atelier teilte, werden inzwischen Preise von über 1 Million Euro bewilligt, wenn es sich um Werke aus dieser progressiven Phase der russischen Malerei handelt. So konnte Christie’s 2014 in London für eine vergleichbare, ebenfalls 1913 entstandene Vedute des am nördlichen Rand des Kaukasus gelegenen Kurorts 1,5 Millionen Pfund kassieren. Auch die Marktfrische tat ihr Übriges, um die farbintensive „Datscha in Kislowodsk“ zum Überflieger der Ketterer-Auktion zu machen: Direkt vom Nachlass Lentulovs wechselte sie 1993 über die Kölner Galerie Gmurzynska in eine nordrhein-westfälische Privatsammlung, die sich nun davon trennte und unverhoffte 880.000 Euro dafür einnahm. In dem ausdauernden Bietgefecht siegte ein deutscher Kunsthändler, der mit Aufgeld schließlich über 1,1 Millionen Euro bezahlte.


Dass die Krisenphase im Kunstmarkt vorüber ist, demonstrierte der Münchner Versteigerer Anfang Dezember mit acht Bruttoerlösen über der Millionen-Marke und einem Gesamtumsatz im zweiten Halbjahr von rund 51 Millionen Euro, womit Ketterer nach eigenen Angaben zum fünfzehnten Mal in Folge wieder Deutschlands Branchenprimus wurde. Laut Robert Ketterer entfalte sein Haus zunehmend eine globale Strahlkraft: Neben einem starken Engagement aus den USA zeige sich ein wachsendes Interesse aus dem asiatischen Markt. Zudem konnte er vierzig Prozent Neukunden konstatieren. „München ist heute eine feste Größe auf der internationalen Kunstmarkt-Landkarte“, resümierte Robert Ketterer. Zum Spitzenlos des „Evening Sale“, der mit einer losbezogenen Verkaufsrate von hohen 85,7 Prozent und einem Ergebnis 37,3 Millionen Euro abschloss, mutierte Andy Warhols bekannte und knallig bunte Grafikserie der Filmdiva „Marilyn Monroe“ von 1967. Eine Schweizer Sammlung konnte sich erst bei 3,6 Millionen Euro gegen die Konkurrenz durchsetzen (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen EUR). Auch Warhols ebenfalls zehnteilige ikonische Arbeit „Campbell’s Soup I“, mit der der Pop Art-König der beliebten US-amerikanischen Marke 1968 ein unsterbliches Denkmal setzte, behauptete sich bei 800.000 Euro über der Schätzung von 500.000 bis 700.000 Euro.

Pop Art siegt über Expressionismus

Der eigentliche Favorit der Auktion vom 5. Dezember, Hermann Max Pechsteins farbliche Ausdrucksmalerei „Inder und Frauenakt“ von 1910 mitsamt einem Früchtestillleben auf der Rückseite, erreichte mit 2,1 Millionen Euro zwar seine Schätzung, konnte dem Warhol-Schwergewicht aber nur wenig entgegensetzen. Das lag wohl auch daran, dass das museale Aktbild in einem gesteigerten Kolorit schon einmal bei Ketterer vorstellig wurde und im Dezember 2011 den Pechstein-Rekord von 2,9 Millionen Euro netto einbrachte. Für Pechsteins Blumenstillleben „Die blaue Decke“ von 1918 in der titelgebenden, fast monochromen Farbigkeit kamen 110.000 Euro zusammen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), für seine sommerlichen „Hütten“, gemalt 1909 in Nidden, seinem „Malerparadies“ an der Kurischen Nehrung, fand sich bei 350.000 bis 450.000 Euro allerdings kein Käufer. Andere expressionistische Werke entfalteten dagegen ihre Zugkraft, etwa Franz Marcs heller zarter „Verschneiter Wald“ von 1909 bei 260.000 Euro (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR), Heinrich Campendonks farbintensives Ölgemälde „Im Garten – Frau, Pferd, Ziege“, eine Liebeserklärung an seine junge Frau Adda vor abstrahierten Bäumen und Tieren, bei taxkonformen 600.000 Euro, Paula Modersohn-Beckers „Zwei sitzende Kinder im Wald“ von 1904 in dunklem gedämpftem Kolorit bei 240.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR) oder Gabriele Münters intimes Interieur mit drei Personen „Beim Kartenspielen“ um 1913/17 bei 170.000 Euro (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR).

Auf eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Brücke-Bewegung verweist Edvard Munchs in bunte Farbstriche zergliederte, rauschhaft freundliche Parklandschaft „Frühlingstag auf Jeløya“ von Jahr 1915, die sich bei 700.000 Euro nun an der unteren Schätzgrenze platzierte. Höher fiel die Bewertung für Ernst Ludwig Kirchners sommerliche Davoser Landschaft „Sertigweg“ mit 850.000 Euro aus. Allerdings hatte das zu den letzten Werken des Expressionisten zählende Alpenbild in gesättigten Grün-, Violett-, Blau- und Brauntönen 2021 bei Ketterer schon einmal 1,2 Millionen Euro netto gekostet. Wie bei Pechstein scheint es heute an einigen potenten Expressionismus-Freunde zu mangeln; denn auch Kirchners Fehmarn-Landschaft „Leuchtturm hinter Bucht“ von 1912 musste trotz ihrer Marktfrische sogar bis zum Nachverkauf warten, um bei 400.000 Euro erlöst zu werden (Taxe 600.000 bis 800.000 EUR).

Höhenflüge einer Berliner Sammlung

Hier kam eine bislang im Verborgenen agierende Berliner Privatsammlung ins Spiel, die sich gleichfalls für deutsche Expressionisten und Veristen interessierte, aber auch gegenstandslose Arbeiten der jüngeren Epochen in vier Jahrzehnten auf hohem Niveau zusammentrug. Sie hatte etwa Ernst Ludwig Kirchners druckgrafische Rarität „Frauen am Potsdamer Platz“ von 1914 zu bieten. Dieser einzig bekannte farbige Abzug des Motivs aus seinen nervös flirrenden Berliner Straßenszenen spielte 650.000 Euro ein (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Kirchners Farblithografie eines exaltierten „Russischen Tänzerpaars“ von 1909 kam auf 200.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Von seinem Brücke-Kollegen Otto Mueller stammte die charakteristische kolorierte Zeichnung „Stehendes Mädchen vor Bäumen“ um 1925, die sich von 80.000 Euro auf 140.000 Euro steigerte, von Karl Schmidt-Rottluff das furiose farbkräftige Aquarell „Weggabelung“ aus dem Jahr 1909, das von gleicher Ausgangsbasis gar auf 180.000 Euro kletterte.

Für Kunst des Blauen Reiters war der Berliner Sammler genauso empfänglich. Alexej von Jawlenskys „Mystischer Kopf: Trotz“ um 1918 freute sich über 450.000 Euro, sein rund zehn Jahre jüngerer, weitaus stilisierter „Abstrakter Kopf: September“ über 290.000 Euro (Taxe je 250.000 bis 350.000 EUR). Diesen Wert verzeichnete zudem Paul Klees Aquarell „Kairuan“ von 1916 mit tektonisch geschichteten, kompakten Häuserformen (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR). Die teuerste Arbeit des Berliner Konvoluts war Wassily Kandinskys ausgewogen gestaltete, geometrische Komposition „Behauptend“ von 1926. In einem intensiven Bieterwettstreit ging es für die gegenstandslose Leinwand, die einst zur herausragenden Sammlung von Solomon R. Guggenheim gehörte, von 1 Million Euro zu 2,5 Millionen Euro stetig bergauf. Im „Day Sale“ machte dann noch Kandinskys monotypisch eingefärbter Holzschnitt einer eleganten Dame mit Kind „Im Sommer“ von 1904 auf sich aufmerksam und verdoppelte seine Erwartungen auf 82.000 Euro.

Die Veristen der Berliner Sammlung waren mit exemplarischen Papierarbeiten zugegen: George Grosz warf in seinem bunten Aquarell „Walzertraum“, einer Vorlage für Blatt 13 seiner bekannten „Ecce Homo“-Mappe, einen kritischen Blick auf die Gesellschaft der 1920er Jahre und kam mit 360.000 Euro heraus (Taxe 300.000 bis 500.000 EUR), ebenso wie Otto Dix’ mit seiner Matrosenkneipe unter dem Titel „Salon d’amur“ aus dem Hamburger Rotlichtmilieu um 1922 (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR). Die bislang unbekannte Gouache „Reiter in Landschaft“, in der Dix 1917 seine Kriegserlebnisse in den zackigen Formen einer berstenden, mit Kreuzen übersäten Welt verarbeitete, schoss dann von 20.000 Euro auf 190.000 Euro. In der Tagesauktion nahmen sich die Bieter dann noch Hermann Max Pechsteins ausdrucksstarkes weibliches Aquarellportrait „Zwei Köpfe“ von 1920 für gute 80.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und den Druckstock zum Holzschnitt „Strandbad“ für 60.000 Euro mit, den der Kölner Progressive Gerd Arntz 1925 eigenhändig koloriert und damit zum eigenständigen Kunstwerk erhoben hatte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Als bildhauerische Arbeit stellte die Berliner Kollektion Georg Kolbes Bronzeunikat „Verlangen“ von 1923 für 150.000 bis 250.000 Euro zur Verfügung. Die kniende nackte Frau mit sinnlich zurückgeworfenem Haupt und erhobenen Armen forderte 480.000 Euro und damit deutlich mehr als bei ihrem letzten Auktionsauftritt 2010 bei Hauswedell & Nolte in Hamburg mit 220.000 Euro.

Zog schon mit Kandinsky die Abstraktion in die Berliner Sammlung ein, übernahm sie in der Nachkriegsepoche die Oberhand. Hierbei meldete sich Hans Hartung mit den beiden frühen Schöpfungen „T1949-13“ in kalligrafischer, dynamisch-rhythmischer Lineatur von 1949 bei 210.000 Euro und der ein Jahr jüngeren, ruhigeren blockhaften Verdichtung „T1950-2“ bei 200.000 Euro zu Wort (Taxe je 140.000 bis 200.000 EUR). Während Willi Baumeisters schwarzer Fleck „Mit Spirale auf Gelb“ in körniger Oberflächenstruktur von 1953 aus der „Safer“-Werkreihe schon während der Auktion zur unteren Bewertung von 120.000 Euro zugeschlagen wurde, ging seine gleichfalls ungezwungene, aber buntere Formfindung „Kegelspiel mit Schaukel“ von 1947/53 erst im Nachverkauf bei 130.000 Euro weg (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Auf Ernst Wilhelm Nays farbenfrohes Scheibenbild „Helle Chromatik“ von 1962 in einem überraschend luftigen Duktus entfielen anvisierte 460.000 Euro, auf Piero Dorazios gleichaltrige Leinwand „Soffitto alla b.c.“ mit einem dichten blauen Netz sich kreuzender Linien hohe 520.000 Euro (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). In der Tagesauktion schlossen sich dann noch Arnulf Rainers Übermalung „Rote Zudeckung“ von 1957 zur Taxmitte von 50.000 Euro, Rupprecht Geigers Farbmodulation „Bild 1 (3 Fasenräume)“ von 1960 in Dunkelgrau, -blau und -rot für 50.000 Euro, Richard Oelzes graue wabernde Gesichtsformen „Umgebener“ von 1967 für 120.000 Euro (Taxe je 50.000 bis 70.000 EUR) oder Imi Knoebels auf fünf rechtwinklige Farbbalken reduziertes „Portrait Natalia“ von 1991 für 38.000 Euro an (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Mit Franz Gertschs nun 100.000 Euro teurem Portrait „Vera“, einem orangefarbenen Holzschnitt von 1994, und Sigmar Polkes provokantem „Schreitisch mit Akt“ samt Pinkelei von 1979 für 75.000 Euro war der Berliner Sammler aber auch jüngeren figurativen Positionen nicht abgeneigt (Taxe je 70.000 bis 90.000 EUR).

Abstrakte Spitzenreiter

Abseits des umfangreichen Berliner Konvoluts konnte die Abstraktion auch punkten, unter anderem mit Asger Jorns energischer Farbschlacht „Une mime de rien (ou persque)“ – „Eine Schimäre von nichts (oder fast nichts)“. Die impulsive Expressivität der Leinwand aus dem Jahr 1967 führte zu 660.000 Euro (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). In ruhiger Überlegtheit ging Josef Albers 1969 bei seiner „Homage to the Square: Tenacious“ in verschiedenen Gelbabstufungen ans Werk und ergatterte damit 490.000 Euro (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Weitere Werke aus Amerika waren Morris Louis’ über vier Meter breites Veil Painting „Dalet Vav“ von 1958, das es auf die untere Schätzgrenze von 500.000 Euro brachte, und Robert Motherwells unbewegte Farbfeldmalerei „Open # 184“ von 1969. Das fast komplett weiße Großformat aus dem Nachlass des 2021 verstorbenen Galeristen und Sammlers Reinhard Onnasch hielt mit 400.000 Euro genau der unteren Zielvorgabe stand.

Während sich für Otto Pienes frühes Rasterbild des sonnengelb leuchtenden „Lichtfelds V“ von 1959 die Gebote mit 190.000 Euro gut entwickelten (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR), musste Lucio Fontanas braunes „Concetto spaziale“ mit seinen Durchstoßungen, Einschnitten und den pastosen braunen, weißen und schwarzen Farbtupfen bis nach der Auktion auf einen Käufer warten, der die zum Dreidimensionalen geöffnete Leinwand für 650.000 Euro mitnahm (Taxe 800.000 bis 1.200.000 EUR). Bei Blinky Palermo konzentrierte sich das Interesse auf die vierteilige, teils collagierte, teils mit Aquarellfarbe erweiterte Zeichnungsfolge „Happier than the Morning Sun“, die auf dem gleichnamigen Gute Laune-Lovesong von Stevie Wonder basiert und gute 310.000 Euro erwirtschaftete (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Palermos letzte beide Gemäldeserien von 1977 blieben bei Schätzungen bis zu 900.000 Euro indes liegen, ebenso Walter Leblancs weißes Triptychon „Twisted Strings 130C X 450, Phases I, II, III“ von 1976/77 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), zwei Werke Antoni Tàpies’ in erdiger Materialhaptik (Taxe je 150.000 bis 250.000 EUR) oder Katharina Grosses gesprühte und ausgefranste Farbwucht von 2012 (Taxe 130.000 bis 160.00 EUR).

Da hatten es Gerhard Gerhard Richter mit seinem „Abstrakten Bild“ von 1997 in roten, gelben, blauen und weißen Rakelschichten bei 810.000 Euro (Taxe 700.000 bis 900.000 EUR) und Günther Uecker mit seinem weißen Triptychon „Anvers“ von 1962, das aus dem Schattenspiel der unterschiedlich eingeschlagenen Nägel seine Kraft bezieht, bei 380.000 Euro besser (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Mit seiner abstrakten Fotografie „Greifbar 105“ in schillernden Türkisnuancen aus der „Freischwimmer“-Serie gesellte sich Wolfgang Tillmans bei 200.000 Euro hinzu (Taxe 200.000 bis 300 EUR). Über seine Preisvorstellungen von 80.000 bis 120.000 Euro schwang sich Hans Arps amorph organischer, bronzener Lebzeitguss „Tête sur griffes“ zu 170.000 Euro auf.

Thomas Schüttes nackte, bäuchlings auf einem kalten verrosteten Stahltisch liegende „Bronzefrau Nr. 12“ von 2003 hielt mit 1,2 Millionen Euro an ihren Vorgaben fest. William Nelson Copley erfreut sich seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit, was bei seiner mit einem Sektkelch auf einem Tisch zum „Happy New Year“ 1970 tanzenden gesichtslosen Frau zu 220.000 Euro führte (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Martha Jungwirth ist eine von der Kunstwelt spät wahrgenommene Malerin, die mit ihrer poetischen, zwischen Abstraktion und Figuration changierenden Malerei inzwischen auf eine wachsende Anhängerschaft trifft. So war ihre ungewöhnlich großformatige Arbeit „Untitled (Maja I)“ von 2021 nach Goyas berühmten Maja-Bildern bei 280.000 Euro eine Selbstläuferin (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Die Zugpferde im Day Sale

Da Ketterer auf separate Versteigerung mit Neueren Meistern verzichtet und die niedrig bewerteten Arbeiten alle in Online-Auktionen packt, waren im „Day Sale“ einige Werke des 19. Jahrhunderts unter die moderne und zeitgenössische Kunst eingestreut. Hier gelang Carl Spitzwegs humorvoller Schilderung „Lesender Einsiedler mit Raben in einer Schlucht“ aus den frühen 1830er Jahren ein deutlicher Zuwachs von 60.000 Euro auf 280.000 Euro. Sein um 1860 summarisch angelegter „Nachtwanderer in Mondschein“ in sensibler Melancholie tat es ihm von 30.000 Euro auf 73.000 Euro ähnlich. Im Verlauf der Auktion, die am 6. Dezember bei einer Zuschlagsquote nach Losen von 75,4 Prozent nochmals 11,5 Millionen Euro in die Kassen von Ketterer spülte, folgten dann etwa noch Josef Karl Stielers meisterlich charakterisiertes Bildnis des feschen Fürsten Maximilian Karl von Thurn und Taxis aus dem Jahr 1832 bei 20.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), Franz von Defreggers bäuerliches Genre „Abschied der Jäger“ von 1876 an der niedrigen Taxeschwelle von 25.000 Euro oder Alfred von Wierusz-Kowalskis „Kaukasischer Reiter“ um 1880 bei unerwarteten 56.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Dann ging es aber schon in schnellen Schritten Richtung Moderne, beispielsweise mit Edward Cucuels impressionistischer Dame am „Abend am See“ für 35.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) oder Curt Herrmanns neoimpressionistischer winterlicher Ansicht „Im Park von Schloss Pretzfeld“ in der Fränkischen Schweiz um 1908/09 für 43.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Für eine Überraschung sorgte Lyonel Feininger, der sich mit einer seiner seltenen Skulpturen beteiligte: sein markanter, aus Kiefernholz um 1916/17 geschnitzter und schwarz gefasster Kopf räumte 130.000 Euro ab (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Bildhauerisch ging es mit Renée Sintenis’ dunkler Bronzefigur „Der Läufer Nurmi“ von 1926 bei 34.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), ihrem ebenso sportlich bewegten „Fußballspieler“ von 1927 bei 42.000 Euro (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR), mit Alexander Archipenkos golden poliertem „Flat Torso“ bei 48.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder Wolfgang Mattheuers mythologisch inspiriertem Menschenbild „Sisyphos im Rad“, der seit 1975 unermüdlich, aber erfolglos seiner sinnlosen Tätigkeit nachgeht, bei 42.000 Euro weiter (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Mattheuer, Hauptvertreter der Leipziger Schule, wurde bei seinem malerischen, gar nicht ausgelassenen Zwei-Personen-Stück „Nach der Party“ von 1968 noch mit einer Verdreifachung des Werts auf 90.000 Euro hofiert. Die Moderne kam noch mit Theo von Brockhusens pastos gesetzten „Fischerbooten bei Ebbe“ von 1910 bei 38.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), Peter August Böckstiegels kraftvollem Stillleben „Sonnenblumen mit Äpfeln und Maiskolben“ von 1938 bei 50.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) oder Emil Noldes Aquarell rot glühender „Mohnblüten“ um 1930/35 bei 120.000 Euro zum Zug (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), die Pop Art mit Tom Wesselmanns aufreizendem Akt „Study for Great American Nude“ von 1966 bei 70.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und John Wesleys noch expliziterem „Blue Man“ von 1995 beim Geschlechtsverkehr für 75.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Die bildreiche und starke Sprache des Neoexpressionismus hatte in Karl Horst Hödicke einen ihrer Protagonisten. Seine vierteilige Serie von 1977 mit einem Fensterausblick in Berlin zu unterschiedlichen „Tageszeiten“ in Grün für den Morgen, Sonnengelb für den Mittag, Mittelbraun für den Abend und Blauschwarz für die Nacht verlangte 100.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Diesen Wert gab es zudem für ein frühes Werk von Jörg Immendorff. Zu Studienzeiten an der Düsseldorfer Kunstakademie verpackte er 1966 ein kleines orangegelbes pyramidenförmiges Baby mit Pausbacken in Klarsichtfolie und schrieb auf den Geschenkanhänger „Für alle Lieben in der Welt“ (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Für Enzo Cucchi bilden seine Heimat in den Marken, die dortige Berglandschaft, die Menschen und regionale Sagen ein Motivrepertoire für seine persönliche, oft rätselhaft verschlüsselte Ikonografie, etwa auch bei seiner zweiteiligen Arbeit einer schwarz-weißen pelzartigen Hügelkette mit einer farbig glasierten Keramikpistole, die ihren Wert auf 50.000 Euro verbesserte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Eindeutiger in ihrer künstlerischen Sprache ist Renate Bertlmann. Mit ihren „Gefährlichen Brüsten“ lehnt sich die Feministin gegen stereotype Rollenmuster, dominante Geschlechterbeziehungen sowie männliches Begehren und Gewalt auf und thematisiert dabei den weiblichen Körper als Kampfzone: So hat sie 1975 zwei halbe Gipskugeln mit schwarzen Schnullern bestückt und in sie zwei scharfe Skalpellmesser gesteckt. 31.000 Euro waren jetzt ihr Lohn (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de

Startseite: www.kettererkunst.de



06.01.2026

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 26

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (2)Adressen (1)Kunstsparten (4)Stilrichtungen (4)Kunstwerke (15)

Veranstaltung vom:


05.12.2025, Evening Sale

Veranstaltung vom:


06.12.2025, Day Sale

Bei:


Ketterer

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Arbeiten auf Papier

Kunstsparte:


Zeichnung

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Moderne Kunst







Georg Kolbe,  Verlangen, 1923

Georg Kolbe, Verlangen, 1923

Taxe: 150.000 - 250.000 EURO

Zuschlag: 480.000,- EURO

Losnummer: 42

Wassily Kandinsky,  Behauptend, 1926

Wassily Kandinsky, Behauptend, 1926

Taxe: 1.000.000 - 1.500.000 EURO

Zuschlag: 2.500.000,- EURO

Losnummer: 61

Ernst Ludwig Kirchner,  Sertigweg, 1937

Ernst Ludwig Kirchner, Sertigweg, 1937

Taxe: 500.000 - 700.000 EURO

Zuschlag: 850.000,- EURO

Losnummer: 4

Paula Modersohn-Becker,  Zwei sitzende Kinder im Wald, 1904

Paula Modersohn-Becker, Zwei sitzende Kinder im Wald, 1904

Taxe: 200.000 - 300.000 EURO

Zuschlag: 240.000,- EURO

Losnummer: 74

Ernst Ludwig Kirchner,  Frauen am Potsdamer Platz, 1914

Ernst Ludwig Kirchner, Frauen am Potsdamer Platz, 1914

Taxe: 500.000 - 700.000 EURO

Zuschlag: 650.000,- EURO

Losnummer: 26

Willi Baumeister,  Mit Spirale auf Gelb (Safer mit Spirale), 1953

Willi Baumeister, Mit Spirale auf Gelb (Safer mit Spirale), 1953

Taxe: 120.000 - 180.000 EURO

Zuschlag: 120.000,- EURO

Losnummer: 50

Otto Mueller,  Stehendes Mädchen mit Bäumen, um 1925

Otto Mueller, Stehendes Mädchen mit Bäumen, um 1925

Taxe: 80.000 - 120.000 EURO

Zuschlag: 140.000,- EURO

Losnummer: 43

Edvard Munch,  Frühlingstag auf Jeløya, 1915

Edvard Munch, Frühlingstag auf Jeløya, 1915

Taxe: 700.000 - 900.000 EURO

Zuschlag: 700.000,- EURO

Losnummer: 19

Ernst Ludwig Kirchner,  Leuchtturm hinter Bucht, 1912

Ernst Ludwig Kirchner, Leuchtturm hinter Bucht, 1912

Taxe: 600.000 - 800.000 EURO

Zuschlag: 400.000,- EURO

Losnummer: 14

Alexej von Jawlensky,  Abstrakter Kopf: September, 1927

Alexej von Jawlensky, Abstrakter Kopf: September, 1927

Taxe: 250.000 - 350.000 EURO

Zuschlag: 290.000,- EURO

Losnummer: 80

Franz Marc,  Verschneiter Wald, 1909

Franz Marc, Verschneiter Wald, 1909

Taxe: 120.000 - 180.000 EURO

Zuschlag: 260.000,- EURO

Losnummer: 17

Hermann Max Pechstein,  Inder und Frauenakt, 1910

Hermann Max Pechstein, Inder und Frauenakt, 1910

Taxe: 2.000.000 - 3.000.000 EURO

Zuschlag: 2.100.000,- EURO

Losnummer: 23

Paul Klee,  Kairuan, 1916

Paul Klee, Kairuan, 1916

Taxe: 150.000 - 250.000 EURO

Zuschlag: 290.000,- EURO

Losnummer: 77




Copyright © '99-'2026
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce