Streit und Unklarheit um Südafrikas Pavillon auf der Biennale  |  | Ingrid Masondo und Gabrielle Goliath | |
Die südafrikanische Regierung zieht den von Gabrielle Goliath gestalteten Pavillon für die Biennale in Venedig zurück. Als Grund wird ein Kunstwerk der 1983 geborenen Südafrikanerin genannt, das Israels Krieg gegen Palästina thematisiert. Laut einem Beitrag der unabhängigen Internetzeitung Daily Maverick forderte Gayton McKenzie, Kulturminister Südafrikas, in einem Brief an die Organisatoren des Pavillons mehrere Änderungen an dem Kunstwerk. Sollten seine Vorgaben nicht erfüllt werden, würde er die Finanzierung aufheben und seine Unterstützung fallen lassen. Da sich Gabrielle Goliath weigerte, ihr Werk abzuändern, zog McKenzie ihren Beitrag zurück.
Gabrielle Goliath wollte eine Version ihres Projekts „Elegy“ präsentieren, an dem sie seit zehn Jahren arbeitet. Darin behandelt sie Femizide, den Mord an Homosexuellen und Transpersonen in Südafrika oder die historisch überlieferte Tötung von Frauen in Namibia durch deutsche Kolonialmächte um 1900. Aus aktuellem Anlass erweiterte Goliath die videobasierte Performance um das Sterben von Frauen und Kindern während des Gaza-Kriegs. Zudem wollte sie der palästinensischen Schriftstellerin Hiba Abu Nada gedenken, die im Oktober 2023 während eines israelischen Luftangriffs ums Leben kam.
Gabrielle Goliath wie auch die Kuratorin Ingrid Masondo von Art Periodic, das für den Pavillon verantwortlich war, sprechen von einem Machtmissbrauch, einem Verstoß gegen ein ordnungsmäßiges Vorgehen und einer Missachtung der freien Meinungsäußerung. Gerade vor dem Hintergrund, dass die südafrikanische Regierung das Land Israel vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen Völkermords anklagte, wirkten McKenzies Handlungen antithetisch zur Haltung Südafrikas gegenüber dem Gaza-Krieg.
Goliath schrieb in einem Brief an Kulturminister, der Daily Maverick vorliegt, dass es nicht das Recht eines Ministers sei, Künstlern und der Öffentlichkeit vorzuschreiben, was diese reflektieren dürften oder nicht und auf was sie reagierten. „Dies zu tun, würde die Möglichkeiten der Kunst ausschließen, sich mit dringenden und herausfordernden soziopolitischen Anliegen auseinanderzusetzten“, so die Künstlerin. Inzwischen hat sich Goliath an Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa gewandt und eine Petition gestartet, um „Elegy“ doch noch in Venedig präsentierten zu können. Die Konzepte für die Länderpavillons der Biennale in Venedig mussten bis letzten Freitag eingereicht werden. Im Mai wird sich zeigen, ob Südafrika vertreten ist oder nicht. |