Unbekannte Zeichnung Baldung Griens steht zum Verkauf  |  | Hans Baldung Griens Silberstiftportrait von Susanna Pfeffinger aus dem Jahr 1517 soll in Paris 1,5 bis 3 Millionen Euro einbringen | |
Patrick de Bayser, einer der vier Experten des auf Zeichnungen Alter Meister spezialisierten Cabinet de Bayser in Paris, hat eine bisher nicht publizierte Portraitskizze Hans Baldung Griens aufgespürt: Das Silberstiftblatt der Susanna Pfeffinger blieb mehr als 500 Jahre lang im Besitz ihrer Nachfahren. Das Bildnis der Frau ist die einzige Zeichnung des Renaissancemeisters in dieser Technik, die sich noch in privater Hand befindet. Nun soll die Entdeckung über das Auktionshaus Beaussant Lefèvre & Associés am 23. März im Pariser Hôtel Drouot versteigert werden. Der Schätzwert liegt bei anspruchsvollen 1,5 bis 3 Millionen Euro, ist aber durchaus marktgerecht angesetzt. So brachte Baldung Griens flott gezeichneter Männerkopf im Dreiviertelprofil schon 2007 bei Christie’s in New York 3,3 Millionen US-Dollar netto.
Der 1484/85 in Schwäbisch Gmünd geborene Hans Baldung, der um 1490 mit seiner Familie nach Straßburg gezogen war, ging ab 1503 bei Albrecht Dürer in Nürnberg in die Lehre, wurde dessen wohl bedeutendster Schüler und erhielt hier den Beinamen „Grien“. 1509 ließ er sich wieder in Straßburg nieder und war hier auch als Portraitmaler gefragt. Im Jahr 1517 zeichnete er mit feinem Stift das kleine Portrait von Susanna Pfeffinger in Dreiviertelansicht, das den Arbeiten im sogenannten „Karlsruher Skizzenbuch“ der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe verwandt ist. Ihr Mann Friedrich Prechter war ein Papierzulieferer für mehrere europäische Druckereien und Verlage. Mit Baldung Grien gab es daher sowohl eine berufliche Verbindung wie auch eine persönliche, da Margaretha, die Tochter des Künstlers, die Prechter-Familie kannte.
Auf dem Blatt präsentiert sich Pfeffinger (1465-1538) im Konterfei als fromme Frau mit hoch geschlossenem Kleid und Haube. Baldung Grien datierte seine Zeichnung, die er mit präzisen Strichen und Schraffuren anlegte, und versah sie mit seinem Monogramm. Obwohl von ihrem Gesicht durch die Gewandung nur der Bereich zwischen Lippen und Augen zu sehen ist, zeigt der Künstler eine freundliche Frau. Hans Baldung Grien wandte sich 1520 der Reformation zu und verewigte mehrere Reformatoren, darunter Martin Luther, Jakob Sturm und Martin Bucer. |