Langen Foundation mit Tarnnetzen aus der Ukraine verhüllt  |  | Fabian Knecht, Lachen ist verdächtig, 2026 | |
Für seine aktuelle Präsentation in der Langen Foundation hat Fabian Knecht das Museumsgebäude mit zahlreichen Tarnnetzen aus Kleidung und Alltagsstoffen ukrainischer Zivilist*innen verhüllt. Damit bringt der 1980 in Magdeburg geborene Künstler eine materielle Spur von Krieg und zivilem Widerstand nach Neuss und will das seit fast vier Jahren in der Ukraine andauernde Kriegsgeschehen im Bewusstsein der hiesigen Bevölkerung wachhalten. Die Camouflagestoffe, die vor allem durch Frauen und Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen aus gespendeter Kleidung zusammengenäht werden, hat Knecht seit Kriegsanfang gesammelt und sie gegen professionelle militärische Tarnnetze eingetauscht, die er wie andere Hilfsgüter selbst in die Ukraine verfrachtet hat. Den visuellen Eindruck ergänzt das 20minütige Klangwerk „Land“ von Ihor Okuniev aus dem Jahr 2022, mit dem der Ukrainer die akustische Dimension seiner vom Krieg geprägten Heimat untersucht.
Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 seien handgeknüpfte Tarnnetze zu einer verbreiteten Ausdrucksform des zivilen Widerstands in der Ukraine geworden, so Kurator Nadim Samman. Sie finden sich in Städten, Dörfern, Kontrollpunkten, Brücken und Standorten kritischer Infrastruktur wieder und prägen den Alltag des Landes. Diese handgemachten Tarnungen sind improvisiert und heterogen, ihre militärische Wirksamkeit ist begrenzt. Es ist jedoch ihre symbolische und soziale Bedeutung, die für Fabian Knecht von Belang ist. Seine Netze stammen fast aus der gesamten Ukraine und unterschieden sich in Farbe, Dichte, Struktur und Materialität.
Die Installation an der Langen Foundation, die sich sowohl im Innen- wie auch Außenraum des verglasten Betonkubus von Tadao Ando entfaltet, formt ein enges räumliches und visuelles Gefüge, das Fürsorge, Verletzlichkeit und die verwischte Grenze zwischen zivilem Leben und Krieg thematisiert. Indem Knecht die funktionalen Tarnnetzte in einen künstlerischen Kontext überführt, stellt seine Arbeit Fragen nach Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Wirksamkeit, Teilhabe und Macht. Das Werk, das etwa schon in Wolfsburg, Krakau oder Berlin zu sehen war, mache stillen, kollektiven Widerstands sichtbar und würdige die oft unbeachtete Arbeit ziviler Akteur*innen in Kriegszeiten, so Samman. In Neuss ist zudem der Bezug zur ehemaligen Raketenstation in Hombroich gegeben, in dem die Langen Foundation residiert: Sie diente militärischen Zwecken und war während des Kalten Krieges mit Tarnnetzen bedeckt.
Die Ausstellung „Der Weg des größten Widerstandes. Fabian Knecht mit Ihor Okuniev“ läuft bis zum 15. März. Die Langen Foundation hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Langen Foundation
Raketenstation Hombroich 1
D-41472 Neuss
Telefon: +49 (0)2182 – 57 01 15 |