Erna und Carl Rabus im Schlossmuseum Murnau  |  | Carl und Erna Rabus in Südfrankreich, um 1950 | |
In der Schau „Seite an Seite“ widmet sich das Schlossmuseum Murnau derzeit dem künstlerischen Schaffen der Portraitfotografin Erna Rabus und stellt ihm das Werk ihres Mannes, des Malers Carl Rabus, zur Seite. Das Künstlerpaar lebte ab 1974 in Murnau. Während Carl bereits neun Jahre später dort bei Baden im Staffelsee 85jährig starb, wirkte Erna noch bis zu ihrem Tod im Jahr 2007 in Murnau. Noch 2006 stellte sie dem Schlossmuseum das Œuvre ihres Gatten sowie private Dokumente für eine Ausstellung zur Verfügung. Diesmal soll die Fotografin im Vordergrund stehen, die ein bewegtes, von Verfolgung und Flucht geprägtes Leben mit ihrem Mann teilte.
Die Jüdin Erna Adler kam 1913 in Wien zur Welt und arbeitete nach ihrer Ausbildung zunächst als Assistentin der Fotografinnen Trude Geiringer und Dora Horovitz. 1937 musste sie aus Wien fliehen und ging zunächst nach Antwerpen, dann nach Brüssel. In Belgien war sie bis 1940 unter dem Pseudonym Eva Simon als Porträtfotografin tätig. Carl Rabus, den sie 1930 in Wien kennengelernt hatte, folgte ihr nach Brüssel. Die Fotografin begeisterte sich vor allem für die Momente des täglichen sozialen Lebens, insbesondere in Ostende und während ihrer zahlreichen Reisen in die Welt. Beide Künstler verbrachten mehrere Monate in Ostende, wo sie unter anderem James Ensor in seinem Atelier besuchten und Felix Nussbaum begegneten. Den Besuch bei Ensor verewigte Adler 1937 in einem Foto, auf dem der weißhaarige Ensor Carl Rabus ein kleines Bild zeigt. Beide Maler sind ganz selbstvergessen in ihre Tätigkeit vertieft.
Dasselbe Motiv fanden beide in Hafenszenen in Ostende. Carl Rabus malte 1938/39 seine „Fischerboote vor braunem Haus“, wobei die ausschnitthaften bunten Schiffe geradezu aus dem Bild und über das braune Haus hinaus zu schwappen scheinen. Erna Adler lichtete 1937 eine Takelage, die daran gespannten Netze und die Reling eines Fischerbootes mit Blick auf die Häuser am Hafen ab. Wo Rabus die Dynamik in Farbe und perspektivischen Ungenauigkeiten mit unterschiedlichen Größenverhältnissen einzufangen weiß, liegt Erna Adlers Interesse in der Vielfalt der sich diaphan überdeckenden Netze um den stabilisierenden Mast, die eine Art atmosphärischen Schleier über die Wohnhäuser im Hintergrund legen. Dialoge zwischen Malerei und Fotografie eröffnen zudem Carl Rabus’ farbintensive Landschaft in „Dalmatien“ von 1936 und ein gleichaltriges Foto, in dem Erna genau auf dem Balkon sitzt, von dem aus Carl seinen malerischen Blick über das Grün der Natur auf einige bunte Häuser fallen ließ.
Als die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 Belgien besetzte, wurden bei beiden verhaftet. Erna Adler verlor ihre gesamte Fotoausrüstung, die die Gestapo beschlagnahmte. Nachdem sie wieder freigelassen wurde, lebte sie im belgischen Untergrund. Carl Rabus wurde in das berüchtigte südfranzösische Internierungslager Saint-Cyprien gebracht. Als das Lager im Dezember 1940 geschlossen wurde, kehrte Rabus nach Brüssel zurück, wurde aber zwei Jahre später unter dem Vorwurf der „Rassenschande“ wieder festgenommen und in Wien inhaftiert werden. Vorzeitig aus der Haft entlassen, kehrte Rabus nach Belgien zurück und heiratete Erna am 25. November 1944. Erst ein Jahr später konnte Erna Rabus ihre Arbeit als Fotografin wiederaufnehmen. Auch Carl Rabus begann, erneut zu arbeiten, und thematisierte in dem berühmten Holzschnittzyklus „Passion 1940/45“ seine Lagererfahrungen.
Die Ausstellung „Seite an Seite: Erna und Carl Rabus. Die Fotografin und der Maler“ läuft bis zum 12. April. Das Schlossmuseum Murnau hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren ist kostenfrei.
Schlossmuseum Murnau
Schlosshof 2-5
D-82418 Murnau am Staffelsee
Telefon: +49 (0)8841 – 476 207 |