Krupp-Stiftung verleiht Förderpreise an Nachwuchskünstler  |  | Joshua Leon, The Missing O and E, 2024 | |
Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung vergibt im Rahmen ihres Programms „Kataloge für junge Künstler*innen“ drei Förderpreise von jeweils bis zu 40.000 Euro an Cihan Çakmak, Joshua Leon und Adriana Ramic. In ihrem Œuvre beschäftigt sich die 1993 bei Bremen als Tochter kurdischer Einwanderer geborene Cihan Çakmak mit persönlichen Erfahrungen. In Bezug zu ihrer Autobiografie diskutiert sie mittels Fotografien, Video- und Soundarbeiten Themen wie Identität, Traumata, feministische Selbstermächtigung, Migration und Empowerment. Ihre Kunst schafft somit nicht nur Raum für ihre eigene Geschichte, sondern versucht auch, marginalisierten Gruppen eine Stimme zu geben. Der Katalog ihrer Ausstellung „Cihan Çakmak. Like a warrior“, die ab Mitte Juli im Leverkusener Museum Morsbroich läuft, ist die erste umfassende Monografie der Künstlerin, die an ihr 2025 erschienenes Künstlerbuch „Ez fraktal / I am similar“ anknüpfen wird.
Die Werke des 1990 in London geborenen Schriftstellers und Künstlers Joshua Leon kreisen um das jüdische Leben und seine Familiengeschichte in Vergangenheit und Gegenwart, darunter etwa die Tätigkeit seiner Mutter als Kostümbildnerin. Seine Arbeiten basieren sowohl auf persönlichen Erinnerungen als auch auf historischer Forschung und ortsspezifischer Archivrecherche. Der Düsseldorfer Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen realisiert ab Februar 2027 in Zusammenarbeit mit dem Portikus in Frankfurt eine zweiteilige, simultan stattfindende Ausstellung. Der Katalog agiert laut Jury hierbei als zentrale Verbindung der beiden Installationen und soll das Werk Leons in Bild und Text erstmals umfassend vorstellen.
Die 1989 in Chicago geborene Adriana Ramic mit bosnischen und polnischen Wurzeln untersucht in ihren multidisziplinären Arbeiten transkulturelle und hybride Wissensformen sowie die Wechselwirkung zwischen digitalen Systemen und der natürlichen Umwelt, wobei sie ihren Blick über den Menschen hinaus richtet und auch postmigrantische Narrative behandelt. Das Katalogkonzept, das ihre Einzelausstellung im Kunstverein für Mecklenburg und Vorpommern in Schwerin ab Ende Januar begleitet, fokussiert sich auf die Reflektion und Umordnung der modernen Informations- und Bildkulturen, die momentan durch Künstliche Intelligenz infrage gestellt werden. Auch die Gestaltung des Katalogs nimmt dieses Thema wieder auf, da das Layout und die Textkompositionen teilweise mit KI erstellt sind.
Das Katalogprogramm der Krupp-Stiftung ermöglicht seit 1982 Nachwuchskünstler*innen, eine eigene Ausstellung mitsamt Katalog zu entwickeln. Dieses Vorhaben soll außerdem Museen und Ausstellungshäuser dazu ermutigen, neue und innovative Ausstellungskonzepte zu entwickeln. Diesmal bestand die Jury aus Elena Agudio, Leiterin der Villa Romana in Florenz, Ursula Ströbele, Professorin für Kunstwissenschaft mit Schwerpunkt Kunst der Gegenwart an der HBK Braunschweig, Nico Anklam, Direktor der städtischen Museen der Stadt Recklinghausen, und Matthias Mühling, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München. |