Kunsthaus Zürich erinnert an Alice Bailly  |  | Alice Bailly, Femme au miroir (Femme à la toilette. Ludmilla Botkine), 1918 | |
„Mit Nadel und Wolle sprengte Alice Bailly die Grenzen der Malerei. Ihre Werke sind eine (Wieder-)Entdeckung.“ Mit diesem Worten beschreibt Kuratorin Maja Wismer das Lebenswerk der Schweizer Künstlerin Alice Bailly. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Philippe Büttner richtet Wismer der 1872 geborenen Genferin im Kunsthaus Zürich derzeit eine Kabinettausstellung mit 22 Exponaten aus. Durch ihre innovativen Wollbilder – den „tableaux-laine“ – war sie eine der ersten Künstlerinnen in der Schweiz, die sich von der akademischen Tradition entfernten, weshalb Bailly als Pionierin der Moderne angesehen wird.
Baillys Leben spielte sich zwischen Frankreich und der Schweiz ab, was ihre einzigartige Bildsprache zwischen Fauvismus, Kubismus, Orphismus und Futurismus maßgebend prägte. Die Motive ihrer Gemälde, darunter Landschaften, Figuren, Gegenstände oder Szenen, hat die Künstlerin unterschiedlich stark abstrahiert und damit die Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit verwischt, etwa in ihrem Portrait von Ludmilla Botkine als „Femme au miroir“ von 1918 oder der auf Leinwand gestickten, verträumten Landschaft „Printemps rose“ von 1917. Gerade die „tableaux-laine“ gelten heutzutage als Meilenstein in der Kunstgeschichte und werden als visionäre Antwort auf die männlich dominierte Moderne gesehen.
Bailly war nicht nur in ihrer Kunst wegweisend, sondern prägte das Selbstverständnis der Künstlerinnen ihrer Zeit entscheidend mit, da sie sich über geschlechtsspezifische Rollenbilder hinwegsetzte und als Frau einen gleichwertigen Platz in der Kunstwelt einforderte. Bereits zu Lebzeiten wurden ihre Werke mehrmals im Kunsthaus Zürich ausgestellt; 1926 wurde Bailly an der Biennale von Venedig ausgezeichnet. Nach Aufenthalten im Wallis, in Paris und in der Bretagne ließ sich die Künstlerin schließlich 1923 in Lausanne nieder, wo sie 1936 mit der Ausmalung des Foyers im Stadttheater betraut wurde und 1938 auch starb.
Die Ausstellung „Alice Bailly – Pionierin der Moderne“ ist bis zum 15. Februar zu sehen. Das Kunsthaus Zürich hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 24 Franken, ermäßigt 17 Franken. Für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren sowie für alle am Mittwoch ist der Eintritt kostenlos.
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 5
CH-8001 Zürich
Telefon: +41 (0)44 – 253 84 84 |