Städel hat Madonna für Altenberger Altar erworben  |  | Thronende Muttergottes, Köln, um 1320/30 | |
Das Städel Museum in Frankfurt hat die um 1320/30 datierte thronende Muttergottes aus dem Altenberger Altarretabel angekauft. Für den Millionenbetrag hat es finanzielle Unterstützung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, den Städelschen Museums-Verein sowie die Kulturstiftung der Länder erhalten. Die gotische, farbig gefasste Holzskulptur, auch als „Altenberger Madonna“ bekannt, zählt laut Mitteilung des Museums „zu den bedeutendsten Kunstwerken der mittelalterlichen Bildhauerei in Deutschland und gehört zu den ältesten Beispielen der Kölner Bildhauerkunst des 14. Jahrhunderts. Einzigartig wird sie durch ihre hervorragend erhaltene originale Fassung.“ Da die Altenberger Madonna im Verzeichnis national wertvollen Kulturguts geführt ist, ist sie vor dem Export geschützt. Philipp Demandt, Direktor des Städels, erklärte: „Nach einhundert Jahren ist die berühmte Altenberger Madonna zurück in ihrem zugehörigen Altar – eine lang ersehnte Sternstunde in der Geschichte des Städel Museums!“
Die Skulptur der Muttergottes des „Altenberger Altars“ gehört zu einem weit verbreiteten Typus thronender Marienfiguren mit stehendem Christuskind, die in Köln entstanden und auf französische Vorbilder zurückgehen. Die „Altenberger Madonna“ übertrifft andere vergleichbare Kölner Skulpturen durch ihre Qualität und den hervorragenden Erhaltungszustand. Maria wird wie in diesem Figurentyp typisch als beseelt lächelnde, mädchenhaft junge Frau gezeigt, die frontal auf einer Thronbank mit Kissen sitzt. Die hohe Rückwand endet in einem spitzen von Krabben besetzten Giebel. Marias Füße ruhen auf einem vorgelagerten polygonalen und mit durchbrochenem Maßwerk geschmückten Podest. Mit ihrer rechten Hand hält die Muttergottes geziert den Rest vom Stiel einer Lilie, dem Symbol ihrer Jungfräulichkeit. Mit ihrer Linken stützt sie den Oberkörper ihres Sohnes, der aufrecht mit einem Fuß auf ihrem linken Oberschenkel, mit dem anderen auf der Thronbank steht. Dabei hält er seinen rechten Arm ausgestreckt vorn, als wolle er nach der heute fehlenden Lilie greifen. Mit der linken Hand umfasst das Kind die Beinchen einer kopfüber gehaltenen Kohlmeise, die ihn dafür schmerzhaft in den Finger pickt. Dies ist als ein Hinweis auf die zukünftigen Passionsleiden Christi zu verstehen.
Der „Altenberger Altar“ war das Hochaltarretabel der Klosterkirche der Prämonstratenserinnen in Altenberg bei Wetzlar. Die Werktagsseite des Altarbildes hatte vor dunklem Grund die Leidensgeschichte Christi zum Thema. Da die Flügel in sich faltbar waren, war eine schrittweise Enthüllung des zentralen Schreinkastens möglich, in dessen Zentrum die „Altenberger Madonna“, umgeben von den Reliquienschätzen des Klosters, präsentiert wurde. So zeigte die partielle Sonntagsöffnung des Altarretabels die Madonna flankiert von Bildern aus dem Marienleben. Erst bei der vollständigen Öffnung des Retabels wurde zudem die Darstellung der heiligen Elisabeth von Thüringen sichtbar. Neben Marburg gehörte Altenberg zu einem der zentralen Orte für die Verehrung der heiligen Elisabeth.
Die Altenberger Madonna wurde als Einzelwerk vom Kloster in Altenberg erworben und aufgestellt. Um 1330 sollte sie Teil des neuen Hochaltarretabels werden und wurde entsprechend modifiziert, damit sie in die Mittelnische passt. Nachdem das Frauenkloster 1803 aufgelöst wurde, ging die Madonna in den Besitz der Fürsten zu Solms-Braunfels über. Diese verkauften sie 1916 an die Kunsthandlung A.S. Drey in München. Spätestens 1929, eventuell bereits 1926, erwarb der Münchner Kunsthändler Julius Böhler die Skulptur, wo sie bis zum aktuellen Ankauf in Familienbesitz verblieb. Seit 1981 war sie als Dauerleihgabe im Bayerischen Nationalmuseum in München zu sehen. Das Städel präsentiert ab sofort das nun wieder vollständige Altenberger Retabel. |