Karl Peter Röhl und sein Freundeskreis in Weimar  |  | Karl Peter Röhl, o. T. (Komposition XVIII), 1920 | |
Fünfzig Jahre nach dem Tod des Künstlers Karl Peter Röhl erinnert die Klassik Stiftung Weimar mit der Ausstellung „Die ‚Urzelle‘ des Bauhauses“ an ein bislang wenig erforschtes Kapitel der Bauhaus-Geschichte und informiert über die Anfänge des Bauhauses und die Verwirklichung seiner Idee im Spannungsfeld von Avantgarde und Tradition. Anhand von über vierzig Ausstellungstücken beleuchtet die Kuratorin Ute Ackermann im Bauhaus-Museum die Kunstszene Weimars vor der Bauhaus-Reform 1919, rückt dabei den 1890 in Kiel geborenen Röhl, der ab 1912 in Weimar studierte, in den Mittelpunkt und blickt auch auf seinen Freundeskreis, den Röhl selbstbewusst als „Urzelle des Bauhauses“ bezeichnete.
Bereits vor dem Gründungsjahr äußerten sich Studierende der Großherzoglich Sächsischen Hochschule, darunter Meisterschüler Karl Peter Röhl, kritisch zu ihrer akademischen Ausbildung. Aus diesem Konflikt entstand schließlich die Bauhaus-Idee. Röhl spielte in dieser Entwicklung eine besonders bedeutende Rolle. Peter Kleine, Oberbürgermeister und Vorstand der Karl Peter Röhl Stiftung, erklärt, dass Röhls „Neugier, Offenheit und Gestaltungswille den Weg für das Bauhaus erst möglich gemacht haben. Nur wenn wir dessen Anfänge verstehen, begreifen wir auch, wie modern und lebendig der Bauhaus-Gedanke bis heute geblieben ist.“ Dabei war Idee des Bauhauses in den ersten Semestern noch nicht gefestigt. Laut Ackermann diskutierten die Studierenden anarchistische Ideen, huldigten dem Dada, dachten den Kosmos neu, malten expressionistisch und feierten. Meinungsverschiedenheiten erzeugten die notwendige Reibung für eine Klärung und Verwirklichung des Bauhaus-Programms, bei dem sich erst nach einiger Zeit die sachliche Ästhetik und moderne Lebenskultur herauskristallisierten.
Künstlerfreunde um Röhl wie Johannes Molzahn oder Johannes Ilmari Auerbach, aber auch Gäste wie der Dichter Johannes Schlaf, der Dadaist Johannes Baader oder der Anarchist Hugo Hertwig lieferten wichtige Impulse, die die Künstler des Freundeskreises in ihren Werken aufgriffen. Die in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar konzipierte Ausstellung ermöglicht tiefere Einblicke in die Welt der Künstler*innen, ihre Netzwerke, die künstlerischen und sozialutopischen Potenziale sowie die produktiven Missverständnisse und Enttäuschungen zum Thema. Auch in künftigen Projekten will sich das Bauhaus-Museum näher mit der Kontinuität von der Weimarer Kunsthochschule zum 1919 gegründeten Bauhaus auseinandersetzen.
Die Ausstellung „Die ‚Urzelle‘ des Bauhauses – Karl Peter Röhl und sein Freundeskreis“ ist bis zum 23. Februar zu sehen. Das Bauhaus-Museum Weimar hat Montag und Mittwoch bis Freitag von 11 bis 17 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. Für Erwachsene kostet der Museumseintritt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Schüler im Alter von 16 bis 20 zahlen 4 Euro. Zur Ausstellung ist ein Begleitbuch für 15 Euro erschienen.
Bauhaus-Museum Weimar
Stéphane-Hessel-Platz 1
D-99423 Weimar
Telefon: +49 (0)3643 – 545 400 |