Meisterwerk von Canaletto bei Christie’s  |  | Giovanni Antonio Canal, Venedig. Der Bucintoro am Molo zu Christi Himmelfahrt, um 1754 | |
Erst im vergangenen Juli trumpfte Christie’s in London mit Giovanni Antonio Canals Gemälde „Venedig. Rückkehr des Bucintoro zu Christi Himmelfahrt“ zum neuen Spitzenpreis von 27,5 Millionen Pfund netto auf, nun bringt der Auktionsriese ein weiteres Meisterwerk von Canaletto auf den Markt. Bei der Versteigerung „Old Masters“ am 4. Februar in New York steht das gleiche Sujet in einer größeren Ausführung im Mittelpunkt: Wieder geht es um die Feierlichkeiten am Himmelfahrtsfest, bei denen der Doge mit seiner vergoldeten Staatsbarke vom Markusplatz zum Lido fuhr, um die Stadt symbolisch mit dem Meer zu vereinen, und dabei einen Ring ins Wasser warf. Mit den Worten „Wir heiraten Dich, Meer, als Zeichen der wahren und beständigen Herrschaft“ unterstrich er den maritimen Machtanspruch der Serenissima über die Adria. Andrew Fletcher, Leiter des Old Masters Department bei Christie’s, zählt das Werk aufgrund seiner Größe, Komposition, seines Farbschemas und seines sehr guten Erhaltungszustands zu den eindrucksvollsten Schöpfungen Canalettos.
Gefertigt hat Giovanni Antonio Canal die figurenreiche belebte Vedute während seiner Londoner Periode ab 1746 wohl für Thomas King oder einen nahen Verwandten. In deren Landsitz Ockham Park in der Grafschaft Surrey hing „Der Bucintoro am Molo zu Christi Himmelfahrt“ als Herzstück einer siebenteiligen Gemäldefolge, für die Canal noch sechs Landschaftscapricci aus England schuf. Die sieben Gemälde blieben knapp 200 Jahre im Besitz der King-Familie, wurden aber 1937 bei einer Sotheby’s-Auktion zerstreut. Später erwarb der portugiesische Finanzier Antonio de Sommer Champalimaud die prunkvolle Venedig-Vedute. Nach seinem Tod wurde sie im Sommer 2005 bei Christie’s in London für den damaligen Rekordpreis von 10,2 Millionen Pfund netto gehandelt. Der hielt zwar nur einen Tag; denn Dauerkonkurrent Sotheby’s zog mit Canalettos malerischem Blick in den Canal Grande bei 16,6 Millionen Pfund nach. Christie’s gibt diesmal keine Schätzung an, doch 30 bis 35 Millionen US-Dollar sollten jetzt für den „Bucintoro am Molo“ möglich sein.
Mit Sandro Botticelli steht ein weiterer Italiener auf den vorderen Rängen der New Yorker Auktion. Gemeinsam mit seiner Werkstatt malte er eine für die Renaissance typische Marien-Darstellung: Die Muttergottes sitzt an einem Pult und hält das Christuskind liebevoll in ihren Armen, während der junge Johannes der Täufer anbetend zuschaut (Taxe 4 bis 6 Millionen USD). Mit dabei ist auch ein Selbstportrait von Artemisia Gentileschi, in dem sich die römische Künstlerin in die heilige Katharina von Alexandrien verwandelt hat und etwas vorwurfsvoll aus dem Bild blickt (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen USD). Mit Jean Siméon Chardin und seiner intimen Genreszene „La Mère laborieuse“ geht es dann nach Frankreich ins Zeitalter der Aufklärung. Da die Mutter mit ihrer Tochter beim Sticken bis zur jüngsten Restaurierung unter einer alten Lack- und Schmutzschicht verborgen war, galt das Gemälde bisher als minderwertige Kopie aus Chardins Atelier. Nach der Reinigung soll es nun 1 bis 2 Millionen Dollar erzielen. Ein weiterer Millionenwert ist für eine flämische Dorfszene angesetzt, in die Pieter Breughel d.J. klein die „Flucht nach Ägypten“ integriert hat, die von einigen Dorfbewohnern aufmerksam wahrgenommen wird (Taxe 1 bis 1,5 Millionen USD). |