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Alte Nationalgalerie kann Corinth-Gemälde behalten

Lovis Corinth, Eleonore von Wilke, 1907

Nachdem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SKP) Lovis Corinths Gemälde „Eleonore von Wilke“ an die Erben von Ismar und Käthe Littmann restituiert hat, schenken diese nun das Porträt der Gattin des Juristen und Kunstschriftstellers Adolf von Wilke der Alten Nationalgalerie. Somit bleibt das repräsentative Bildnis aus dem Jahr 1907 der SKP erhalten und ist im Anschluss an die eben beendende Corinth-Ausstellung weiterhin auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. Vorausgegangen war eine aufwändige Recherche der Provenienz. Denn wegen entscheidender Lücken ließ sich lange Zeit nicht ermitteln, ob das Bild zu den verfolgungsbedingten Verlusten der Familie Littmann gehört. Mittlerweile konnte die SPK ausreichend Tatsachen und Indizien zusammengetragen, die nahelegen, dass der Verlust des Gemäldes tatsächlich auf die Verfolgung zurückzuführen war.

Spätestens seit dem Jahr 1930 gehörte die fesche Dame mit ihrem Faible für auffallende Kostümierung und Draperie zur Sammlung Littmann. Der Breslauer Rechtsanwalt und Notar hatte ab den 1920er Jahren eine umfangreiche Kunstsammlung mit Werken von Corinth, Hermann Max Pechstein, Erich Heckel, Otto Mueller oder Max Liebermann zusammengetragen. Den Erwerb finanzierte Ismar Littmann vor allem durch Kredite und verwendete dabei regelmäßig Kunstwerke als Sicherheiten für Banken. Bei erfolgreicher Tilgung erhielt er die entsprechenden Gemälde zur freien Verfügung zurück. Bis 1933 und damit auch in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise konnte Littmann die Kredite bedienen.

Seine berufliche, finanzielle und persönliche Situation verschlechterte sich zusehends, als die Nazis an die Macht kamen und damit begannen, Jüdinnen und Juden zu verfolgen. So war Littmann etwa im April 1933 gezwungen, die erneute Aufnahme in die Rechtsanwaltskammer zu beantragen. Bis zur eingeschränkten Wiederzulassung am 1. Juni 1933 ruhten seine Kanzleigeschäfte. Trotz erneuter Zulassung konnte er an die alten Erfolge nicht mehr anknüpfen. Ende 1933 unternahm er einen Selbstmordversuch, den er zwar überlebte, an dessen Folgen er aber am 23. September 1934 verstarb. Mit seinem Tod verlor seine Familie jede Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und geriet endgültig in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Vor diesem Hintergrund sahen sich seine Witwe Käthe Littmann und sein Sohn Hans Littmann in den folgenden Jahren zur Veräußerung großer Teile der Kunstsammlung gezwungen, darunter auch Corinths „Eleonore von Wilke“.


29.01.2026

Quelle: Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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