Rembrandts Löwe für einen guten Zweck  |  | Rembrandts „Junger liegender Löwe“ aus der Sammlung von Thomas S. Kaplan soll 15 bis 20 Millionen US-Dollar erzielen | |
Das Highlight der „Masters Week“ bei Sotheby’s in New York versteckt sich diesmal bei den Zeichnungen. Es ist Rembrandts „Junger liegender Löwe“ aus der Sammlung Thomas S. Kaplans. Der New Yorker Unternehmer hatte das fein modulierte Blatt mit dem lebensnah skizzierten Löwen, der majestätische Kraft und ruhige Vitalität ausstrahlt, 2005 bei Otto Naumann als erstes Werk des niederländischen Barockmeisters erworben und darum seine inzwischen berühmte „Leiden Collection“ aufgebaut. Seither kamen siebzehn Gemälde Rembrandt van Rijns, aber auch zahlreiche Werke anderer Meister des „Goldenen Zeitalters“ hinzu, so dass Kaplan nun eine der bedeutendsten Privatsammlungen niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts sein Eigen nennt. Doch Kaplan ist nicht nur Kunst-, sondern auch Tierfreund und interessierte sich schon als Schüler für die Fauna seiner Heimat Florida, vor allem für Wildkatzen. 2006 gründete er dann die gemeinnützige „Panthera Corporation“, die sich weltweit für den Schutz von Großkatzen einsetzt. Für sie trennt sich Kaplan nun von Rembrandts virtuosem Blatt aus der Zeit um 1640 und hofft auf 15 bis 20 Millionen US-Dollar. Neben dem regulären Zeichnungsangebot steht am 4. Februar noch die Sammlung von Diane A. Nixon mit 126 ausgesuchten Blättern von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert zum Verkauf. Höhepunkt ist hier Jean-Antoine Watteaus flott mit Kreide hingestrichelter Mann beim Spielen einer Gitarre für 700.000 bis 1 Million Dollar.
Eine weitere Seltenheit der „Masters Week“ ist der „Rothschild Vienna Mahzor“. Die reich illuminierte Handschrift, für die Sotheby’s am 5. Februar gar eine eigene Auktion reserviert hat, wurde 1415 von einem jüdischen Schreiber namens „Moses Sohn von Menachem“ in Wien als Gebetbuch für die Feiertage Rosch ha-Schana und Jom Kippur erstellt. Mayer Amschel Rothschild erwarb das Manuskript 1842 in Nürnberg für die hohe Summe von 151 Goldgulden. Bis 1938, als die Nazi das Palais von Clarice und Alphonse von Rothschild in Wien plünderten, gehörte es dem österreichischen Zweig der angesehenen Bankiersfamilie. Erst nach einer Ausstellung im Jüdischen Museum Wien wurde es 2023 von der Österreichischen Nationalbibliothek an deren Erben restituiert. Nun soll der „Rothschild Vienna Mahzor“ 5 bis 7 Millionen US-Dollar einspielen.
Mit einer Rarität wartet Sotheby’s in der Versteigerung „Master Paintings & Works of Art Part I“ am 5. Februar auf und stellt ein Gemälde Antonello da Messinas vor. Zu Beginn der 1460er Jahre malte der Süditaliener wohl für die private Andacht einen „Ecce Homo“ und auf der Rückseite einen „Heiligen Hieronymus in der Wüste“. Gerade seine Darstellung des gefesselten und leidenden Christus berührt durch ihre intime Ansprache, mit der Antonello gekonnt ein sakrales Thema humanisiert und damit für den Betrachter eine emotionale Bindung aufbaut. Hier werden 10 bis 15 Millionen US-Dollar erwartet. Weitere Trophäen der Auktion sind noch Jan Lievens’ nicht gerade sittsame „Allegorie der fünf Sinne“ für 2 bis 3 Millionen Dollar, das zurückhaltende Renaissanceportrait eines jungen Mannes mit rotem Barett vor einer weiten Landschaft von Biagio d’Antonio Tucci und Francisco de Zurbaráns auf ein menschliches Niveau herabgeholte „Mystische Vermählung der heiligen Katharina“ für jeweils 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar sowie die beiden neckischen marmornen Aktfiguren „Jeune Fille à la Coquille“ und „Pêcheur à la Coquille“ des Realisten Jean-Baptiste Carpeaux für anspruchsvolle 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar.
Mit Millionenwerten kann zudem die „Lester L. Weindling Collection“ aufwarten. Der gebürtige Berliner, der im Alter von elf Jahren mit seiner jüdischen Familie aus Nazi-Deutschland floh, in den USA mit Immobilien zu Reichtum kam und im Dezember 2024 mit 96 Jahren verstarb, interessierte sich ebenfalls für die Niederländer des 17. Jahrhunderts und legte sich etwa ein Stillleben mit typischem Zinnkrug, umgestürzter Silbertazza, gefüllten Gläsern, Pastete und aufgeschnittener Zitrone auf einer üppig drapierten weißen Tischdecke von Jan Jansz den Uyl d.Ä. zu, das mit 2 bis 3 Millionen Dollar einen neuen Rekord für den wenig erforschten Maler anstrebt. Darum gruppieren sich etwa ein mit verschiedenen Früchten reich arrangierter Tisch von Pieter Claesz. für 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar, Jan van de Cappelles ruhige See vor der niederländischen Küste mit zahlreichen Segelbooten für 2 bis 3 Millionen Dollar, die Weindling erst 2019 bei Sotheby’s für 4 Millionen Dollar netto eingekauft hatte, Salomon van Ruysdaels unaufgeregter Blick über den Fluss Vecht auf die Stadt Weesp von 1650 für 1,8 bis 2,5 Millionen Dollar oder zum gleichen Preis Aert van der Neers Winterszene mit Schlittschuhläufern auf einem zugefrorenen Fluss. Insgesamt sollen die zwölf Werke aus Weindlings Nachlass 12 bis 18 Millionen Dollar einspielen. |