Sandra Mujinga erstmals in Österreich  |  | in der Ausstellung „Sandra Mujinga. Skin to Skin“ | |
Seit dem Wochenende präsentiert das Belvedere 21 in Wien die erste museale Schau von Sandra Mujinga in Österreich. Dafür hat die norwegisch-kongolesische Künstlerin die raumgreifende Installation „Skin to Skin“ im zentralen Ausstellungsraum entwickelt, die aus Skulpturen, Klang und Spiegelung besteht, und lässt eine Gruppe aus 55 identischen überlebensgroßen Figuren auftreten. Die Gestalten sind in schwere graugrüne Stoffe gehüllt, die den Torso in zapfenartige Quasten enden lassen. Die Arme und die langen Beine sind ebenfalls mit Stoff ummantelt. Die stilisierten Wesen ohne ausformuliertes Gesicht wirken in ihrer einfachen abstrahierten Formensprache archaisch und futuristisch zugleich, da sie auch an Roboter erinnern. Durch die im Raum angebrachten Spiegel vervielfacht sich ihre Präsenz, während ein eigens komponierter elektronischer Soundtrack die skulpturale Inszenierung akustisch erweitert.
Sandra Mujinga, 1989 in der kongolesischen Stadt Goma geboren, die mit Installation, Skulptur, Fotografie, Performance, Video und Musik arbeitet und die Sichtbarkeit schwarzer Körper im öffentlichen Raum sowie das Potenzial von Opazität und Ambiguität für Handlungsmacht und Selbstschutz zu ihren zentralen Themen gemacht hat, lässt die Interpretation ihrer Skulpturenparade offen. So könnte es sich um Avatare, Klone, geisterhafte Erscheinungen oder eine unbekannte Spezies handeln. Das Erstellen spekulativer Welten in einer Überlagerung von räumlichen und temporalen Dimensionen spiegelt Themen wider, die sich in den jüngsten Werken der Künstlerin finden: Mujinga bezieht sich gleichermaßen auf Science-Fiction, Afrofuturismus und Posthumanismus, die sie mit Reflexionen zu tierischen Überlebensstrategien wie Tarnung und Nachtaktivität und einem Interesse an Körpern und Identität verknüpft.
Die Motive der Wiederholung und Camouflage dienen bei „Skin to Skin“ als Instrument der Selbstermächtigung und als Schutz vor Kontrolle und Zuschreibungen von außen. Laut Kurator Axel Köhne wird das Serielle hier zur künstlerischen Strategie, um (Un-)Sichtbarkeit, Gemeinschaft und Transformation auszuleuchten. In ihrer Installation lade sie dazu ein, Körper anders zu denken: nicht als klar abgegrenzte Einzelwesen, sondern als kollektive, fluide und widerständige Präsenz. Hierbei ließ sich Sandra Mujinga, die als Kind nach Oslo kam und Absolventin der Malmö Art Academy ist, von Naomi Kleins Vorstellung des Doppelgängers inspirieren und verweist damit auf die Möglichkeit, sich in der Multiplikation einer eindeutigen Lesbarkeit zu entziehen.
Die Ausstellung „Sandra Mujinga. Skin to Skin“ läuft bis zum 31. Mai. Das Belvedere 21 hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beim Kauf eines Onlinetickets beträgt 9,30 Euro, vergünstigt 6,90 Euro und ist für Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr kostenfrei. Der begleitende Katalog ist ab 13. März im Museumsshop für 34 Euro erhältlich.
Belvedere 21
Arsenalstraße 1
A-1030 Wien
Telefon: +43 (0)1 – 795 570 |