Klaus Rinke gestorben  |  | Klaus Rinke, Der Wasserträger. Primärdemonstration | Kunsthalle Baden-Baden, 1971 | |
Klaus Rinke ist tot. Wie die Galerie Häusler Contemporary und die Kunstakademie Düsseldorf mitteilten, ist der Konzeptkünstler und Hochschullehrer am 20. Januar nach schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren in Österreich gestorben. Rinke zählte zu den Hauptvertretern der Konzeptkunst und war ein wichtiger Performancekünstler der Nachkriegszeit. Bekanntheit erlangte er durch seine „Primärdemonstrationen“, in denen er mit elementaren Mitteln wie Wasser, Maßbändern oder dem eigenen Körper Fragen von Zeit, Raum und Existenz analysierte. Eines seiner bekanntesten Motive ist der Einsatz von Bahnhofsuhren, etwa in der Arbeit „Zeitfeld“, einem „Uhrengarten“ in Düsseldorf, den Rinke anlässlich der Bundesgartenschau 1987 schuf.
Der 1939 in Wattenscheid geborene, zunächst als Plakatmaler ausgebildete Klaus Rinke studierte von 1957 bis 1960 Malerei an der Folkwangschule in Essen. In den 1960er Jahren avancierte er zu einem Protagonisten der Konzeptkunst in Deutschland. Als er 1965 von Frankreich nach Düsseldorf zurückkehrte, gab er die Malerei auf und konzentrierte sich zunächst auf seine Arbeit mit dem Element Wasser, etwa bei „Zwölf Faß geschöpftes Rheinwasser“ von 1969, und seine „Primärdemonstrationen“. Dabei griff er auf Skulptur und andere dreidimensionale Mittel, aber auch die Fotografie zurück. Die physische Nutzung des Raumes erforderte den Einbezug der Zeit. So wurden ab 1969 der Körper, Raum und das Verfließen der Zeit wesentliche Themen in Rinkes Schaffen. Als er 1973 im New Yorker Museum of Modern Art ausstellte, erklärte er, dass das Einbinden der Zeit die Kunst in einen Prozess verändert.
Seine Performances bezeichnete Klaus Rinke als „Primärdemonstrationen“ und lichtete sie in Sequenzen fotografisch ab. In seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Monika Baumgartl verband er Immaterialität und Schwere, Skulptur, Fotografie und Aktionen zu einer Werkform und untersuchte damit die Stellung des Individuums in der Welt. Mit diesen Arbeiten lud ihn Harald Szeemann 1972 zur Documenta 5 nach Kassel ein, fünf Jahr später war der nochmals auf der Documenta zugegen, ebenfalls auf der Biennale in Venedig. 1974 nahm er seine 30jährige Lehrtätigkeit als Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf auf. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Reinhard Mucha, Eva-Maria Schön, Harald Klingelhöller, Barthélémy Toguo und Asta Gröting. 1980 gründete Rinke ein „Zentrum für Kontemplation“ in Haan bei Düsseldorf und besaß ab 1981 zudem ein Atelier und eine Wohnung in Los Angeles, wo seine amerikanische Familie lebt. 2007 zog er dann von Haan nach Österreich in einen Trakt des Barockschlosses Neuhaus an der Donau im Mühlviertel um und teilte seinen Aufenthalt halbjährlich zwischen seinem neuen Domizil und Los Angeles auf.
Klaus Rinke stellte international aus, darunter im Museum of Modern Art in New York, dem Centre Pompidou in Paris, der Tate Gallery in London oder dem Frankfurter Städel. Auch öffentliche Aufträge nahm er an. So gestaltete er für den Deutschen Bundestag in Berlin die große, leuchtend gelbe Innenhofskulptur „Sonnenstrahl im Birkenhain“ als langen Schaft, der eine unverhältnismäßig große Kugel trägt, und variierte damit die Idee seiner „Primärdemonstrationen“: Das Sonnenlicht als eine der Urformen der Naturkräfte. In Wien ist seit 2011 seine Installation „Donau Zentrum Sonnenstrahl“ beim Westfield Donauzentrum zu sehen: Ein großes Wandbild mit Wassertropfen, ergänzt um eine weitere, 30 Meter hohe Sonnenstrahlskulptur mit 64 Tropfen. Für sein Schaffen wurde Rinke unter anderem zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ des französischen Ministeriums für Kultur ernannt und erhielt den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. Eine seiner letzten Ausstellungen widmete ihm das Duisburger Museum Küppersmühle im Jahr 2019, wo er auch seine jüngeren großformatigen Zeichnungen präsentierte. |