Peter Grundmann Architektur gewinnt DAM Preis 2026  |  | Peter Grundmann hat für das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin den DAM Preis 2026 erhalten | |
Der diesjährige DAM Preis geht an das Büro des Berliner Architekten Peter Grundmann. Das Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main zeichnet seine Umhüllung und Aufstockung des ungenutzten Teils einer alten Lagerhalle des Güterbahnhofs in Berlin-Moabit aus. Der 2012 gegründete Verein Kunstrepublik e.V. etablierte hier ein breites Kunst- und Kulturprogramm, für dessen Aktivitäten der Ort erweitert werden musste. Nach der Bewilligung von Fördermitteln konnte sich in einem europaweiten Vergabeverfahren Grundmann mit seinen Vorstellungen für das „ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik“ durchsetzen. Den nur einstöckigen Bauteil des Altbaus ließ der Architekt unverändert und umhüllte ihn mit einer leichten Schicht aus Stahl und Glas. Diese Hülle dient als Wärmeschutz und erzielt alle energetischen Vorgaben ohne Dämmung. Das neue Obergeschoss wird von einem breiten Laubengang umgeben, der alle Räume umschließt, die sich wie auch im Erdgeschoss durch große Nutzungsflexibilität auszeichnen. Umlaufende Stahltreppen führen nach oben bis zur großen Dachterrasse. Die architektonische Zutat biedert sich dem Bestand nicht an, sondern ist als neue ergänzende Schicht erkennbar, was die Jury sowohl architektonisch-räumlich als auch konstruktiv-ästhetisch überzeugte.
Wie jedes Jahr wurden jetzt im Rahmen einer umfangreichen Recherche rund 100 Bauten aus Deutschland sowie separat acht im Ausland realisierte Projekte deutscher Baumeister ausgewählt, die zwischen Ende 2023 und Frühjahr 2025 vollendet wurden. Eine Expertenjury unter dem Vorsitz der Leipziger Architektin Aline Hielscher nahm aus dem Korpus der „Longlist“ 21 in die engere Wahl einer „Shortlist“, plus außer Konkurrenz zwei ausländische Bauten. Daraus kürte die Jury fünf Finalisten, aus denen der Gewinner des seit 2007 bestehenden DAM Preises ausgewählt wurde. Zu den Finalisten gehören die von Wiener PPAG Architects konzipierte Doppelschule an der Berliner Allee der Kosmonauten mit dem vielschichtigen wie kompakten Raumprogramm einer Clusterschule, ein im Zuge einer Nachverdichtung in Köln mit vorgefertigten Holzmodulen errichtetes Wohnhaus von Aretz Dürr Architektur, ein von Etal. entworfenes Mehrgenerationenhaus in München sowie ebendort ein Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung nach den Plänen von Hild und K Architekten als bislang singuläres Modell für Wohnungslose.
In einer Ausstellung werden alle 23 Entwürfe der „Shortlist“ derzeit im DAM vorgestellt, darunter auch zwei aus kunsthistorischer Sicht bemerkenswerte Projekte. gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner sanierten die 1969 von dem Bauingenieur Ulrich Müther mit zweifach gekrümmten Dachflächen in Magdeburg errichtete „Hyparschale“, eine Messe- und Ausstellungshalle. Zur Rettung entwickelten Spezialisten ein neues technisches Verfahren zur Ertüchtigung mit Carbonbeton. Dabei wurden die vier Oberlichtbänder wieder geöffnet sowie im Halleninneren vier neue Raumboxen zur Aufnahme von Sälen, Sanitär- und Funktionsräumen eingefügt. Dann besticht noch das an den Linzer Mariendom nach Vorstellungen von Peter Haimerl angefügte Domcenter, ein eleganter, ins Dominnere leitender Café-Pavillon. Der Weg in das Gotteshaus führt nun barrierefrei durch drei verglaste, auf Stützen ruhende sowie gekrümmte Sichtbetonbaldachine. Sie fügen sich kongenial in die Intervalle zwischen den Strebepfeilern ein. Hinzu kommt die neue Präsentation des Domschatzes in einer eigens entworfenen polygonalen Stele mit integriertem Aufzug in der angrenzenden Kapelle.
Die Ausstellung „DAM Preis 2026. Die 23 besten Bauten in/aus Deutschland“ ist bis zum 10. Mai zu besichtigen. Das Deutsche Architekturmuseum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Zur Ausstellung ist das Deutsche Architektur Jahrbuch 2026 erschienen, das im Museum 38 Euro kostet und alle Bauten der Shortlist dokumentiert. Sämtliche rund 100 Bauten der „Longlist“ sind im Architekturführer Deutschland zusammengefasst, der im Museum für 28 Euro erhältlich ist.
Deutsches Architekturmuseum
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