 |  | Friedrich Hagedorn, Die Bucht von Rio | |
Auktionen können aus mehreren Perspektiven für Überraschungen sorgen, mal wechselt ein Werk für einen schlechten Preis die Hände, mal engagiert sich ein Käufer für das Objekt seiner Begierde energisch gegen andere Bieter. Manchmal aber passiert es, dass es ein an sich unscheinbarer Posten ein lang anhaltendes Gebotsfeuerwerk entfacht, das zur Freude des Verkäufers den Wert weit in die Höhe schraubt. Bei Van Ham hatte das Fernweh die Anwesenden unter seine Kontrolle gebracht. Ein hübsches Panorama der „Bucht von Rio“ in sanften Grün- und Blaunuancen mit Handelsschiffen und Fischerbooten, deren weiße Segel freundlich über die extrem querformatige, über zwei Meter lange Wasserbahn schippern, ging für 3.000 Euro um die Gunst der Sammler ins Rennen. Friedrich Hagedorn, der 1814 in Stettin zur Welt kam, nach seinem Studium an der Münchner Kunstakademie in den 1840er Jahren in Lissabon als Hofmaler tätig war, von dort nach Brasilien auswanderte und sich in Rio de Janeiro niederließ, wo er 1889 starb, schuf die „Bucht von Rio“ dort seinerzeit für einen deutschen Handelsvertreter. In dessen Familie blieb das exotische Panoramaformat. Die Marktfrische, vor allem aber die Tatsache, dass Hagedorn zwar in Deutschland weitgehend vergessen ist, in seiner Wahlheimat dagegen sehr geschätzt wird, trug zu einer Bieterschlacht bei. Der Nachfahre des ursprünglichen Besitzers rieb sich freudig überrascht die Augen, als der Hammerschlag in Köln erst bei 80.000 Euro einem passionierten Sammler aus Brasilien die Arbeit sicherte.
Denselben Wert, wenn auch „nur“ mit etwas mehr als einer Preisverdopplung, erzielte Ende November bei Van Ham Franz Roubauds buntes und dynamisches „Reiterheer der Tscherkessen bei der Querung eines Flusslaufs“, für das sich besonders ein Bulgare interessierte (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR). Das Toplos des Angebots war eigentlich Jan Breughels d.J. ungewöhnlich große „Paradieslandschaft mit Einzug der Tiere in die Arche Noah“ von etwa 1660/65. Leider konnte die fantasievolle Darstellung aber gegen die Wasserpracht der Bucht von Rio oder das kaukasische Reiterheer keinen finanziellen Sieg erringen, verharrte auf seinem niedrigen Schätzwert von 70.000 Euro und gönnte den jüngeren Kollegen ihren Erfolg. Alles in allem bewegte sich die Zuschlagsquote der Versteigerung „Fine Art“ bei akzeptablen 64 Prozent, die sich mit dem Nachverkauf noch um neun Prozentpunkte verbessern konnte. Ein Signal für den Kunstmarkt war die hohe Abnahmequote bei den Alter Meistern; hier blieb fast nichts zurück. Das lag nicht zuletzt an den günstigen Bewertungen, mit denen Van Ham die Preisspanne nicht bis ins Extrem ausgereizt hatte. Daher lagen viele Zuschlagswerte im Rahmen der Schätzungen. Neben einigen Werken, die etwas weniger einfuhren als gehofft, gab es ein paar Stubenhüter in allen Preisklassen, darunter Luca Giordanos etwas schwammiges „Bildnis eines Philosophen“ (Taxe 15.000 bis 30.000 EUR), Johann Jakob Freys freundliche Ansicht des Forums Romanum in der Abendsonne von 1859 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und das Früchtestillleben mit Pflaumen von Emilie Preyer (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).
Eine sanfte Maria und die Kunstfertigkeit des Nordens
Bei den Italiener bezauberte das kleine barocke Bild der sanften und in sich gekehrten Maria im Gebet von Giovanni Battista Salvi und verlangte mit 33.000 Euro einem deutschen Sammler etwas mehr als das Doppelte der Erwartung ab. Dagegen musste der zum wiederholten Mal angebotene „Johannesknabe mit dem Lamm“ von Pietro Novelli bis zum Nachverkauf warten, um bei 18.000 Euro einen Abnehmer zu finden (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Hoch konzentriert lässt „Der Rechtsgelehrte am Schreibtisch“ seinen Blick über Dokumente und ein aufgeschlagenes großes Buch gleiten. Ein Tisch mit kostbarem Teppich, weitere Akten mit großen Siegeln und noch größere Folianten bereichern das in einem Arbeitszimmer von Adriaen van Ostade und Cornelis Dusart angelegte humorvolle Genrebild, das die Kunden zu 28.000 Euro begeisterte (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Die Freude am Leben, an der Farbe und einem fröhlichen Spiel fing Dirck Hals 1628 in einer weiteren Genreszene ein. Die ausgelassene Gesellschaft dürfte sich auch über den finalen Preis von 13.000 Euro gefreut haben (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Denselben Wert musste dann das Cornelis Verbeeck zugeschriebene Seestück mit Segelschiffen beim „Salutschuss“ verkraften (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Für die Vorweihnachtszeit hatte Van Ham passend Adriaen Pietersz van de Vennes feine, in Grisaille gemalte „Anbetung der Könige“ aufgetan, die wiederum bei 13.000 Euro reüssierte (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR).
Die Kunstfertigkeit des Stilllebenmalers Cornelis de Heem sicherte dem Verkäufer für ein sommerliches Früchtearrangement von etwa 1660, das zum Reinbeißen verlockt, gewünschte 22.000 Euro. Bei den günstigeren Stillleben kamen Joris van Son um 1660 farbenfroh gemalte Blumen mit Trauben und Granatapfel auf einträgliche 8.000 Euro (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR), Juriaen van Streecks dunklere Komposition mit Weinglas, Brot, Orange und Nüssen auf einem Silberteller verweilte bei 7.000 Euro (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Dramatischer und energischer geht es bei Rembrandts Radierung „Christus vertreibt die Händler aus dem Tempel“ von 1635 zu, so dass die Anwesenden es nicht wagten, das Blatt für weniger als 5.000 Euro zu erwerben (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Albrecht Dürers Holzschnitt „Das Babylonische Weib“ aus der „Apokalypse“ von 1498 verhalfen sie sogar zu 11.000 Euro (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR).
Das 19. Jahrhundert – ein gemischter Topf
Mehrere italienische Landschaften von Oswald Achenbach absolvierten das Spektrum der Möglichkeiten bei einer Versteigerung. Während seine kleine Nachtszene „In den Pontinischen Sümpfen“ trotz effektvoller Beleuchtung durch eine Feuerstelle am Wegesrand auf Desinteresse stieß (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR), lief es für den nicht minder romantischen „Mondaufgang am Meer“ mit 9.500 Euro besser (Taxe 4.000 bis 8.000 EUR); zurückhaltend gaben sich sein 1896 verewigtes monumentales „Grabmal der Caecilia Metella an der Via Appia bei Rom“ mit 18.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und die 4.000 Euro günstigere „Abendstimmung in den Albaner Bergen“ mit Hirtenvolk bei der Rast (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Am Schätzwert orientierte sich bei 24.000 Euro dann Achenbachs „Abend in der Campagna“ mit einer einsam aufragenden Ruine und Hirten samt Schafherde, die auf einer staubigen Straße daher ziehen. Diesem Vorbild folgte das Spätwerk „Der Ausbruch des Vesuv“ von 1890 mit 35.000 Euro, der den zahlreichen Leuten schon ganz schön einen Schrecken einjagt.
Franz von Lenbachs Bildnisse wollten nicht so recht überzeugen, so wechselte die Ölskizze mit den vier Söhnen der illustren Familie Pringsheim von 1891 schon für 2.800 Euro den Eigentümer (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR), und die ein Jahr ältere Pastellstudie für das Portrait der Charlotte von Hornstein kam nicht über 1.500 Euro hinaus (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR). Das Typische zahlt sich im Kunstmarkt für gewöhnlich aus. So konnte der für Blumenstillleben bekannte Henri Fantin-Latour seinen Strauß mit weißen Chrysanthemen und einer violetten Levkoje in einer gläsernen Bechervase von 1861 bei angemessenen 50.000 Euro absetzen. Achille Laugés sonnendurchflutete, pointillistische Frühlingslandschaft von 1909 war mit 6.000 bis 10.000 Euro deutlich zu niedrig angesetzt. Das flirrende Farbenspiel punktete letztlich bei 26.000 Euro.
Eine gute Figur machte die Düsseldorfer Schule mit Wilhelm Riedels realistischer, gleichwohl stimmungsvoller „Gebirgslandschaft mit aufziehendem Gewitter“ von 1860, die mit 11.000 Euro beinahe das Vierfache des unteren Schätzwertes von 3.000 Euro knackte. Otto Ubbelohde fuhr mit seiner Wolkenstudie die gewünschten 4.000 Euro ein und expandierte auf 10.000 Euro in seinem herbstlichen Gartenbild aus Großfelden (Taxe je 4.000 bis 8.000 EUR). Max Clarenbach verweilte mit der Winterlandschaft „Fischer am Niederrhein“ zwar bei 1.500 Euro noch unter dem Wunschwert von mindestens 2.000 Euro, machte dies jedoch mit den 4.000 Euro der „Winterlandschaft in den Erftauen“ wieder etwas wett (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Die Industrialisierung in Erich Merckers glühenden „Hochöfen im Ruhrgebiet“ erfreute das Auge der Moderne mit unerwarteten 6.500 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Bei den Skulpturen lieferte Franz von Stuck mit der 1905 gegossenen Bronze der bekannten „Reitenden Amazone“ einen Klassiker, die mit 35.000 Euro ihre Preismarge verteidigte (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Constantin Meuniers „Verlorener Sohn“ von 1895 folgte dieser Tendenz mit 8.000 Euro (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Etwas mager fiel dagegen die Ernte für das Liebespaar von Ernst Seger mit 2.800 Euro aus (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).
Sicher hinter Schloss und Riegel
Wie bei den Gemälden, so sorgte auch beim Kunsthandwerk ein zunächst unscheinbares Artefakt für eine preisliche Überraschung: Eine in Eisen geschmiedete Renaissancekassette aus Nürnberg von 1520/40, die außen mit Blattranken und Köpfen und im Inneren mit einem kunstvoll gearbeiteten, komplexen Schließmechanismus ausgestattet war, katapultierte ihren Wert auf 50.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Sie gehörte zu einer mit Sorgfalt aufgebauten, deutschen Privatsammlung früher Eisenarbeiten, die alle anderen Stücke loswurde. So betrat mit würdevoller Gravität ein zangenartiges Kombinationswerkzeug aus Nürnberg vom Anfang des 17. Jahrhunderts mit Messingornament den Saal und verließ ihn für die geforderten 9.000 Euro. Der Sieger bei den Preissteigerungen in dieser Gruppe war ein großes deutsches Vorhängeschloss aus dem frühen 19. Jahrhundert, das mit seiner Architekturdekoration und den anderen Zierelementen der Renaissancezeit folgte. Bei seinem Schließmechanismus handelt es sich um ein sogenanntes „Bramahschloss“, das der englischen Ingenieur Joseph Bramah 1784 erfand, bis weit ins 19. Jahrhundert als sicher galt und nur schwer zu knacken war. Ein Sammler aus Nordrhein-Westfalen konnte sich erst bei 20.000 Euro gegen die Konkurrenz durchsetzen (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).
Ein zweites kleines Konvolut der Auktion „Works of Art & Art Nouveau“, die sich mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 68 Prozent am 20. November in einem achtbaren Bereich bewegte, präsentierte sechs Jugendstilvasen der dänischen Firma Bing & Grøndahl, für deren Entwürfe allesamt Künstlerinnen verantwortlich waren. Mit Pariser Weltausstellungsweihen trat Effie Hegermann-Lindencrones Vase mit Kakadus vor grünem Blattwerk aus dem Jahr 1900 an. Nach einem regen Schlagabtausch konnte das dänische Clay Keramikmuseum Danmark in Middelfart diese harmonische Einheit der farbigen und plastischen Lösungen erst bei 26.000 Euro für seine Sammlung übernehmen (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Nach so viel Aufregung beruhigte Elisabeth Drewes Kofoed mit ihrer zart kolorierten Magnolienvase, ebenfalls ein Erzeugnis für die Weltausstellung des Jahres 1900, die Gemüter bei 11.000 Euro wieder etwas (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Fanny Garde griff bei ihrem Exemplar ebenfalls auf die Natur zurück und breitete über dem königsblauen balusterförmigen Korpus ein Meer aus weißen, teils durchbrochen gearbeiteten Blüten aus. 4.500 Euro waren ihr Lohn (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Etwas mehr Aufregung entfachte abermals Effie Hegermann-Lindencrone bei ihrer verspielten kleinen Kugelvase mit hinaufstrebenden blau-weißen Pilzen, für die sie 10.000 Euro einnahm (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).
Einen guten Preis erwirtschaftete ebenfalls das Meißner Déjeuner „Krokus“ bei 3.500 Euro, das Konrad Hentschel um 1896 zweifarbig der Blüte und dem Stängel eines Krokusses nachempfand (Taxe 1.300 bis 1.500 EUR). Im zweiten Auktionsteil mit dem niedrigen Preisniveau pickten sich die Kunden dann gezielt den „Knienden Ägypter“ mit Muschel aus Adolph Ambergs beliebtem „Hochzeitszug“ um 1910 für 7.500 Euro heraus (Taxe 2.000 bis 2.200 EUR). Weitere Jugendstil- und Art Déco-Waren stellten die bekannten französischen Glasmacher zu Verfügung, darunter Emile Gallé, der mit seiner niedrigen goldbraunen Marquerterie-Vase samt Seerosendekor um 1898/1900 taxkonforme 9.500 Euro einfuhr, bei seiner rund zehn Jahre älteren Rauchglasschale mit einer kleinteiligen Wiesenlandschaft samt Zikade und Schmetterling für 6.000 Euro brillierte (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Die seltene hohe Enghalsvase „Bryone“ der Daum Frères um 1905, deren gelber Glaskörper von roten Beeren der Zaunrübe überzogen ist, blieb bei 7.000 bis 8.000 Euro indes liegen. Die Bodenvase „Nénuphars Bleus“ vom Ende der 1920er Jahre, für deren schwarz-blauen, geometrisch stilisierten floralen Dekor Charles Schneider zuständig war, begnügte sich mit 5.500 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).
Schlankere Preise für Ordnungshelfer
Das ältere Mobiliar hat es heutzutage etwas schwierig. Das machte sich auch bei Van Ham bemerkbar, etwa mit einem Wiener Schreibschrank des Biedermeier samt mythologischen Motiven um 1815 und dem etwa zeitgleichen Schreibschrank aus Deutschland in architektonischem Aufbau, die beide für 3.300 Euro Einbußen hinnehmen mussten (Taxe je 3.500 bis 5.500 EUR). Einem jüngeren deutschen Wandlungstisch aus den 1920er Jahren in hellem Birkenholz, funktional ausgestattet mit vielen unterschiedlichen Schubladen und Flügeln sowie aufklappbarer Platte, erging es mit 1.200 Euro nicht besser (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR), anders als dem gerade einmal zehn Jahre alten schwarzen Schaukelsessel „Lune“ aus dem Studio des niederländischen Designers Marcel Wanders für die Kollektion „Objets Nomades“ von Louis Vuitton. Das erste Exemplar aus einer limitierten Auflage von 300 Stück kletterte von 4.000 Euro auf 8.500 Euro. Nochmals 3.000 Euro teurer war das um 1960 von Gio Ponti in Mailand entwickelte hinterlichtete Wandregal der Serie „Parete Organizzata“, das mit teils weiß lackierten Segmenten das warme Braun des Nussbaumholzes effektvoll betonte (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Beim Glasdesign löste Ettore Sottsass’ bunte, aus Kugel und Kegelsegmenten gebildete Aufsatzschale „Yemen“ von 1999 die anvisierten 1.500 Euro ein. Farbfreude und psychedelisches Futter für das neugierige Auge bot die von Monica Guggisberg und Philip Baldwin 2007 bei Venini in Murano ausgeführte, kolbenförmige Vase „Colorado“ in Apfelgrün und Azurblau bei 4.000 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).
Beim alten Silber beeindruckte allein schon wegen seiner Höhe von 25 Zentimetern ein Münzdeckelbecher, den der Berliner Silberschmied Hans Heinrich von der Heyde1686 mit über 120 Silbermünzen verzierte. Er wechselte zur unteren Schätzgrenze von 20.000 Euro in eine bayrische Privatsammlung. Fast genauso hoch, aber etwas schlanker fiel der Münzdeckelbecher von Christian Lieberkühn d.J. aus dem Jahr 1742 aus. Das zweite Beispiel für Arbeiten mit eingefassten Münzen aus den Berliner Silberwerkstätten verbesserte sich von 6.000 Euro auf 11.000 Euro. Das Paar ausladender Girandolen im historistischen Stil der Bremer Firma Koch & Bergfeld aus dem 20. Jahrhundert hielt sich an seine untere Schätzung von 13.000 Euro. Höhepunkte beim modernen Silber waren ein kleiner und ein großer Tafelaufsatz mit Traubendekor von Georg Jensen, die sich mit 1.300 Euro und 3.300 Euro über ihren Erwartungen behaupteten, während Jensens fünfteiliges Tee- und Kaffeeservice „Blossom“ bei 10.000 bis 12.000 Euro verschmäht wurde, und sechs Positionen von David Heinz Gumbel. Die Geschirrteile für die gehobene Tafel, die erst vor kurzem aus dem Münchner Stadtmuseum restituiert wurden, fanden bei bis zu 4.800 Euro für eine eckige Sauciere mit Löffel (Taxe 1.400 bis 1.600 EUR) und eine runde Sauciere mit Löffel reißenden Absatz (Taxe 1.200 bis 1.400 EUR).
Alles was glänzt
Doch nicht alles, was glänzte, wollte weg. Das bekamen vor allem die alten vergoldeten Uhren zu spüren, so das um 1760 gefertigte Meisterstück von Martin Merkel aus Bamberg mit Rocaillen und Muschelornamenten (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder die über hundert Jahre ältere horizontale Tischuhr mit sichtbarem Werk von Johannes Benner aus Augsburg (Taxe 11.000 bis 13.000 EUR). Dagegen hatten die salzglasierten braunen Steinzeugkrüge mit ihren bunten Emaildekoren aus Creußen und Dippoldiswalde keine Schwierigkeiten. Zwei Apostelkrüge aus den Jahren 1658 und 1666 langten bei 2.800 Euro und 3.000 Euro zu, ein Jagdkrug wiederum bei 2.800 Euro (Taxen zwischen 2.000 und 4.500 EUR).
Beim Porzellan machte die Meißner Version zum Thema „1001 Nacht“ von Ludwig Zepner und Heinz Werner auf sich aufmerksam. Der klugen Scheherazade, der Erfinderin des Cliffhangers, ist es zu danken, dass das 29teilige Service für Tee und Kaffee von 5.000 Euro auf 13.000 Euro sprang. Freunde der floralen Ornamentik fanden in den sechs Teilen aus dem neobarocken Großen Preußenservice für Kaiser Wilhelm II. von KPM in Berlin ein günstigeres Objekt für 1.700 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Königlich blieb es bei den 25 Tellern, Terrinen, Schüsseln, Körben, Tassen und Platten aus dem Bayerischen Königsservice in polygonaler Gestaltung mit Veduten und Parklandschaften aus Bayern. Ursprünglich von Dominikus Auliczek im ausgehenden 18. Jahrhundert als klassizistisches „Perlservice“ für Nymphenburg entworfen, beziehen sich die Motive in dieser Ausführung des 20. Jahrhunderts auf wichtige Orte für die Goldene Hochzeit des Königspaares Ludwig III. und Marie Therese, Erzherzogin von Österreich-Este, was nun zu 6.500 Euro führte (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).
Ein eher matter Glanz charakterisiert die schöne Antikenkopie der berühmten Nofretete-Büste der Staatlichen Gipsformerei in Berlin. Die 1931 nach einem zehn Jahre älteren Modell von Tina Haim-Wentscher gearbeitete Ausformung der Pharaonin verschönert das Heim ihres neuen Eigentümers bereits für 12.000 Euro (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Große Nachfrage herrschte dann bei einer Vase chinesischer Herkunft: Um das große Famille Rose-Exemplar „Nine Peaches“ aus der Qing-Dynastie an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert mit rot-weißen Pfirsichen und grünen Blättern stritten mehrere Interessenten an den Telefonen. Erfolgreich war schließlich ein Chinese mit Wohnsitz in Süddeutschland erst bei 15.000 Euro (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR). Nicht unbeachtet blieb im zweiten Auktionsteil ein großes Pichwai aus Rajasthan vom Ende des 19. Jahrhunderts. Das gemalte hinduistische Andachtsbild zeigte unter dem Herbstvollmond die tanzende Gottheit Shrinathji, eine Erscheinungsform des Gottes Krishna als siebenjähriges Kind, dazu Gopis, indische Kuhhirtinnen, die ihm huldigen, sowie im Sternenhimmel schwebende Gondeln mit Gottheiten und ließ trotz seiner Fehlstellen nicht locker, bis 16.000 Euro erreicht waren (Taxe 2.000 bis 4.000 EUR). Fernöstliche Einflüsse offenbarte eine Steinzeugvase aus der niederländischen Tegel- en Fayencefabriek Amphora in Oegstgeest bei Leiden. Mit ihrem stilisierten gewundenen blauen Drachen auf gelbbraunem Grund erreichte sie 2.600 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).
Die Ergebnisse versehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |