Georg-Kolbe-Museum wird „Museum des Jahres“  |  | Die AICA-Auszeichnung „Museum des Jahres“ geht an das Georg-Kolbe-Museum in Berlin | |
Die Auszeichnung „Museum des Jahres“ erhält das Georg-Kolbe-Museum (GKM) in Berlin. Der Kunstkritikerverband AICA lobte, dass es Museumsdirektorin Kathleen Reinhardt gelinge, „trotz budgetär höchst prekären Bedingungen einen Ort zu schaffen, der auf wirklich beispielhafte Weise Kontinuität, Konzentration und kritisches Engagement in der Beschäftigung mit Kunst möglich macht“. In ihrer Arbeit mit zeitgenössischen Künstler*innen achte Reinhardt darauf, den Akteuren sowohl Freiheiten zu geben, als auch eine Auseinandersetzung mit historischen Kontexten rund um das Œuvre Georg Kolbes zu fordern. Indem Kolbes Werke neu interpretiert und künstlerisch ergänzt werden, werde ein kritischer Dialog zwischen verschiedenen Generationen initiiert.
Als Beispiel führt der AICA die Gruppenausstellungen „Tea and Dry Biscuits“ und „Liaisons“ an. Hierbei werde besonders ersichtlich, wie die Kunstschaffenden untereinander interagieren und aufeinander reagieren: für die Ausstellung „Liaisons“ platzierte Kuratorin Elisa Tamaschke heroische Skulpturen in Kolbes früherem Bildhaueratelier, die voller Bandagen und Risse waren. Harry Hachmeister antwortete darauf, indem er den Skulpturen Medizinbälle aus farbig glasiertem Ton vor die Füße legte. Auf diese Vorgaben folgte zudem eine Klanginstallation von Jens Pecho, die aus einer rückwärts eingespielten Version von Beethovens Mondscheinsonate bestand. Laut der Direktion verändern die verschiedenen Elemente der Ausstellung zusammen die Stimmung im Raum und lassen alles verfremdet, verletzlicher und komplizierter wirken.
Für den AICA ist diese „kritische Intimität“ der Grund für die herausragende Qualität der Ausstellungen im GKM. Reinhardt konzentriert sich stets darauf, dass sich Kunstwerke sowohl ergänzen als auch kritisch herausfordern, wobei wissenschaftliche Vermittlung von Kunst und künstlerische Auseinandersetzung zu einem zusammengehörigen Prozess werden. Auch den „besonderen kuratorischen Umgang mit der räumlichen Beschaffenheit des Hauses“ hob der Kunstkritikerverband hervor. Trotz beschränkter Mittel und dem uneinheitlichen Grundriss des Baus nutze das Museum diese Hürden zu seinem Vorteil – Hürden, an denen manch größeres Haus scheitere. |