Zum Tod des Galeristen Franz Dahlem  |  | Andy Warhol, Gerhard Bott und Franz Dahlem 1971 im Block Beuys | |
Obwohl ihm die Kunst keineswegs vorgezeichnet war, entwickelte sich Franz Dahlem zu einer der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre und wirkte weit über die Grenzen der BRD hinaus. Geboren 1938 in München, arbeitete er ursprünglich als Bierbrauer und Buchhändler. Im damaligen Nachkriegsdeutschland gab es laut Dahlem noch keine Galerienszene, lediglich einen etablierten Kunsthandel. 1961 lernte er den Künstler Uwe Lausen kennen und konzipierte für ihn eine Ausstellung in der Berliner Galerie Springer. Diese Begegnung markierte für Dahlem den Einstieg in die Kunstwelt. 1963 eröffnete er zusammen mit Six und Heiner Friedrich die Galerie Friedrich & Dahlem in München, gegen Ende des Jahres 1966 schließlich seine eigenen Räume in Darmstadt.
Durch seine Arbeit wurde Franz Dahlem rasch zu einem prägenden Akteur der zeitgenössischen Szene und zeigte früh Künstler, die später internationale Bekanntheit erlangten, darunter Joseph Beuys, Gerhard Richter sowie die Amerikaner Robert Rauschenberg und Cy Twombly. Besondere Bedeutung kam Dahlems Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Wella-Erben Karl Ströher zu, der auf seinen Ratschlag hin die Sammlung des US-Sammlers Leon Kraushar erwarb und damit erstmals in großem Umfang die neue amerikanische Kunst der Pop Art in Deutschland sichtbar machte. Ströher kaufte auf Dahlems Initiative ebenfalls eine komplette Ausstellung der Werke von Joseph Beuys, die er zusammen mit der Kraushar-Sammlung dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt als Leihgabe überließ. Letztendlich wurde die Pop Art-Sammlung 1981 nach Frankfurt abgegeben, der sogenannte „Block Beuys“ blieb im Darmstadt.
Franz Dahlem prägte die Kunstszene auch auf anderem Wege; er galt als Inspiration für viele Kunstschaffende wie Andy Warhol, Blinky Palermo oder Georg Baselitz. Rein aus Leidenschaft für die Kunst engagierte er sich unermüdlich für Künstlerinnen und Künstler, ohne sich dabei auf den persönlichen Profit zu konzentrieren. Als Galerist verstand er sich weniger als Händler, sondern eher als Vermittler und Kunstliebhaber. In der Szene galt er bis zuletzt als Elder Statesman, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort wirkte und damit Sammlungen, Museen und das Verständnis zeitgenössischer Kunst in Deutschland nachhaltig beeinflusste. Am 29. Dezember ist Franz Dahlem nun im Alter von 87 Jahren verstorben. |