Saarbrücken nimmt Alexander Archipenko und Marthe Donas in den Blick  |  | Marthe Donas, Stillleben mit Figur, 1917 | |
In Kooperation mit dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen präsentiert das Saarlandmuseum seit dem Wochenende die Ausstellung „Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde“. Die Werkschau in Saarbrücken mit etwa 120 Exponaten illustriert das fruchtbare Zusammenwirken des Künstlerpaars zwischen 1917 und 1920. Des Weiteren verweist Kuratorin Kathrin Elvers-Švamberk auf die Verdienste des Duos um die Wiederbelebung des kosmopolitischen Künstlerkreises „La Section d’Or“ nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Zu den Highlights zählen Werke, die auf unterschiedliche Weise die hergebrachten Grenzen des Tafelbilds sprengten, etwa die revolutionären „shaped canvases“ der Malerin Donas als auch die „sculpto-peintures“ des Bildhauers Archipenko.
Die belgische Malerin Marthe Donas, Jahrgang 1885 aus Antwerpen, und der 1887 in Kiew geborene ukrainische Bildhauer Alexander Archipenko lernten sich 1917 in Cimiez nahe Nizza kennen. Archipenko, der die kubistische Skulptur entwickelt hatte, erarbeitete mit Marthe Donas einen unkonventionellen Umgang mit Farbe, Form und Volumen. Hieraus resultierten nicht nur neue Varianten kubistischer Bildkonzepte, sondern auch das maßgebliche Aufleben der 1919 wiederbegründeten „La Section d’Or“. Der Pariser Kreis bestand aus französischen wie auch ukrainisch- und russischstämmigen Kubisten und einer für die damalige Zeit ungewöhnlich hohen Zahl an Frauen. Manche traten unter französischen und männlich klingenden Pseudonymen auf. „La Section d’Or“ entwickelte sich, nicht zuletzt wegen der europaweiten Netzwerke Archipenkos, zu einer einflussreichen Strömung der Avantgarde. Tour Donas, Marthe Donas’ Pseudonym, trat als zentrale Verbindungsperson zur niederländischen De Stijl-Bewegung um Theo van Doesburg und Piet Mondrian auf. Trotz ihres zeitweise großen Erfolgs geriet Marthe Donas bereits in den Folgejahrzehnten in Vergessenheit, wohingegen Alexander Archipenko, der 1964 in New York starb, bis heute ein bekannter Name ist.
Kathrin Elvers-Švamberk ergänzt: „Die Ausstellung offenbart, wie intensiv und vielschichtig der künstlerische Austausch zwischen der Malerin und dem Bildhauer war und wie fruchtbar sich die wechselseitige Inspiration auf die je eigene Formensprache ausgewirkt hat. Ein Schwerpunkt der Präsentation liegt auf den in Europa selten gezeigten, farbstarken dreidimensionalen „Skulpto-Malereien“ Archipenkos, die besonders deutlich den Dialog mit Marthe Donas erweisen. Wir freuen uns, dass das Saarlandmuseum mit seiner einzigartigen Archipenko-Sammlung dank dieser Gemeinschaftsausstellung mit dem Antwerpener Partnerhaus bislang unbekannte Hintergründe seines Schaffens beleuchten kann und zugleich einer virtuosen, innovativen Künstlerin der Klassischen Moderne die adäquate Sichtbarkeit verschafft.“
Die Ausstellung „Marthe Donas & Alexander Archipenko. Power-Paar der Avantgarde“ läuft bis zum 17. Mai. Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
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