Düsseldorf restituiert Cranach-Gemälde  |  | Lucas Cranach d.Ä. und Werkstatt, Christus am Ölberg, um 1540 | |
Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hat beschlossen, das Gemälde „Christus am Ölberg“ von Lucas Cranach d.Ä. und seiner Werkstatt gemeinsam mit der Erbgemeinschaft nach Alfred Strauss zu verkaufen und den Erlös zu teilen. 75 Prozent des Wertes erhält die Erbgemeinschaft, die verbleibenden 25 Prozent fließen in den Ankaufsetat des Museums Kunst Palast. Mit dieser Einigung reagiert die Stadt auf ein Restitutionsgesuch und würdigt zugleich das Schicksal des früheren Eigentümers Alfred Strauss, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft vom NS-Regime verfolgt wurde. Gleichzeitig berücksichtigt die Vereinbarung die lückenhafte Provenienz des Gemäldes, die sich heute nicht mehr vollständig klären lässt.
Der Österreicher Alfred Strauss war hauptsächlich als Gesangslehrer für Schauspieler*innen tätig und lebte seit 1929 in Berlin. Im Jahr 1937 erwarb er das um 1540 entstandene Renaissance-Gemälde. Kurz darauf kehrte er in seine Heimatstadt Wien zurück. Als Österreich im März 1938 Teil des Deutschen Reiches wurde, floh Strauss zunächst nach Paris und emigrierte 1939 weiter in die USA, wo er 1966 im Alter von 72 Jahren verstarb. Aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung stellte Strauss mehrere Entschädigungsanträge. Darin erwähnte er unter anderem den Verlust von zehn Gemälden, die ihm 1937 und 1938 entzogen worden seien. Dazu zählt auch Cranachs Ölbergszene. Das entsprechende Verfahren schloss 1962 mit einem Vergleich ab.
Die Herkunftsgeschichte von Cranachs „Christus am Ölberg“ bleibt in mehreren Punkten unvollständig. Erst 1930 schrieb man das Werk dem Meister zu, als es der Kirche „Zur Frohen Botschaft“ in Berlin-Karlshorst überlassen wurde. Nach einem Erbstreit gelangte es 1935 wieder in Berliner Privatbesitz, bis Strauss es ankaufte. Wenige Monate später gab er das Bild vermutlich an den Kölner Kunsthändler Hermann Abels weiter, jedoch lassen sich die genauen Umstände dieser Transaktion heute nicht mehr rekonstruieren. Im Januar 1949 kaufte die Stadt Düsseldorf die Ölbergszene schließlich von Ursula Stuckert. Ihr Ehemann, der Maler und Kunsthändler Rudolf Stuckert, vermittelte die Übergabe. Vor diesem Hintergrund einigten sich die Stadt Düsseldorf und die Erbgemeinschaft auf einen gemeinsamen Verkauf gemäß der Washingtoner Prinzipien. Auch der Bewertungsrahmen der neuen Schiedsgerichtsbarkeit für NS-Raubgut sieht in Fällen mit nicht mehr aufklärbaren Sachverhaltslücken solche einvernehmlichen Lösungen als angemessenen Weg an. |