Klara Lidén in den Berliner Kunst-Werken  |  | Klara Lidén, Grounding, 2018 | |
Mit ihrer ersten institutionellen Einzelausschau in Berlin bespielt Klara Lidén von diesem Wochenende an die Räume des KW Institute for Contemporary Art. Dafür hat Direktorin und Kuratorin Emma Enderby zentrale Arbeiten der 1979 geborenen Schwedin, die heute in Berlin lebt, aus den frühen 2000er Jahren bis in die Gegenwart ausgewählt. Als ehemalige Architekturstudentin stellt Lidén auch ihr künstlerisches Schaffen in einen Bezug zum urbanen Raum und den damit verbundenen gesellschaftlichen und sozialen Gegebenheiten. So dringt sie immer wieder in das Innere von Städten vor und widersetzt sich in ihren Performances, Videos, Installationen oder Fotografien mit hoher Energie und Punkattitüde deren Normen und Erwartungen. Schon in ihrem frühen Foto „Self Portrait with the Keys to the City“ aus dem Jahr 2005 tritt Lidén mit einem Bolzenschneider, Schraubenschlüssel, einer Taschenlampe und einem Kanaldeckelheber auf, um mit diesen „Keys“ die Stadt „zu öffnen“ und öffentliche Infrastrukturen und die darin herrschenden Regeln zu testen. Oft unter Einsatz ihres eigenen Körpers macht sie sichtbar, wie diese Strukturen unser Handeln vorzeichnen und wie sich Umgebungen, die von Kontrolle und Ausschluss geprägt sind, navigieren und subtil zurückerobern lassen.
„Ein Teil von mir ist diese dürftige Architektin, die mit dem Problem existierender Strukturen in der Stadt ringt, ein anderer Teil diese Amateurtänzerin, die dem Bauen oder der Wiederaneignung des bebauten Raums ein Gefühl von Rhythmus zurückgeben möchte“, sagt Lidén über ihre Kunst. Dafür holt sie schon einmal Fundstücke wie Mülltonnen oder Bestandteile kommunaler Beleuchtung beinahe unverändert in den Ausstellungsraum oder arbeitet mit vorgefundenen Materialien der städtischen Umgebung, wie Karton, Metall, Beton, Holz, Zäune oder Straßenbanner, die sie zu raumbestimmenden Werken zusammensetzt. Ziviler Ungehorsam steckt als zentrales Moment in all ihren Arbeiten, so auch in ihren Performances und Videos. In „Grounding“ von 2018 bewegt sie sich zunächst gleichmäßig durch die engen Straßenschluchten des für Fußgänger unfreundlichen Finanzdistrikts von New York. Durch den Druck der Fassaden kommt ihr Körper dabei plötzlich aus dem Gleichgewicht, sie fällt, steht wieder auf und läuft regelkonform weiter, als wäre nichts geschehen, nur um wieder hinzufallen. Damit konterkariert sie die Finanzwelt, die auf stetiges Voranschreiten und Wachstum ohne Rückschläge ausgelegt ist. Als „unbuilding“ beschreibt Klara Lidén diese Prozesse, in denen sie prägende Strukturen freilegt, umdeutet und für den Menschen zurückgewinnt.
Die Ausstellung „Klara Lidén. Kunstwerke“ läuft vom 21. Feburar bis zum 10. Mai. Das KW Institute for Contemporary Art hat mittwochs bis montags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro; für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre ist er kostenlos.
KW Institute for Contemporary Art – Kunst-Werke Berlin e.V.
Auguststraße 69
D-10117 Berlin
Telefon: +49 (0)30 – 24 34 590 |