Berliner Skulpturensammlung restituiert barocke Figur  |  | Christus an der Geißelsäule, Süddeutschland oder Österreich, frühes 18. Jahrhundert | |
Die Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin gibt die barocke Schnitzerei „Christus an der Geißelsäule“ an die Erben von Charlotte und Albin von Prybram-Gladona zurück. Seit 1935 gehört das um 1700 in Süddeutschland oder Österreich entstandene Werk zur Museumssammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und wurde nun im Rahmen der systematischen Provenienzforschung zu den Erwerbungen im Zeitraum zwischen 1933 und 1945 als Vermögensverlust aufgrund von NS-Verfolgung eingeordnet. „Als Direktorin ist es mir wichtig, dass wir als öffentliche Sammlung nicht zu Profiteuren von Zwangslagen Dritter werden, die auf politische, ethnische oder rassistische Verfolgung zurückzuführen sind. Daher ist die Rückgabe von verfolgungsbedingt verlorenem Kulturgut für uns eine Selbstverständlichkeit“, erklärte Antje Scherner, Direktorin der Skulpturensammlung.
Der 1894 in Zürich geborene Albin von Prybram-Gladona stammte aus einer wohlhabenden Wiener Diplomatenfamilie und studierte ab 1909 in Oxford, München und Basel Kunstgeschichte und Musik. Als Journalist arbeitete er bei verschiedenen Zeitungen. 1929 erwarb er Geschäftsanteile der Bayerischen Verlags GmbH und wurde dort Verlagsdirektor. Obwohl seine aus jüdischen Familien stammenden Eltern schon vor ihrer Hochzeit zum evangelischen, respektive katholischen Glauben konvertiert waren, wurde von Prybram-Gladona unter der Nazi-Herrschaft aus rassischen und religiösen Gründen unterdrückt. 1935 flüchtete er für einige Monate nach Österreich. Als er nach München zurückkehrte, war der Verlag bereits durch den NSDAP-eigenen Franz-Eher-Verlag übernommen; Albin von Prybram-Gladona hatte seinen Posten und seine Verlagsanteile verloren. Ohne Arbeit konnte er seine Wohnung nicht mehr finanzieren und zog zu seinen Schwiegereltern.
Aufgrund dieser Diskriminierung verschlechterten sich seine beruflichen, finanziellen und räumlichen Lebensumstände massiv. Prybram-Gladona war daher gezwungen, Teile seiner Kunstsammlung zu veräußern. So schickte er bereits im November 1935 das Andachtsbild „Christus an der Geißelsäule“ an das Berliner Bode-Museum, in der Hoffnung, dass dieses die Skulptur erwerben würde. Tatsächlich entschied Direktor Theodor Demmler, sie für 400 Mark anzukaufen. 1938 konnte er mit seiner Frau Charlotte von Prybram-Gladona nach Frankreich emigrieren, wo er jedoch mehrfach interniert und regelmäßig von der Gestapo kontrolliert wurde. Im Juni 1941 wurde beiden die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen. Nach dem Krieg lebte das Ehepaar in München und Paris, wo Charlotte als Kunsthistorikerin tätig war. 1966 zogen sie nach Salzburg und legten erneut eine umfangreiche Sammlung an. Während Albin von Prybram-Gladona bereits 1974 starb, lebte seine Frau noch bis zum Jahr 2002. Nach ihrem Tod wurde die Kunstsammlung 2005 bei Christie’s versteigert. |