Peter Stämpfli gestorben  |  | Peter Stämpfli mit seiner Arbeit „Town and Country“ von 1969 | |
Der Künstler Peter Stämpfli ist tot. Wie sein Pariser Galerist Georges-Philippe Vallois mitteilte, starb der gebürtige Schweizer am vergangenen Freitag im Alter von 88 Jahren. Der Maler, Grafiker, Bildhauer und Filmemacher zählt zu den wichtigsten Protagonisten der Pop Art in der Schweiz und vertrat sein Heimatland auf internationalen Ausstellungen. Stämpfli, geboren am 3. Juli 1937 in Deisswil bei Münchenbuchsee im Kanton Bern, besuchte von 1954 bis 1956 die Kunstgewerbeschule Biel, anschließend bis 1958 die Malschule von Max von Mühlenen in Bern. In jenem Jahr lernte er in der Berner Kunsthalle die jungen Abstrakten Expressionisten aus dem USA kennen, schloss sich deren Malweise an und schuf Gemälde, die sich von Arbeiten Jackson Pollocks kaum unterschieden. 1959 zog er dann nach Paris und richtete sich im berühmten Bateau-Lavoir auf dem Montmartre ein Atelier ein.
Doch die Auseinandersetzung mit der abstrakt-gestischen Kunst befriedigte Stämpfli nicht; er suchte nach neuen Ausdrucksweisen, die er in den Reklamewänden der Pariser Metrostationen und der neuen plakativen, objektbezogenen Kunst aus den USA fand. Er malte in einer flächigen und simplifizierten Art Zigarettenschachteln, Flaschenhälse, ein Glas Bier mit zwei Händen, Schuhe an Frauenfüßen oder eine einzelne gelbe Rose und immer wieder Autos. Auf der Biennale de Paris von 1963, an der Peter Stämpfli die Schweiz vertrat, zeigte er zum ersten Mal diese Bilder einer größeren Öffentlichkeit und präsentierte sich damit als Sachverwalter der Pop Art. Über das Auto als Inbegriff der amerikanisch geprägten Konsumkultur kam er Mitte der 1960er Jahre zu seinem Hauptmotiv, dem Autoreifen und seinem Abdruck, das er über Jahrzehnte bis in die Abstraktion verfolgte. So vergrößerte er den Ausschnitt der Reifenprofile derart, dass nur noch geometrische Winkelformationen in kräftigen Farben oder in Monochromie übrigblieben.
Diese Strukturen von Zickzacklinien oder typischen Reifenprofilen übertrug Stämpfli zudem im extremen Ausschnitt auch auf die Gattung Skulptur, auf Flaggen, auf monumentale Wandmalereien im öffentlichen Raum oder auf Glasfenster für sakrale Umgebungen. Da der Autoreifen für ihn nur zum Vorwand für seine Form- und Raumgestaltung wurde, wird sein Schaffen auch in Verbindung mit der Minimal Art und der Konzeptkunst gebracht. Mit seiner Kunst war Stämpfli ab Mitte der 1960er Jahre auf vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zugegen, etwa 1972 im Palais des Beaux-Arts in Brüssel, 1980 im Centre Pompidou in Paris, 1982 im Aargauer Kunsthaus, 2002 im Jeu de Paume in Paris oder 2014 in der Fondation Maeght. 1967 repräsentierte Stämpfli zusammen mit Andreas Christen die Schweiz auf der Biennale von São Paulo und bespielte 1970 zusammen mit Walter Vögeli den Schweizer Pavillon auf der Biennale von Venedig. 2010 gründete er im spanischen Sitges – 1961 hatte er die Spanierin Anna-Maria Torellò geheiratet – die „Fundació Stämpfli – Art Contemporani“ mit seinen Arbeiten und denen befreundeter Künstler wie Eduardo Arroyo, Pol Bury, Rafael Canogar, Erró, Konrad Klapheck, Jacques Monory, Niele Toroni oder Jan Voss, die seither zahlreiche Ausstellungen organisiert hat und nun sein Andenken pflegt. |